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Sachsen

Paare in Sachsen zögern mit Ja-Wort

Heiraten ist während der Corona-Pandemie nicht einfacher lässt sich nur schwer planen. Viele Heiratswillige warten ab. Hochzeitsdienstleister haben es schwer.

Wer sich in der Corona-Pandemie traut zu heiraten, hat abends ganze Einkaufsstraßen für sich, wegen der Ausgangsbeschränkungen.
Wer sich in der Corona-Pandemie traut zu heiraten, hat abends ganze Einkaufsstraßen für sich, wegen der Ausgangsbeschränkungen. © Emrah Gurel/AP/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Während der Corona-Pandemie zögern offensichtlich viele heiratswillige Paare mit dem Ja-Wort. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den großen sächsischen Städten ergab, ging die Zahl der Eheschließungen in den ersten Monaten dieses Jahres teilweise deutlich zurück. Allerdings seien die Monate Januar bis April und Oktober bis Dezember bei den Paaren allgemein nicht so beliebt, sagte eine Sprecherin der Stadt Chemnitz. Deswegen ließen die Zahlen nicht unbedingt Schlussfolgerungen auf die Wirkung des Lockdowns zu. Hochzeitsagenturen, Fotografen, Brautmoden oder auch Floristen leiden unter der Verschiebung von Hochzeiten.

So gaben sich in Chemnitz in den ersten drei Monaten dieses Jahres 70 Paare das Ja-Wort, 44 weniger als im gleichen Zeitraum zwölf Monate zuvor. In Dresden gingen die Eheschließungen unter Corona-Bedingungen im ersten Quartal von 615 auf 457 zurück. Natürlich würden auch Termine abgesagt oder umgebucht, hieß es. Vor allem Anfang des Jahres hätten solche Termine nicht neu vergeben werden können, weil die betreffenden Mitarbeiter in der Hochphase der zweiten Pandemie-Welle andere Aufgaben wahrnehmen mussten.

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302 Mal wurde seit Jahresbeginn bis Mitte April in den Standesämtern der Stadt Leipzig geheiratet. 2020 waren es im gleichen Zeitraum noch 320, zwei Jahre zuvor 435 Hochzeiten. Um die Verweildauer im Standesamt so kurz wie möglich zu halten, seien längere Ansprachen derzeit leider nicht möglich, hieß es. Es herrsche Maskenpflicht. In Abhängigkeit von der Größe des Trausaals würden zum Teil keine Gäste zugelassen.

Beim Brautmode-Haus von Uwe Herrmann in Dresden ist der Umsatz im vergangenen Jahr um etwa 70 Prozent eingebrochen. "Etwa 300 Euro weniger geben die Bräute im Schnitt für ihr Hochzeitskleid aus." Es gebe allerdings auch jene, die sich bewusst für ein gutes Kleid entscheiden. "Diese wollen nach der amtlichen Eheschließung möglicherweise im nächsten Jahr die kirchliche Trauung nachholen und dann groß feiern." Dass der Umsatz nach der Pandemie wieder das frühere Niveau erreichen wird, glaubt Herrmann nicht. Viele Menschen kauften jetzt im Internet. Zudem verändere die Pandemie auch das modische Denken.

Hochzeits-Dienstleister müssen anders ihr Geld verdienen

Der Anteil der Trauringe am Geschäft der Unternehmen unterscheide sich zwar teilweise deutlich, sei aber durchaus von Bedeutung, sagte der Obermeister Innung der Gold- und Silberschmiede in Dresden und der Oberlausitz, Henning Lehmann. Er selbst habe in seinem Geschäft keinen Rückgang feststellen können. Allerdings habe man im Januar und Februar wegen des Lockdowns nicht verkaufen können. "Das war sehr deutlich zu spüren. Ein solcher Zustand ist nur für kurze Dauer zu überbrücken", sagte Lehmann.

"Die Auswirkungen des Lockdowns machen uns sehr zu schaffen. Ohne einen zusätzlichen Vollzeit-Job hätte man das Gewerbe abmelden müssen", sagte Hochzeitsfotografin Julia Henke aus Chemnitz. Im vergangenen Jahr hätten etwa 90 Prozent der Hochzeiten nicht so stattfinden dürfen, wie sie sollten. Die Zeit fürs Fotografieren sei weniger geworden, Umsatz verloren gegangen.

"Als Fotografin kann ich aktuell mit dem Hochzeitsgeschäft nicht rechnen und muss mir andere Wege suchen, möglicherweise in eine feste Anstellung", bestätigte die Dresdnerin Nora Scholz. "Es ist ein völliges Durcheinander. Weder Fotografen noch Paare können gut planen oder haben irgendeine Sicherheit."

"Für die Kollegen, die sich auf die Hochzeitsfloristik spezialisiert haben, sind die Umsätze massiv eingebrochen, weil keine großen Feierlichkeiten stattfinden dürfen", sagte Kerstin Kreinacker vom Fachverband Deutscher Floristen in Sachsen. Klassische Blumengeschäfte könnten die Verluste auffangen, berichteten jedoch von deutlichen Auftragsrückgängen. So werde etwa teilweise nur noch ein Brautstrauß im Miniformat und ein Anstecker für den Herrn gewünscht. Trauungen im intimsten Kreis fänden auch ganz ohne Blumen statt. Die Nachfrage an Tischschmuck, Raum-und Bühnendekorationen sei gleich Null.

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