merken
PLUS Sachsen

Sachsen bereitet sich auf Schweinepest vor

In Brandenburg gibt es einen neuen Fall. Sollten sich auch Wildschweine in Sachsen infizieren, hat das Folgen für Bauern, Anwohner und Jäger.

Wildschweine werden vermehrt gejagt, um eine Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern.
Wildschweine werden vermehrt gejagt, um eine Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. © dpa-Zentralbild

Dresden. Der letzte Fundort in Brandenburg war knapp 60 Kilometer von der sächsischen Grenze entfernt, der im Nachbarland Polen nur etwa zehn Kilometer. Am Mittwoch wurde ein totes infiziertes Wildschwein im Landkreis Märkisch-Oderland, nur wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, entdeckt. Damit ist erstmals ein Fall der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wildschwein in Brandenburg außerhalb der bisherigen gefährdeten Gebiete amtlich bestätigt worden.

Insgesamt sind damit 38 infizierte Wildschweine seit dem ersten Fund am 10. September in Brandenburg erfasst. In Polen wurden 2020 bereits 3.139 infizierte Wildschweine und 87 positiv getestete Hausschweine registriert. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich, nicht aber für Hausschweine. Die Bestände in Deutschland sind weiter frei.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

In Sachsen gab es bisher noch keinen Fall. Ein Verdachtsfall im Raum Chemnitz konnte nicht bestätigt werden. „Wir wollen die Ausbreitung so lange wie möglich verhindern“, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch im Landtag. „Ob es uns gänzlich gelingen wird, müssen wir abwarten. Aber das wird sehr schwer.“ Denn die Seuche rückt näher. Der Freistaat trifft bereits Vorbereitungsmaßnahmen. Der Krisenstab sei noch nicht einberufen, sagte Köpping. Allerdings gebe es fast tägliche Abstimmungen mit den Landkreisen Bautzen und Görlitz.

25 Kilometer festen Zaun besorgt

Sachsen hatte bereits im Frühjahr für rund 900.000 Euro einen 128 Kilometer langen, mobilen Schutzzaun an der Grenze zu Polen errichtet. Obwohl der Zaun oft „verschmäht und verunglimpft“ werde, funktioniere er gut, so Köpping. Die Barriere funktioniere nicht nur elektrisch, sondern schrecke auch mit Farbe und Geruch Wildschweine ab. Die AfD-Fraktion hatte die Wildbarriere als „Streichelzoo-Zaun“ bezeichnet und stattdessen feste Zäune gefordert.

In Brandenburg haben Mitarbeiter des Landesbetriebes Forst nahe der Neiße einen festen Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest errichtet. Mit der Einrichtung von Restriktionszonen ist die Rechtsgrundlage einer festen Wildschweinbarriere nun vorhanden.
In Brandenburg haben Mitarbeiter des Landesbetriebes Forst nahe der Neiße einen festen Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest errichtet. Mit der Einrichtung von Restriktionszonen ist die Rechtsgrundlage einer festen Wildschweinbarriere nun vorhanden. © dpa-Zentralbild

Sachsen stimmt sich dazu mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ab, sagte Köpping. 25 Kilometer fester, stabiler Zaun lagere schon im Landkreis Görlitz. Bisher ist es nicht möglich, diesen Zaun dauerhaft zu errichten, weil rechtliche Voraussetzungen fehlen – Köpping sieht hier die Bundesregierung in der Pflicht. Bis dahin ist Sachsen auf die Freiwilligkeit der Grundstückbesitzer angewiesen. Für ihre Mithilfe sollen sie belohnt werden. „Wir werden den Eigentümern anbieten, dass sie für die Maßnahmen, die wir auf ihren Grundstücken durchführen, eine Art Entschädigung bekommen“, sagte Köpping.

Um den Bestand der Wildschweine zu verringern, bekommen Jäger in den Landkreisen Bautzen und Görlitz 100 Euro, wenn sie Wildschweine schießen und danach mit den örtlichen Veterinärämtern zusammenarbeiten. CDU und AfD forderten, diese Prämie für ganz Sachsen auszugeben. „Das ist eine finanzielle Frage“, sagte Georg von Breitenbuch (CDU), der selbst Landwirt ist. Er forderte auch, dass alle Wälder zweimal bejagt werden. Nur so könnten die Schwarzwildbestände nach unten gedrückt werden.

Entschädigungen für Bauern gefordert

Jeder trage Verantwortung, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Wanderer und Pilzsammler, die jetzt in den Wäldern unterwegs sind, sollten jeden Kadaverfund den Gesundheitsämtern melden, sagte Lucie Hammecke (Grüne). Außerdem sei es wichtig, keine Lebensmittelreste beim Wandern oder an Autobahnraststätten liegenzulassen. „Der Mensch ist der größte indirekte Überträger“, sagte Hammecke. Speiseabfälle, Transportmittel oder verdreckte Kleidung können den Erreger über Hunderte von Kilometern übertragen. 

„Das Problem ist nicht das Schwein“, sagte auch Antonia Mertsching, agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Wild- und Hausschweine begegnen sich im Regelfall nicht. Deswegen braucht es in den Schweinemastanlagen hohe Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Die Landratsämter überprüfen bereits vermehrt Schweinehaltungsbetriebe in den Kreisen Görlitz und Bautzen.

© Grafik: A. Brühl/dpa

Sollte sich die Afrikanische Schweinepest auch in Sachsen ausbreiten, hat das Folgen für Bauern, Jäger und Anwohner. Im Umkreis der Fundstelle müssten Verbringungs- und Betretungsverbote sowie Einschränkungen für Getreide- und Maisbauern angeordnet werden. Sie dürften ihre Ernte nicht mehr einfahren oder ihr Feld nicht neu bestellen.

Weiterführende Artikel

Bundeswehr gegen die Schweinepest

Bundeswehr gegen die Schweinepest

Nach Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg hilft die Bundeswehr. Die Soldaten sollen tote Tiere finden.

Die Ängste der Schweinezüchter

Die Ängste der Schweinezüchter

Sachsen hat noch keinen Fall von Schweinepest. Aber das Geschehen in Brandenburg sorgt für Unruhe im Landkreis Görlitz.

Die Angst im Schweinestall

Die Angst im Schweinestall

Es ist kein gutes Jahr für Sachsens Landwirte. Erst drücken Skandale auf Stimmung und Preise, nun bedroht die Schweinepest Existenzen. Ein Stallbesuch.

Spürnasen gegen die Schweinepest

Spürnasen gegen die Schweinepest

Brandenburg kämpft gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Suchhunde sollen Kadaver aufspüren, ein Zaun soll gebaut werden.

Für die Bauern und Schweinehalter seien Hilfen und Entschädigungen notwendig, sagte Agrarpolitiker Volkmar Winkler (SPD). Schon jetzt ist der Preis für Schweinefleisch gesunken, Japan, Südkorea und China importieren wegen des Brandenburg-Falls kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland. In der EU, in die rund 70 Prozent der Schweinefleisch-Exporte gehen, ist das Exportverbot nur auf Betriebe aus betroffenen deutschen Regionen beschränkt. „Wir brauchen zu Ausgleichs- und Entschädigungszahlungen eine klare Haltung der Bundesregierung“, sagte Ministerin Petra Köpping.

Mehr zum Thema Sachsen