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Sächsische Schweiz: Neues Innenleben für die Antonov

In Altendorf entsteht ein ungewöhnliches Feriendomizil. Unter den Blicken von Neugierigen hat der Innenausbau der ausrangierten Maschine begonnen.

Erik Herbert mit seiner Tochter Klara sitzen auf der Treppe zum Eingang der Antonov.
Erik Herbert mit seiner Tochter Klara sitzen auf der Treppe zum Eingang der Antonov. © Daniel Schäfer

Den ersten Schlafgast in seiner Antonov AN2 hat der Altendorfer Erik Herbert bereits sicher. Tochter Klara weicht ihm kaum von der Seite und freut sich schon auf die erste Nacht in dem Flugzeug. Das wird ein einzigartiges Ferienziel in der Sächsischen Schweiz.

Die Idee zu dem Tourismusprojekt hatte Erik Herbert aus dem Sebnitzer Ortsteil Altendorf. Seit er zum ersten Mal davon berichtet hatte, sind nur ein paar Monate vergangen. Inzwischen geben sich bei ihm Neugierige wie auch Fernsehleute die Klinke in die Hand. Eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Antonov gibt es so noch nicht und findet deshalb große Beachtung, sogar in Russland, dort, wo die Antonov einst gebaut wurde.

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Erik Herbert glaubt an sein Projekt. Jede freie Minute investiert der Marketing-Unternehmer in den Innenausbau. Zuerst wurde alles abgeschliffen und lackiert. Es folgen Dämmung und Holzverkleidung. Schließlich soll es in so einem ungewöhnlichen Urlaubsdomizil auch gemütlich sein.

Das Herzstück des Ganzen ist das Cockpit. Die Originalteile hat Erik Herbert ausgebaut, er restauriert sie und setzt sie dann wieder ein. Alles Handarbeit auf kleinstem Raum mit Unmengen von Kleinteilen. "Fehlt ein Teil, dann muss ich improvisieren. An Ersatzteile heranzukommen, ist schwierig. Außerdem sind sie sehr teuer", sagt er. Doch als Bastler und Tüftler weiß er sich zu helfen.

Das Cockpit ist das Herzstück der Antonov. Bis ins Detail wird es wieder hergerichtet. Für den Übernachtungsgast gibt es auch einige Überraschungen.
Das Cockpit ist das Herzstück der Antonov. Bis ins Detail wird es wieder hergerichtet. Für den Übernachtungsgast gibt es auch einige Überraschungen. © Daniel Schäfer

Detailverliebt baut er kleine Schalter ein und aus, zieht Drähte. Schließlich soll das Cockpit funktionsfähig sein, also nicht zum Fliegen, aber zum Staunen und Benutzen. Wer dann zum Beispiel auf einen bestimmten Knopf drückt, wird live übertragene Funksprüche hören, ebenso die Fluggeräusche. Alle Elemente sind mit neuen Elektromotoren ausgerüstet. Der Bordcomputer wird funktionieren, der Übernachtungsgast wird ein virtuelles Cockpit vorfinden.

Zwei Szenarien können "nachgeflogen" werden. Und Erik Herbert wäre nicht er, wenn die nicht auch etwas ausgefallen wären. Es gibt eine Zombie-Landung auf der Isle of Man und eine Landung auf dem Roten Platz in Moskau, wohlgemerkt im betrunkenen Zustand. Die Erlebnisse können in einem originalen Flugbuch notiert werden, was er zum Gästebuch umfunktioniert hat.

Der Innenausbau der Antonov hat inzwischen begonnen. Hier sollen einmal vier Personen nächtigen können.
Der Innenausbau der Antonov hat inzwischen begonnen. Hier sollen einmal vier Personen nächtigen können. © Daniel Schäfer

Vor Erik Herbert liegt noch jede Menge Arbeit. Inzwischen sei das ein echtes Familienprojekt geworden. Jeder helfe irgendwie mit. Für ihn ein gutes Zeichen dafür, dass seine Familie hinter dem Projekt steht. Denn viel Mut und vor allem auch Risikobereitschaft gehören dazu, mitten in Corona in den Tourismus zu investieren.

Im Innenraum der Antonov hat sich schon einiges getan. Der Schlafbereich hinter dem Cockpit wurde mit zwei Klappbänken ausgestattet. In die Mitte kommt ein Tisch. Im hinteren Bereich finden Dusche und WC Platz sowie eine weitere Schlafgelegenheit. Schließlich sollen in dem ausrangierten Flieger einmal bis zu vier Personen nächtigen.

Urlaub mit Blick zu den Schrammsteinen

Klettert Erik Herbert auf seine Antonov, mag Tochter Klara gar nicht hinsehen. "Papa pass auf, komm lieber wieder runter", ruft die Sechsjährige ihm zu. Doch mit sicherem Tritt hat er schon das Dach erklommen, einer seiner Lieblingsplätze. Der Blick auf die Schrammsteinkulisse rechts neben ihm ist echt. Den können seine Gäste dann auch von der kleinen Terrasse vor dem Flugzeug genießen. Derzeit ist das zwar noch eine Schlammwüste. Aber Erik Herbert lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Das Wasser- und Abwassersystem wird hier wie bei einem normalen Haus verlegt, auch alles mit Extra-Anschlüssen. Unter die eine Tragfläche kommt noch eine Sauna. Und dann wird das Ganze noch schick hergerichtet. Vor dem Flugzeug installiert der Tüftler eine E-Ladesäule für die Fahrzeuge seiner Gäste. "Es sind nicht nur große Arbeiten zu erledigen, sondern auch ganz viele kleine. Die kosten eben auch Zeit", sagt er.

Einer seiner Lieblingsplätze ist auf dem Dach der Antonov mit der Schrammsteinkulisse.
Einer seiner Lieblingsplätze ist auf dem Dach der Antonov mit der Schrammsteinkulisse. © Daniel Schäfer

Hygienekonzept und Eröffnungstermin stehen

Zeit zum Fernsehen hat Erik Herbert keine mehr. "Ich baue eben auch an so manchen Spielereien, die dem Urlauber sicherlich gefallen werden", sagt er. Und er ist überzeugt davon, dass er für seine Flugzeugidee die Übernachtungsgäste hat. Einige Anfragen gab es bereits. "Schließlich ist es weltweit die erste und einzige Übernachtungsmöglichkeit in einer Antonov im Garten", sagt er. Damit seine Gäste auch in Corona-Zeiten sicher sind, hat er ein Hygienekonzept erarbeitet.

Während draußen an den großen Dingen gearbeitet wird, geht es drinnen eher an die filigrane Arbeit.
Während draußen an den großen Dingen gearbeitet wird, geht es drinnen eher an die filigrane Arbeit. © Daniel Schäfer

Natürlich hat er auch immer wieder Fragen von Neugierigen zu beantworten. Denn das Flugzeug ist bereits vor der Eröffnung zu einer Attraktion geworden. Damit die den Weg zur Antonov auch finden, hat er den ausgeschildert.

Und da Erik Herbert nicht jeden Tag ein Flugzeug zum Feriendomizil umbaut, lässt er vorher Gäste probeschlafen. Anfangs rüttle es vielleicht noch an manchen Ecken. Das könne dann behoben werden.

Der Eröffnungstermin steht bereits fest: der 17. Juli 2021 - 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Erik Herbert eben. Er überlässt nichts dem Zufall.

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