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Überlebensraten bei Leukämie in Sachsen steigen

Für Patienten in Sachsen gibt es immer mehr Stammzellspender. Selbst im Coronajahr 2020 ließen sich viele registrieren.

Die Stammzellbehandlung erfolgt in Sachsen an drei großen Zentren – den Unikliniken Dresden und Leipzig sowie am Klinikum Chemnitz.
Die Stammzellbehandlung erfolgt in Sachsen an drei großen Zentren – den Unikliniken Dresden und Leipzig sowie am Klinikum Chemnitz. © 123rf

Leukämie tritt in Deutschland vergleichsweise selten auf. Etwa drei Prozent aller Krebskrankheiten entfallen auf diese Form des Blutkrebses. Doch die Zahlen steigen. Etwa 3.000 Sachsen erhielten 2018 das erste Mal diese Diagnose. Das Tragische daran ist, dass die Krankheit praktisch aus dem Nichts heraus ausbrechen und einen schweren Verlauf nehmen kann. „Die betroffenen Patienten können innerhalb weniger Tage schwer krank werden“, sagt Dr. Mathias Hänel, Chefarzt der Klinik für Hämatologie am Klinikum Chemnitz. „Früherkennungsmöglichkeiten wie bei anderen Krebsarten gibt es deshalb für die Leukämie nicht.“ Selbst Kinder könnten schon betroffen sein. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Den Patienten in Sachsen kann jetzt besser geholfen werden.

Die wichtigste Säule der Behandlung ist die Stammzelltransplantation. Dabei werden Blutstammzellen und mit ihnen das gesunde Immunsystem des Spenders auf den Patienten übertragen. Das neue Immunsystem kann Leukämie- und andere Krebszellen wieder erkennen und bekämpfen. Die Krankheit ist damit heilbar oder kann zum Stillstand gebracht werden. Die Fünf-Jahres-Überlebensraten schwanken jedoch sehr stark. Sie liegen zwischen acht und 95 Prozent. „Je jünger und körperlich fitter ein Patient ist, umso größer sind seine Chancen. Im Schnitt erreicht heute jeder zweite Patient unter 60 Jahren und jeder fünfte über 60 eine komplette Remission“, so Hänel.

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Das heißt, der Krebs ist in Blut und Knochenmark nicht mehr nachweisbar. Diese gute Bilanz sei auch darauf zurückzuführen, dass es immer mehr potenzielle Stammzellspender gibt. Das Zentrale Knochenmarkspender-Register in Deutschland verzeichnete sogar im Coronajahr 2020 mehr als eine halbe Million neuer Spender in Deutschland. Für Leukämiepatienten stehen derzeit knapp zehn Millionen Spender aus Deutschland und 37 Millionen weltweit zur Verfügung.

Stammzellen: Enge Zusammenarbeit in Sachsen

Um Stammzellen erfolgreich übertragen zu können, muss sichergestellt werden, dass der Körper sie nicht als Fremdkörper abstößt. Das geschah bislang mit einer Hochdosis-Chemotherapie, die den Patienten viel abverlangte. „Moderne Formen der Konditionierung des Immunsystems sind nun besser verträglich“, sagt der Chefarzt. Damit könnten heute auch ältere und mehrfach Erkrankte erfolgreich behandelt werden. „Ihnen konnten wir früher noch keine Stammzelltransplantation zumuten“, so Hänel.

Die Stammzellbehandlung erfolgt in Sachsen an drei großen Zentren – den Unikliniken Dresden und Leipzig sowie am Klinikum Chemnitz. „Damit ist die wohnortnahe Versorgung besser gewährleistet“, sagt Mathias Hänel. Besonders intensiv arbeiten die Kliniken in Dresden und Chemnitz zusammen. Es gebe gemeinsame Tumorboards, an denen jede Stammzelltransplantation und der Stand der Spendersuche besprochen werden. Das erhöhe die Sicherheit der Patienten.

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Die Stammzelltransplantation ist zwar die bedeutendste, aber nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit von Leukämie. Ganz neu sei die Gabe von sogenannten Brücken-Antikörpern. Sie binden die Leukämiezelle an eine Abwehrzelle und sorgen dafür, dass die Leukämiezelle vernichtet wird. Seit kurzer Zeit ist auch die CAR-T-Zellen-Behandlung zugelassen. Bei dieser Therapie werden dem Patienten Abwehrzellen entnommen und außerhalb des Körpers genetisch modifiziert. „Sie werden praktisch auf Leukämiezellen scharfgemacht und greifen sie gezielt an“, so der Chefarzt. Um die Erfahrungen und das Wissen auf diesen Gebieten zu bündeln, haben die Kliniken Dresden und Chemnitz das gemeinsame Zentrum für Zell- und Immuntherapie gegründet. Es gehört zu den größten Zentren in Deutschland und Europa. Damit können in Zukunft die Heilungserfolge noch weiter steigen.

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