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Bürgergarten-Betreiberin gibt auf

Die traditionsreiche Gaststätte nahe dem Ernst-Grube-Stadion in Riesa schließt Ende 2021. Findet sich ein neuer Pächter?

Katrin Neubauer in ihrer Gaststätte "Zum Bürgergarten". Seit 2011 leitet sie die Pension und Gaststätte. Doch nun gibt sie auf. Mittlerweile seien die Kosten für den Betrieb nicht mehr zu stemmen.
Katrin Neubauer in ihrer Gaststätte "Zum Bürgergarten". Seit 2011 leitet sie die Pension und Gaststätte. Doch nun gibt sie auf. Mittlerweile seien die Kosten für den Betrieb nicht mehr zu stemmen. © Sebastian Schultz

Riesa. Leichtgefallen ist Katrin Neubauer die Entscheidung nicht, ihre Familiengaststätte und Pension "Zum Bürgergarten" zum Jahresende zu schließen. "Hätten wir 2020 gewusst, was noch alles auf uns zukommt, dann hätte ich den Pachtvertrag eher gekündigt", sagt die 39-Jährige, die seit vielen Jahren als Restaurantfachfrau tätig ist. Seit 1997 betrieben zunächst ihre Eltern Rainer und Gisela Neubauer das Traditionshaus. 2011 übernahm dann Tochter Katrin die Leitung.

Als ihr Vater nach einer Krankheit 2007 verstorben war, stand ihre Mutter zunächst allein da, denn Katrin Neubauer war nach ihrer dreijährigen Berufsausbildung im "Goldenen Löwen" nach Immenstadt im Allgäu gezogen und arbeitete dort in der Region seit 2001 ebenfalls als Restaurantfachfrau. "2008 bin ich nach Riesa zurückgekommen und habe drei Jahre später den Bürgergarten übernommen."

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Kosten waren nicht mehr zu stemmen

Die Gaststätte profitierte damals schon von zahlreichen Stammgästen. Und der dazugehörige Saal mit Platz für rund 90 Personen war oft schon ein Jahr vorher ausgebucht. "Mit Jugendweihefeiern, zum Schulanfang oder auch zu Silvester. Die Feten mit Stammgästen waren immer gut und wir hatten auch viel Spaß", erinnert sich Neubauer. "Aber jetzt kann ich die Personalkosten einfach nicht mehr stemmen."

Zwei fest angestellte Mitarbeiter – darunter auch der Koch – und zwei Aushilfskräfte beschäftigte die Riesaerin im Bürgergarten. Ende Mai soll nun der Abholservice und Lieferdienst für die Speisen enden, bevor auch die kleine Pension mit fünf Zimmern am Jahresende schließt. "Vor Corona waren es immer 30 bis 40 Leute, die unser Tagesangebotsessen genutzt haben. Das waren ältere Leute, die nicht mehr gekocht haben, aber auch Mitarbeiter vom Arbeitsamt."

Mehr als 100 Jahre ist die Gaststätte und Pension "Zum Bürgergarten" schon alt.
Mehr als 100 Jahre ist die Gaststätte und Pension "Zum Bürgergarten" schon alt. © Sebastian Schultz
Blick auf das Gebäude im April 2021 aus Richtung Brückenstraße.
Blick auf das Gebäude im April 2021 aus Richtung Brückenstraße. © Sebastian Schultz
Katrin Neubauer in der Küche. Mit dem Lieferservice soll schon Ende Mai Schluss sein.
Katrin Neubauer in der Küche. Mit dem Lieferservice soll schon Ende Mai Schluss sein. © Sebastian Schultz
Blick in eins der Zimmer. Den Pensionsbetrieb will Katrin Neubauer bis Ende 2021 aufrecht erhalten.
Blick in eins der Zimmer. Den Pensionsbetrieb will Katrin Neubauer bis Ende 2021 aufrecht erhalten. © Sebastian Schultz
Blick auf den markanten Eingang des Gebäudes. Wie es nun weitergeht, ist offen: Die Eigentümer würden sich einen neuen Pächter wünschen, der die Gastronomie weiterführt.
Blick auf den markanten Eingang des Gebäudes. Wie es nun weitergeht, ist offen: Die Eigentümer würden sich einen neuen Pächter wünschen, der die Gastronomie weiterführt. © Sebastian Schultz

Im Dezember 2020 und Januar 2021 gab es noch einmal einen kurzen finanziellen Lichtblick, als die Bundeswehr alle Zimmer mit Vollpension gebucht hatte. "Das war mein Glück. Die Bundeswehr hat damals das Gesundheitsamt in Riesa unterstützt." So viel Glück hatte Katrin Neubauer, die viel Arbeit und Geld in Gaststätte und Pension gesteckt hat, mit der Zimmervermietung allerdings nicht immer.

"2016 gab es einen Brand im Einzelzimmer, als ein Mann sich anzünden wollte." Das klappte aber nicht. Der Mann verschwand, das Feuer blieb. "Das hat zum Glück jemand beobachtet und die Feuerwehr gerufen. Zehn Minuten später hätte der ganze Dachboden gebrannt." Im April 2017 war alles repariert und die Pension mit ihren kleinen hübschen Zimmern wieder komplett fertig.

Seit 1896 im Familienbesitz

Einige Gäste wollten dabei gern in die Zimmer mit Blick auf das altehrwürdige Ernst-Grube-Stadion der Fußballer, das am 29. Mai 1955 als "Stadion der Stahlwerker" mit Platz für 11.000 Zuschauern eingeweiht wurde. Über 100 Jahre zuvor war das Haus gegenüber schon längst erbaut worden. Nadja Berger, die heute mit Mann und Tochter Besitzerin der Gaststätte Bürgergarten ist, sagt auf SZ-Anfrage: "Das Gebäude ist schon seit 1896 im Familienbesitz. Ein Verkauf kommt für uns nicht infrage. Wir suchen nun einen neuen Pächter für Gaststätte und Pension."

Berger kann auch die Entscheidung von Katrin Neubauer verstehen. "Sie hat sich bis jetzt super über Wasser gehalten. Wir wissen, was eine Gaststätte für Arbeit macht", sagt die 62-Jährige, die im bayerischen Bad Wiessee zu Hause ist. "Derzeit können wir wegen Corona allerdings nicht oft in Riesa vor Ort sein. Vielleicht klappt es ja Pfingsten mit einem Besuch."

Dann wird sie sich sicher auch mit Katrin Neubauer treffen, die in Riesa zu Hause ist. Um ihre zwölfjährige Tochter Lea, die sich derzeit mal wieder im Homeschooling befindet, wird sich die Restaurantfachfrau dann bald wieder besser kümmern können, denn: "Ich verlasse die Gastronomie ganz, gebe meine Selbstständigkeit auf und bekomme in einem anderen, zukunftssicheren Beruf eine Festanstellung", sagt die 39-Jährige nicht ohne ein bisschen Wehmut. "Aber das mache ich zwangsläufig. Wir, das Team des Bürgergartens, danken allen für ihr jahrelanges Vertrauen in uns."

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