merken
PLUS Weihnachten

Trockenblumen gegen den Winterblues

Sachsens bester Florist zaubert aus Gräsern, Fruchtständen und Blüten ein zartes, luftiges Gesteck. Hier zeigt er, wie’s geht.

Das Wintergesteck von Rocco Wustmann kommt ganz ohne Tannengrün aus.
Das Wintergesteck von Rocco Wustmann kommt ganz ohne Tannengrün aus. © Thomas Kretschel

Ein Wintergesteck ganz ohne Tannengrün soll es werden. Eins, das die Wohnung auch über die Weihnachtszeit bis in den Februar hinein schmückt, ohne irgendwann die Nadeln zu verlieren. Traditionell soll es sein, aber trotzdem ein bisschen ausgefallen. Aktuelle Trends soll es aufgreifen, ohne kreischenden Moden hinterherzulaufen. Kurz: Ein Hingucker, Seelenstreichler und Fröhlichmacher, den man mit überschaubarem Aufwand selbst herstellen kann.

Rocco Wustmann nickt. Hinter blauen Augen blitzt Verständnis. „Warten Sie kurz, ich suche etwas zusammen“, sagt er und verschwindet in den Tiefen seines Ladens, wuselt durch Keller und Nebengelass, bis er vollgeladen mit kleinen Schätzen zurückkehrt. Wustmann ist Florist, der beste in Sachsen. Der Pokal des Landesmeisters steht unaufdringlich, aber unübersehbar in seinem Laden in Cotta A. Seit 1885 betreibt die Familie hier oben auf dem Berg eine Gärtnerei. Cotta B liegt im Tal, keine zehn Kilometer von Pirna entfernt. Wustmann ist nach Lehre, Facharbeiterprüfung und Meisterschule zurückgekehrt. Jetzt ist er der Chef.

Anzeige
Hier kommt die volle Ladung!
Hier kommt die volle Ladung!

Immer aktuell informiert sein und trotzdem den Überblick behalten? Kein Problem mit dem SZ-Digital Abo. Jetzt testen und Universalladekabel geschenkt erhalten!

Das alles hat Wustmann benutzt.
Das alles hat Wustmann benutzt. © Thomas Kretschel

Einer der großen Weihnachtsdekotrends in diesem Jahr lautet: „Zurück zur Natur und zu Naturmaterialien“. Trendforscher, Werbestrategen und der Handel haben das schon Anfang des Jahres auf der Weltmesse für Dekoration und Festschmuck, der Christmasworld in Frankfurt am Main, ausgemacht. „Das zeigt sich vor allem in Trockenblumen, Gräsern, Federn und Fruchtständen. Sie können naturbelassen, gebleicht oder eingefärbt, heimisch oder exotisch sein. Lila, rosa, türkis sind in, aber auch traditionelle Farben wie rot, grün und schwarz“, sagt Wustmann. Er breitet seine Schätze auf dem Tisch aus: silberne Weizenähren, orange Mimosenblüten, dunkelgrüne Federn, goldene Kunstäpfel, blau gefärbter Pfeffer. Dazu die Fruchtstände von wilder Möhre und Kalyx in Gold und Silber sowie Bucheckern, Zapfen, Ingwer und Schneckenzimt in Naturtönen. Er legt Sterne aus Birkenrinde und kleine Weihnachtskugeln dazu. Und Werkzeug: Gartenschere, Wickeldraht, Steckmasse, Heißklebepistole, Messer. Außerdem Lichterkette, Kerze und Vase. Die Materialien gibt es beim Floristen, im Bastelbedarf oder bei einigen Baumärkten. Fünf bis sieben Verschiedene sollte man verwenden. Kostenpunkt: 15 bis 20 Euro.

Mit einem Messer schnitzt Wustmann die Steckmasse so in Form, dass sie in die Vase passt, aber etwa zwei Zentimeter unterhalb der Öffnung endet.
Mit einem Messer schnitzt Wustmann die Steckmasse so in Form, dass sie in die Vase passt, aber etwa zwei Zentimeter unterhalb der Öffnung endet. © Thomas Kretschel
Danach wickelt er fünf bis sechs Meter Wickeldraht von der Rolle und verknetet sie so lange, bis ein Knäuel daraus entsteht.
Danach wickelt er fünf bis sechs Meter Wickeldraht von der Rolle und verknetet sie so lange, bis ein Knäuel daraus entsteht. © Thomas Kretschel
Nun geht es ans Feintuning. Mit der Gartenschere kürzt der 35-Jährige Blumen, Fruchtstände und Gräser auf eine Länge von fünf bis sieben Zentimeter.
Nun geht es ans Feintuning. Mit der Gartenschere kürzt der 35-Jährige Blumen, Fruchtstände und Gräser auf eine Länge von fünf bis sieben Zentimeter. © Thomas Kretschel

„Ich habe das Werkstück grob vor Augen, aber arbeite dann einfach darauf los“, sagt Wustmann und greift zur Steckmasse. Mit einem Messer schnitzt er sie so in Form, dass sie in die Vase passt, aber etwa zwei Zentimeter unterhalb der Öffnung endet (Bild 1). Mit Heißkleber befestigt er sie am Boden. An einer Seite lässt er etwas Platz, um den Batteriebehälter der Lichterkette in der Vase verstecken zu können. Zum Batteriewechsel lässt er sich einfach wieder herausziehen. Als Nächstes erwärmt der Florist vier dicke Drahtstücke über einer Kerze und schiebt sie in den Boden der Gesteckkerze. „Damit verankere ich sie in der Steckmasse“, sagt er. Danach wickelt er fünf bis sechs Meter Wickeldraht von der Rolle und verknetet sie so lange, bis ein Knäuel daraus entsteht (Bild 2). Das Drahtgeflecht sieht aus wie ein Vogelnest. Wustmann legt es rings um den Vasenhals und flechtet die Lichterkette hinein. Nun geht es ans Feintuning. Mit der Gartenschere kürzt der 35-Jährige Blumen, Fruchtstände und Gräser auf eine Länge von fünf bis sieben Zentimeter (Bild 3). Beginnend mit den festeren, größeren Materialien befüllt er nun Stück für Stück den Drahtkranz, klebt sie mit Heißkleber fest oder schiebt sie einfach in die Zwischenräume. Der Profi braucht dafür alles in allem 30 Minuten, der Laie etwa 90.

Das Ergebnis.
Das Ergebnis. © Thomas Kretschel

Am Ende ist ein luftiges, zartes Gebilde entstanden, ein Festschmaus für die Augen. Schuppige Rattanfrüchte sehen aus wie ein Gürteltierpanzer, flauschige Grasstände wie Hasenpfötchen. Sie sind auch so weich. Das Blau des Pfeffers findet sich in der Vase wieder, das Karamell der Kerze in den goldfarbenen Blüten und Früchten. Sanft spiegelt sich das Lichterkettenlicht in den Weihnachtskugeln.

Mehr zum Thema Weihnachten