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Geschenkpakete statt Weihnachtsfeiern

Auch am Nudelcenter der Teigwaren Riesa geht die Corona-Krise nicht spurlos vorbei. Wie das Unternehmen mit der Pandemie und den neuen Regeln umgeht.

Beate Lehmann bereitet im Nudelcenter der Teigwaren Riesa Geschenkpäckchen vor. Weil viele Betriebsfeiern in diesem Jahr ausfallen müssen, bietet das Unternehmen die Präsente als Alternative an.
Beate Lehmann bereitet im Nudelcenter der Teigwaren Riesa Geschenkpäckchen vor. Weil viele Betriebsfeiern in diesem Jahr ausfallen müssen, bietet das Unternehmen die Präsente als Alternative an. © Sebastian Schultz

Riesa. Beate Lehmann und ihre Kolleginnen im Nudelkontor der Teigwaren übernehmen in diesen Tagen die Rolle von Weihnachtswichteln. Palettenweise liegen die Kartons mit Nudeln, Wein und anderen Spezialitäten aus dem Kontor des Riesaer Unternehmens bereit. Regelrecht im Akkord sind die Mitarbeiterinnen damit beschäftigt, die blauen Tüten und andere Geschenkpakete zu packen, nicht bloß im Kontor selbst. In einem Raum hinter dem Empfang zum Nudelcenter haben sie noch eine zusätzliche Packstation eingerichtet.

Das Riesaer Unternehmen wird in diesem Jahr voraussichtlich mehr Weihnachtspakete packen, als in denen zuvor. Zumindest ist das die Hoffnung von Nudelcenter-Betriebsleiterin Claudia Pigors. "Weil die Weihnachtsfeiern in unserem Restaurant wohl ausfallen müssen, haben wir den Unternehmen stattdessen angeboten, Präsente zur Verfügung zu stellen. Das wurde bisher auch gut angenommen."

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Nötig ist es allemal, denn seit Anfang November ist auch das Restaurant Makkaroni wieder geschlossen. Auf die Frage, was denn hier gerade passiert, antwortet Mike Hennig mit einem lapidaren: "Sehen Sie doch, wir malern." Das Unternehmen nutzt die Zwangspause für kleinere Schönheitsarbeiten, mehr geht zurzeit nicht. "Einige Mitarbeiter des Nudelcenters haben wir außerdem an die Produktion verliehen", sagt Hennig, der seit Juli neben der Nudelfabrik auch das ausgegründete Nudelcenter als Geschäftsführer leitet. Während in den beiden Hallen zuletzt gar nicht genügend Pasta vom Band laufen konnte, herrscht im touristischen Bereich fürs Erste Stillstand.

Mike Hennig leitet seit einigen Monaten als Geschäftsführer neben den Teigwaren Riesa auch die zum Jahresanfang neu gegründete Nudelcenter GmbH.
Mike Hennig leitet seit einigen Monaten als Geschäftsführer neben den Teigwaren Riesa auch die zum Jahresanfang neu gegründete Nudelcenter GmbH. © Sebastian Schultz

Dabei gab es nach dem ersten Lockdown durchaus auch wieder Grund zu zaghaftem Optimismus. Insbesondere die Gläserne Produktion sei wieder gut nachgefragt gewesen, sagt Claudia Pigors. "Die Nachfrage war immer da, Richtung Herbst hat sich das auch langsam wieder normalisiert." Bemerkenswert sei, dass die Zahl der Tagesausflügler auch von weiter her offenbar zugenommen hat. "Das sieht man an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz."

Neue Technik für die Werksführungen

Damit die Führung durch das Nudelwerk angesichts verschärfter Regeln durchführbar bleibt, hatte das Unternehmen sogar einen niedrigen vierstelligen Betrag in neue Audiotechnik investiert. Bei den Führungen trägt der Teigwaren-Mitarbeiter jetzt ein Headset, die Besucher wiederum ein Empfangsgerät, das ein wenig an einen MP3-Player erinnert. "Damit können wir die Mindestabstände einhalten, und trotzdem versteht jeder, was wir erzählen", sagt Pigors.

Weil zuletzt aber nur zehn Menschen gleichzeitig an der Führung teilnehmen konnten, werden in diesem Jahr deutlich weniger Menschen die Nudelherstellung besucht haben. 200.000 sind es sonst pro Jahr. Vielleicht kommt man Ende 2020 bei etwa halb so vielen Besuchern heraus, schätzt Claudia Pigors. "Wenn überhaupt." Immerhin: Die neu angeschaffte Technik wird auch nach der Pandemie von Vorteil sein. "Damit können wir später auch größere Gruppen in die Gläserne Produktion lassen", sagt Mike Hennig.

Claudia Pigors zeigt die neue Audiotechnik, die das Unternehmen für die Führungen durch die Gläserne Produktion besorgt hatte. Die hilft jetzt, Abstandsregeln einzuhalten - und soll nach der Pandemie dafür sorgen, dass mehr Menschen gleichzeitig an den Fü
Claudia Pigors zeigt die neue Audiotechnik, die das Unternehmen für die Führungen durch die Gläserne Produktion besorgt hatte. Die hilft jetzt, Abstandsregeln einzuhalten - und soll nach der Pandemie dafür sorgen, dass mehr Menschen gleichzeitig an den Fü © Sebastian Schultz

Erst Anfang des Jahres hatte der gebürtige Hallenser den Posten bei den Teigwaren angetreten, nachdem sich Irmgard Freidler aus dem Riesaer Unternehmen zurückgezogen hatte. Hadern will er mit der aktuellen Pandemiesituation nicht, persönlich sieht er sie eher als Herausforderung, die es zu meistern gilt. Aber für Teile des Nudelcenters sei der Teil-Lockdown natürlich trotzdem problematisch. Denn was jetzt an Einnahmen wegbreche, sei natürlich nicht wieder aufzuholen. "Die Leute gehen ja nicht zweimal hintereinander bei uns essen, nur weil sie es jetzt nicht konnten." Erste Folgen hat das schon jetzt: "Wir hatten eigentlich vor, im Nudelmuseum zu investieren." Unter anderem sollten dort digitale Angebote hinzukommen. Diese Pläne sind nun erstmal aufgeschoben.

Corona-Fall in der Produktion wäre dramatisch

Mit staatlicher Hilfe will Mike Hennig nicht fest rechnen. Zwar ist das Restaurant geschlossen, aber über das Nudelkontor wird die Gesellschaft vermutlich noch so viel Umsatz erwirtschaften, dass es für die außerordentliche Wirtschaftshilfe wohl nicht reicht. Prüfen will man das trotzdem.

Derweil hofft der Geschäftsführer, dass zumindest die Produktion weiterhin so gut durch die Krise kommt wie bisher - und die Belegschaft vor allem gesund bleibt. "Wir hatten dort bis jetzt keinen einzigen Coronafall." Das wäre auch einigermaßen dramatisch, wie Hennig deutlich macht. Es gebe nämlich nur eine begrenzte Zahl von Leuten, die die Anlagen bedienen können. Werde ein Anlagenführer krank, dann falle an der Stelle die Produktion aus. "Sie kriegen auch über den Arbeitsmarkt nicht so schnell Ersatz", erklärt der Geschäftsführer. Denn das Personal muss über Jahre geschult werden.

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Welche weiteren Folgen die neuen Corona-Einschränkungen auf das Nudelcenter haben könnten, ist noch offen. Wenn sich die Situation länger ziehe, müsse man weitere Einsparmöglichkeiten suchen, sagt Mike Hennig. "Aber wir warten erst einmal, was der Dezember bringt."

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