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Sachsen bereitet sich auf Wasserknappheit vor

Ein Dürresommer wie 2020 droht bislang nicht. Doch die Lage kann schnell kippen, warnt der Umweltminister.

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Nach Einschätzung von Umweltminister Günther ist  die Lage bei der Wasserversorgung angespannt, aber noch nicht vergleichbar mit dem Dürrejahr 2020.
Nach Einschätzung von Umweltminister Günther ist die Lage bei der Wasserversorgung angespannt, aber noch nicht vergleichbar mit dem Dürrejahr 2020. © Sven Ellger

Dresden. Sachsen will seine Wasserversorgung langfristig krisenfest machen und damit auch für Zeiten der Dürre vorsorgen. "Wir müssen das System der Versorgung härten", sagte Umwelt- und Agrarminister Wolfram Günther (Grüne) in Dresden. Am 27. Juni wolle man die Grundsatzkonzeption Wasserversorgung 2030 vorstellen. Unter anderem müsse das Verbundsystem zwischen den Talsperren ausgebaut werden, um regionale Wasserdefizite ausgleichen zu können. Etwa 40 Prozent des Trinkwassers bezieht Sachsen aus seinen Talsperren. Der Rest stammt aus dem Uferfiltrat von Flüssen und aus dem Grundwasser.

Das Grundwasser macht Sachsen schon seit längerer Zeit zu schaffen. Anfang Juni unterschritten etwa 85 Prozent der Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 33 Zentimeter. Im Juni 2021 waren es in dieser Größenordnung nur 64 Prozent der ausgewerteten Messstellen. "Wie sich die Grundwassersituation in den nächsten Wochen weiterentwickeln wird, hängt ganz stark vom Niederschlagsgeschehen ab", sagte Günther. Die Trockenjahre der Vergangenheit hätten verdeutlicht, dass veränderte klimatische Bedingungen die Intensität von Grundwasserdürren erhöhen können und eine Erholung auch in niederschlagsreichen Jahren schwieriger werde.

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Verbraucher sollen Wasser sparen

Nach Einschätzung Günthers ist die Lage angespannt, aber noch nicht vergleichbar mit dem Dürrejahr 2020. Aufgrund des vergleichsweise feuchten Winters gebe es jetzt mehr Wasser in tieferen Bodenschichten. "Das kaschiert die Lage derzeit. Die Situation kann aber schnell kippen." Selbst 2020 habe man keine Beschränkungen für Verbraucher aussprechen müssen. Der Minister geht davon aus, dass es auch in diesem Jahr nicht dazu kommt. "Dennoch bleibt unser Appell an die Verbraucher bestehen, Wasser zu sparen. Da gilt für Wasser wie für alle natürlichen Ressourcen. Bislang haben wir aus dem Vollen geschöpft. Nun müssen wir sehr sorgsam damit umgehen."

Umweltminister Wolfram Günther (Bündnis90/Die Grünen) kam mit dem Fahrrad zur Kabinetts-Pressekonferenz zur Halbzeit der Legislaturperiode zur Staatskanzlei.
Umweltminister Wolfram Günther (Bündnis90/Die Grünen) kam mit dem Fahrrad zur Kabinetts-Pressekonferenz zur Halbzeit der Legislaturperiode zur Staatskanzlei. © Robert Michael/dpa

Günther zufolge ist perspektivisch mit einem Mehrbedarf an Wasser zu rechnen. Das hänge mit den gewünschten Ansiedlungen von Unternehmen zusammen. "Wir müssen mit zusätzlichen Bedarfen rechnen." Auch die Landwirtschaft werde angesichts von Trockenheit nicht um eine zusätzliche Beregnung herumkommen. Bei einzelnen Gemüsekulturen oder etwa bei Kartoffeln brauche man eine Bewässerung.

"Auf all das müssen wir unser System der Wasserversorgung einstellen. Künftig wird auch das Thema Wasserrückhalt in der Fläche eine größere Rolle spielen. Stichwort: Schwammverhalten der Landschaft, Schwammstädte", so Günther. Es geht darum, Regenwasser nicht einfach abzuleiten, sondern in der Landschaft oder mit Zisternen in Städten zurückzuhalten. Dazu könnten auch Hausbesitzer beitragen. "Hier hilft auch die gute alte Regentonne. Die Summe macht den Nutzen."

Erhöhung der Wasserentnahmeabgabe angekündigt

Günther zufolge sind im neuen Doppeletat Sachsens mehrere Millionen Euro zusätzlich für Wassermanagement geplant. "Wir werden dieses Thema in den kommenden Jahren hochfahren müssen und kalkulieren für die nächsten zehn Jahre mit einem Bedarf von knapp 1,4 Milliarden Euro. Das muss der Freistaat aber nicht allein tragen. Auch die Wasserversorger haben eine Eigenverantwortung." Zudem müssten die schwerwiegenden Folgen des Braunkohlebergbaus für die Wasserhaushalte gelöst werden: "Das ist eine Generationenaufgabe."

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Die Regierung hatte bei der Vorstellung ihres Haushaltsentwurfes auch eine Erhöhung der Wasserentnahmeabgabe angekündigt, die von Nutzern der Gewässer zu entrichten ist. Laut Günther sollen Ausnahmen für Bergbauunternehmen zurückgefahren werden. Die Erhöhung werde pro Jahr knapp 20 Millionen Euro bringen, die dem System der Versorgung zugute kommen soll: "Im Gegensatz zu anderen Bundesländern haben wir die Abgabe seit den 1990er Jahren nicht mehr erhöht. Wir machen das jetzt sehr maßvoll und bewegen uns in Richtung Bundesdurchschnitt." (dpa)

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