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„Hanfgemachtes“ aus der Lausitz

Das Bergbau-Unternehmen Leag produziert jetzt Öl, Mehl und Schokolade aus oder mit Hanf. Und es wird noch mehr geben.

Süß und selten: Schokolade aus dem Hause Leag.
Süß und selten: Schokolade aus dem Hause Leag. © Irmela Hennig

Sie knuspert – die neue Schokolade aus dem Hause Leag. Das Bergbau-Unternehmen mit Hauptsitz in Cottbus hat dem Produkt, das wahlweise als Vollmilch, Zartbitter und Weiß zu haben ist, auf der Rückseite Hanfsamen zugefügt. Die Kügelchen lassen es beim Kauen leicht knirschen.

Vergangenes Jahr ist der Kohleförderer und -verstromer in den Hanfanbau eingestiegen. Inzwischen wurde die erste Ernte verarbeitet. Die Hornower Schokoladenmanufaktur Confiserie Felicitas kümmerte sich dabei um die süßen Tafeln mit den Hanfsamen. Von der Mahl- und Ölmühle Kanow aus dem Spreewald kommen Mehl, Tierfutterpellets sowie das Kernstück des neuen Geschäftszweigs – ein kaltgepresstes Speiseöl, in dunkelgrünen schlichten Flaschen. Wie alle Hanfprodukte der Leag wird es mit dem Slogan „Echte Lausitzer Hanfarbeit“ und unter dem Namen „Lusatia Sativa“ vermarktet. Wobei „Lusatia“ für die Lausitz steht, Sativa ist die bekannteste Hanfpflanze. 2.700 Flaschen Öl seien im ersten Jahr abgefüllt worden. Die ersten gibt es seit Anfang Januar in derzeit fünf Geschäften und im Café Schauwerk in Altdöbern. Bei Yvonne Lahn-Heiland im Heiland-Naturladen Weißwasser „geht das Öl sehr gut“, so die Händlerin. Sie hat alle Produkte im Sortiment, habe nur bei Schokolade erst einmal vorsichtig bestellt. Könne aber jederzeit mehr bekommen. Ihr Geschäft ist derzeit das einzige in Sachsen mit „Lusatia Sativa“ im Regal.

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Die anderen liegen in Brandenburg, wie das Reformhaus Bernstein oder Wein Schulz in Spremberg, und einer sogar in Nordrhein-Westfalen. Laut Thoralf Schirmer laufe die aktive Kundenansprache. Ziel sei es, die Anzahl der Anbieter in der Region und gegebenenfalls auch überregional zeitnah zu erweitern. Mit Blick auf das Thema Cannabis, das bei Hanf mitschwingt, gibt die Leag Entwarnung. Der Gehalt an Cannabidiol, kurz CBD, in den Speiseölen sei grundsätzlich unbedenklich. Im Labor sei das Öl auf alle gängigen Stoffe geprüft und nicht beanstandet worden. Selbst CBD-Extrakte seien grundsätzlich für Kinder unbedenklich. „Bei unserem Speiseöl wird aber eben nicht speziell das CBD herausextrahiert und liegt somit in viel geringerer Konzentration vor“, so Schirmer. Bei der Verbraucherzentrale heißt es, dass Hanfsamen natürlicherweise kein Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. Außerdem weisen Faserhanfsorten mit weniger als 0,2 Prozent einen niedrigen THC-Gehalt gemäß der EU-Vorgaben auf. Anderer Hanf dürfe in Europa nicht angebaut werden, informieren die Verbraucher-Experten.

Die Möglichkeiten sind riesig

Zusammen mit dem Institut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde (FIB) hatte die Leag das Naturprodukt Hanf letztes Jahr auf acht Hektar Fläche anbauen lassen. Vier Hektar auf Kippenboden bei Jänschwalde und zum Vergleich noch einmal dieselbe Fläche auf normal gewachsenem Boden im Raum Reichwalde im Landkreis Görlitz.

Wie viel Hanf letztes Jahr geerntet wurde, teilt das Unternehmen zwar nicht mit. Leag-Sprecher Thoralf Schirmer sagt aber: „Wir sind mit den Ergebnissen zufrieden und konnten auch entsprechende Rückschlüsse für den Anbau an verschiedenen Standorten, auf Rekultivierungsflächen und gewachsenen Flächen, ziehen.“ Es gebe zahlreiche Lerneffekte, um die Ernteergebnisse 2021 zu optimieren und so die Erträge pro Hektar zu steigern.

Damit wird klar, es soll dieses Jahr weitergehen. Die Anbaufläche werde bei rund 25 Hektar liegen. Das künftige Vorgehen werde man von den Ergebnissen in 2021 abhängig machen. „Neben den bisherigen Lebensmittelprodukten soll verstärkt die stoffliche Nutzung von Hanffasern für Industrieprodukte geprüft und ausgebaut werden“, so Thoralf Schirmer. Insgesamt sind die Möglichkeiten beim Thema Hanf riesig – reichen von Mehl und Backwaren über Textilien und Kosmetika bis hin zu Papier, Gartenmulch und Baustoffen. Sogar ein komplettes fahrbares Auto ist schon aus Hanf hergestellt worden. Diese Bandbreite hatte unter anderem eine Tagung deutlich gemacht, die 2019 in der Lausitz zum Thema stattfand. Es ging auch darum, zu prüfen, inwieweit Kippenböden von ehemaligen Braunkohle-Gruben für die Pflanze geeignet sind. Laut den Wissenschaftlern vom Finsterwalder Institut müssen rekultivierte Tagebau-Böden für den Anbau mit Mineralien gedüngt werden. Mit der Trockenheit in der Lausitz komme die Hanfpflanze gut zurecht. Jungpflanzen brauchen etwas mehr Wasser; Staunässe sei nicht gut.

Hanf statt Kohle?

Viele Erfahrungen mit dem Thema Hanf gibt es in der Lausitz noch nicht. Zwei größere Projekte waren in der Vergangenheit gescheitert. In Ortrand betraf das die Zellstoffproduktion aus Hanf. Die Spremberger Tuche GmbH mit zuletzt rund 70 Arbeitsplätzen und der Fertigung von Textilien aus nachwachsenden Rohstoffen stellte 2012 den Betrieb ein.

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Für die Leag könnte Anbau und Verarbeitung ein kleines neues Standbein im Portfolio werden. Denn da Deutschland bis 2038 aus der Kohleförderung und -verstromung aussteigt, schaut sich das Unternehmen mit Tagebauen und Kraftwerken auch in Sachsen nach neuen Geschäftsfeldern um. Denn grundsätzlich hat die Leag mehrfach angekündigt, in der Region weiter unternehmerisch zu agieren. Darum wurde unter anderem in Schwarze Pumpe der derzeit größte Batteriespeicher Europas aufgebaut, im Raum Jänschwalde soll ein Windpark entstehen. Am Kraftwerksstandort in Boxberg ist eine Pilotanlage zur Erforschung und Herstellung von Leichtbaustoffen geplant. Die Leag beschäftigt derzeit rund 8.000 Menschen, etwa die Hälfte davon in Sachsen.

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