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Was auf Riesas altem Stadtgut läuft

Da wird geimkert, gemalert, gezeltet - auf Gut Göhlis ist gerade richtig Hochbetrieb.

Es summt, es blüht, aber es kann auch mal piksen: Diese beiden Teilnehmer des Sprungbrett-Feriencamps haben sich an den neuen Bienenstöcken auf Gut Göhlis in Schutzkleidung gehüllt.
Es summt, es blüht, aber es kann auch mal piksen: Diese beiden Teilnehmer des Sprungbrett-Feriencamps haben sich an den neuen Bienenstöcken auf Gut Göhlis in Schutzkleidung gehüllt. © Sebastian Schultz

Riesa. Einem Bienenvolk hat es im Gut Göhlis so gut gefallen, dass es gleich in die Büsche abgeschwirrt ist. "Das kriegen wir wohl nicht zurück", sagt Wolfgang Prieps vom Sprungbrett e.V. Die Natur hier ist aber auch verlockend: Nachdem die Rapsfelder ringsum verblüht sind, blühen aber noch die Blumen auf den Wiesen und viele Sträucher nebenan. Und ein Bienenvolk ist dem neuen Bienenstock ja noch verblieben.

"Honig nehmen wir dieses Jahr noch keinen raus", erklärt der Sprungbrett-Mann den Kindern, die sich in weiße Imker-Schutzmontur gehüllt haben. "Die Bienen müssen noch Reserven für den Winter bilden." Sie werden auch im Winter auf der Wiese neben dem markanten Schafstall stehen bleiben. Wird den Tieren in ihrem Holzkasten zu kalt, wärmen sie sich mit Flügelschlagen. Menschliche Aufsicht bleibt aber trotzdem wichtig: "Wir schauen, ob sich Ameisen, Mäuse oder Milben an unseren Bienen zu schaffen machen", sagt Wolfgang Prieps, den hier alle nur Wolfi nennen.

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Jedes Jahr werden auf Gut Göhlis neue Obstbäume gepflanzt.
Jedes Jahr werden auf Gut Göhlis neue Obstbäume gepflanzt. © Sebastian Schultz
Wie entsteht Honig? Das neue Schild erklärt es. Mittlerweile hängt es am Pfosten, der hinten gerade eingeschlagen wird.
Wie entsteht Honig? Das neue Schild erklärt es. Mittlerweile hängt es am Pfosten, der hinten gerade eingeschlagen wird. © Sebastian Schultz
Ein Blick in den neuen Bienenstock - vom Sprungbrett e.V. gezimmert.
Ein Blick in den neuen Bienenstock - vom Sprungbrett e.V. gezimmert. © Sebastian Schultz

Um die Honigproduktion geht es dem Verein ohnehin bestenfalls an zweiter Stelle. "Wir wollen den Kindern zeigen, wie das mit dem Honigmachen funktioniert", sagt der Sprungbrett-Mann. Und deshalb wurde am Donnerstag auch gleich noch eine große Infotafel auf dem Areal aufgestellt - mit QR-Codes, die als Verlinkung zu Online-Videos führen: Sie zeigen, wie Honig entsteht und wie der Kasten in Göhlis gebaut wurde.

Die Idee kam dem Verein Sprungbrett in der Coronazeit - als man die Einrichtungen nur für maximal fünf Kinder öffnen durfte. Online fand sich eine Bauanleitung für eine Bienenkiste. Die Riesaer bestellten Material und los ging es. Auch Schutzausrüstung für Nachwuchs-Imker wurde gleich bestellt. Die bleibt hier auf dem Gut - für weitere Ferienprojekte oder Schulklassen, die durch das extra eingebaute Sichtfenster das Leben der Bienen beobachten wollen.

Das aktuelle Ferienprogramm heißt "Säge-Holz-Stein-Tiger-Camp", da wurden etwa Wikingerstühle aus Holz gebaut. Geplant war auch noch, einen Kletterturm zu bauen. Dabei wurden aber auch Obstbäume gepflanzt. "Das machen wir jedes Jahr", sagt Wolfgang Prieps. Pflaumen- und Apfelbäume waren schon dabei, dieses Jahr sind Süß- und Sauerkirschen dran. Möglich macht das ein Sponsor - die Baum- und Rosenschule Müller aus Oschatz.

Neben vielen Bäumen finden sich auch noch etliche Zelte auf der großen Wiese von Gut Göhlis: Dort übernachten die Teilnehmer des Sprungbrett-Feriencamps, 16 Kinder im Alter von acht bis 16 Jahren. Das geht jetzt die ganzen Sommerferien über mit anderen Projekten weiter - Zickencamps für Mädchen etwa oder einem Stand-up-Paddel-Kurs. "Da sind sogar noch Plätze frei", sagt Prieps.

Die Berlinerin Laura Mirjam Walter hat eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht. Nun geht es weiter Richtung Prag.
Die Berlinerin Laura Mirjam Walter hat eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht. Nun geht es weiter Richtung Prag. © Sebastian Schultz
Auf Gut Göhlis gibt es viel Liebe zum Detail - das zeigt sich an etlichen Stellen.
Auf Gut Göhlis gibt es viel Liebe zum Detail - das zeigt sich an etlichen Stellen. © Sebastian Schultz
Die Damen-Duschen im Sanitärcontainer wurden gerade neu gestaltet.
Die Damen-Duschen im Sanitärcontainer wurden gerade neu gestaltet. © Sebastian Schultz
Das einstige Volksgut Göhlis hat bis heute viel von seinem Charme bewahrt.
Das einstige Volksgut Göhlis hat bis heute viel von seinem Charme bewahrt. © Sebastian Schultz

Außerdem erwartet man jetzt am Riesaer Stadtrand noch zwei Zeltlager. Einmal kommen die Tischtennis-Spieler vom SC Riesa, ein andermal Pfadfinder aus Leipzig. Und natürlich gibt es da auch noch den ganz normalen Campingplatzbetrieb: Neben dem Areal des Riesaer Wassersportvereins am Stadtpark ist der Platz in Göhlis der zweite reguläre Zeltplatz in Riesa. "Ich bin sehr begeistert, es bräuchte viel mehr solcher Zeltplätze", sagt Laura Mirjam Walter aus Berlin. Die Radtouristin packt gerade in einem Winkel zwischen Sträuchern ihr Zelt zusammen. Dann geht es wieder aufs Fahrrad, zurück auf den Elbradweg gleich hinter dem Gut Göhlis: In Wittenberg ist sie gestartet, die Reise soll weiter bis Prag führen.

Der Betrieb auf dem Campingplatz hatte diesen Sommer zögerlich angefangen, sagt Katrin Hempelt vom Sprungbrett e.V. "Die Leute hatten wegen Corona Bedenken." Aber seit Juni hat Platzwart Roland Wandelt wieder gut zu tun. Der Göhliser Anwohner macht das ehrenamtlich und springt auch noch abends unter der Dusche hervor, wenn Leute anrufen. "Ich hatte schon mal vorgeschlagen, feste Anmeldezeiten einzuführen", sagt Katrin Hempelt. "Aber er sagte, sich auch abends noch auf dem Zeltplatz anmelden zu können, das gehört zum Service dazu."

Katrin Hempelt arbeitet seit fast 30 Jahren für den Sprungbrett-Verein. Die Projektleiterin hat sehr viel mit vom Amt vermittelten Helfern zu tun.
Katrin Hempelt arbeitet seit fast 30 Jahren für den Sprungbrett-Verein. Die Projektleiterin hat sehr viel mit vom Amt vermittelten Helfern zu tun. © Sebastian Schultz

Die Arbeit auf dem Gut wird von Leuten erledigt, die der Verein vom Amt als Maßnahmen vermittelt bekommt. Und zu tun gibt es reichlich - da wurde ein Taubenhaus instand gesetzt, da wird gemalert, da ist ein Barfußpfad angelegt worden, da gilt es einen Kräutergarten zu pflegen. "Natürlich müssen wir den Leuten viel erklären und zeigen", sagt Katrin Hempelt. Wert auf eine gemeinsame Pause mit den Kollegen auf Zeit legt sie trotzdem: Um miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wichtig ist, dass jeder von den anderen mit Achtung behandelt wird. Sonst kann ich auch mal laut werden", sagt sie.

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15 Leute beschäftigt der Sprungbrett e.V. mit seinen Maßnahmen, entweder auf Gut Göhlis oder in der ehemaligen Stadtgärtnerei. Und wenn es mal vorkommt, dass früh jemand nicht erscheint? "Dann suchen wir den zu Hause auf", sagt die Projektleiterin, die schon seit 1993 beim Sprungbrett e.V. arbeitet. Zuletzt haben die Leute mit viel Mühe den Sanitärcontainer schön gemacht und die Frauen-Duschen mit kräftigen Farben neu gestaltet. Da gab es schon Lob von den Übernachtungsgästen. Und auch die Leute aus den Maßnahmen seien stolz. "Manche kommen nachmittags mit ihren Familien wieder zu uns raus, um zu zeigen, was sie geschaffen haben", sagt Katrin Hempelt. Es bleibt spannend auf Gut Göhlis.

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