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Neue Kita-Studie: Öffnungszeiten auf sieben Stunden verkürzen

Weil angeblich Personal für die Betreuung von Vorschulkindern in Sachsen fehlt, schlägt die Bertelsmann-Stiftung verkürzte Öffnungszeiten vor. Der zuständige Minister ist verwundert.

Von Ulrich Wolf
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Zwei kleine Weltenentdecker spielen in gleichnamigen Kita in Stolpen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Zwei kleine Weltenentdecker spielen in gleichnamigen Kita in Stolpen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. © SZ-Archiv: Jürgen Lösel

Dresden/Leipzig/Gütersloh. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) wundert sich über die jüngste Studie der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung. "In Sachsen können wir den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz erfüllen, wenn auch nicht immer in der Wunsch-Einrichtung", sagte er am Dienstag in Dresden. Sachsen habe genügend Plätze und Fachkräfte, um den geplanten Rechtsanspruch im Grundschulalter bis 2030 umzusetzen.

Er widersprach damit Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, die von einem zusätzlichen Bedarf von 6.100 Kita-Plätzen ausgeht. Der Bertelsmann Vorschlag, die täglichen Kita-Öffnungszeiten auf sieben Stunden zu verkürzen, sei "realitätsfremd". Das würde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie torpedieren. "Unter diesen Bedingungen wäre kein Vollzeitjob für Eltern denkbar."

Die zuständige Bertelsmann-Stiftungs-Expertin Kathrin Bock-Famulla hatte zuvor mitgeteilt, die zurückgehenden Kinderzahlen in Sachsen böten zwar die Chance, bis 2030 wissenschaftlich empfohlene Personalschlüssel zu erreichen. Das werde aber nur gelingen, "wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterbeschäftigt, die Ausgebildeten eingestellt sowie zusätzlich rund 1.600 Fachkräfte gewonnen werden". Als weitere Maßnahme machte sie den Vorschlag, die Kita-Öffnungszeiten auf sieben Stunden täglich zu verkürzen.

Unterdessen verstärkt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) nach den Streiks in den Schulen nun auch wieder den Druck auf die Kindertagesstätten. Bis Weihnachten sollen wieder mehrere Mahnwachen abgehalten werden. Den Auftakt in Sachsen mache Leipzig mit einem Protest vor dem Neuen Rathaus am kommenden Donnerstag, teilte Verdi am Dienstag in Leipzig mit.

Verdi bezieht sich ebenfalls auf die Bertelsmann-Studie, derzufolge im Westen fast 386.000 Kita-Plätze fehlen und im Osten Deutschlands 44.700. In Sachsen betreue eine Erzieherin im Schnitt immer noch mehr Kinder als in westlichen Bundesländern.

Von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hieß es, Ausfallzeiten wie Urlaub, Krankheit und Weiterbildung müssten endlich vollständig im Personalschlüssel berücksichtigt werden. Der prognostizierte Geburtenrückgang mache dies möglich, "doch der politische Wille ist noch zu zaghaft".

Laut Bertelsmann-Studie werden fast 93 Prozent der Kita-Kinder in Sachsen mit einer Personalausstattung betreut, die nicht kindgerecht ist. Es sei davon auszugehen, "dass die Kitas in Sachsen aktuell ihren Bildungsauftrag für die Mehrheit der Kinder nicht erfüllen können", sage Bock-Famulla.

Sachsen weise sowohl in den Krippen- als auch in den Kindergartengruppen eine sehr ungünstige Personalausstattung auf, urteilten die Autoren. In den Krippen liege der Personalschlüssel bei 1 zu 5,4. In den westlichen Bundesländern liegt der Schlüssel bei 1 zu 3,4, die Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung liegt bei 1 zu 3. Auch in sächsischen Kindergärten ist der Personalschlüssel von 1 zu 11,2 deutlich schlechter als der Wert im Westen von 1 zu 7,7. (mit dpa)