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Missbrauch in Kirche: Kinder in Neugersdorf betroffen?

Der katholische Pfarrer Erich G. soll nicht nur in Riesa und im Emsland seine Neigungen praktiziert haben, sondern auch in der Lausitz.

Die ehemalige katholische Kirche St. Joseph in Neugersdorf: Hat auch hier ein inzwischen verstorbener Pfarrer sich unsittlich verhalten?
Die ehemalige katholische Kirche St. Joseph in Neugersdorf: Hat auch hier ein inzwischen verstorbener Pfarrer sich unsittlich verhalten? © Foto: Rafael Sampedro

Dresden/Neugersdorf. Der 2015 im Emsland verstorbene Pfarrer Erich G. hat nach Angaben eines Betroffenen sich auch während seiner Amtszeit in der Lausitz sexuell fehlverhalten. "Ich war nackt, er hat mich begutachtet, sich daran ergötzt", sagte ein ehemaliger Ministrant der katholischen Gemeinde St. Joseph in Neugersdorf. "Meinem älteren Bruder ist das wohl auch so widerfahren."

Bislang waren im Fall des Priestertäters Erich G. lediglich drei Betroffene bekannt. Diese Taten ereigneten sich während der Diakon-Zeit in den 1960er-Jahren in Riesa sowie während seines Ruhestands im Emsland. Die Geschehnisse in Neugersdorf sollen sich Ende der 1980er-Jahre abgespielt haben.

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Dem früheren Ministranten zufolge habe man für Erich G. Kohlen ins Pfarrhaus geschafft. Anschließend habe der Pastor dazu aufgefordert, bei ihm in die Badewanne zu steigen, um sich zu waschen. "Ich saß dann auch nackt auf seinem Bett. Er wollte mit mir eine Flasche Sekt trinken und anstoßen, auf dass man zum Mann wird", schildert der Betroffene. Er betont jedoch, dass Erich G. ihn nie angefasst habe. Sein Bruder habe den nackten Priester in dessen Badewanne waschen müssen.

Die Jungen hatten ihre sonderbaren Erlebnisse seinerzeit nicht verschwiegen. Die Mutter, eine Tante und die Oma hätten dazu beratschlagt. Auf eine Anzeige verzichtete die Familie aus Rücksicht auf die Katholische Kirche. Seine Mutter habe dann später geregelt, "dass mein Bruder und ich nie wieder hin mussten".

Keine Reaktion vom Bistum

Der frühere Messdiener beschreibt Erich G. als einen Typen, "der uns begeistert hat". Es habe damals zehn, vielleicht zwölf Ministranten gegeben, "die immer mal da waren". Vielleicht habe es da sexuell mehr gegeben, "aber wir haben als Jungs ja nicht drüber geredet." Über das Geschehen in Neugersdorf habe er das Bistum Dresden-Meißen 2010 oder 2011 unterrichtet, mit einer Mail an den damaligen Bischof Joachim Reinelt. "Ich habe nie eine Antwort bekommen."

Bistumssprecher Michael Baudisch teilt dazu mit, in den Akten finde sich keine entsprechende Mail, auch nicht im bischöflichen Geheimarchiv. Bischof Reinelt sei im Januar 2012 emeritiert worden; man könne nicht ausschließen, dass die "Nichtmeldung" damit zusammenhängt. Allerdings lief zu dieser Zeit bereits ein Verfahren gegen Erich G. während der zuvor bekannt gewordenen Fälle. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellte die Ermittlungen gegen Erich G. wegen Verjährung ein. Die Kirche verpflichtete ihn, wegen seiner Verfehlungen täglich einen Rosenkranz zu beten und karitative Projekte zu unterstützen.

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Das Bistum teilte mit, dass sich außer dem Mann aus Neugersdorf nach der Berichterstattung von Sächsische.de über den Fall ein weiterer mutmaßlicher Betroffener gemeldet habe. Der bereits bekannte Betroffene aus Riesa behauptet, er wisse von wenigstens einem weiteren Fall, ein anderer Betroffener aus Westsachsen spricht von mindestens weiteren fünf Missbrauchsopfern. Ein von Erich G. missbrauchter Junge hat geschildert, bei dem Vergehen an ihm habe der Pfarrer erzählt, das "auch schon in Neugersdorf mit seinen Ministranten so gemacht" zu haben.

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