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Zugverkehr in der Oberlausitz rollt wieder an

Züge sind ausgefallen, Straßen und Wälder gesperrt, Unfälle passiert - der Winter hat die Oberlausitz im Griff.

Von Thomas Christmann & Romy Hassert & Marc Hörcher & Markus van Appeldorn
 8 Min.
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Bei Medewitz stoppte ein umgestürzte Baum die Bahn.
Bei Medewitz stoppte ein umgestürzte Baum die Bahn. © Erik Lehder/Lausitznews

Die Lage auf den Straßen und Gleisen im Landkreis Görlitz ist weiter angespannt. Wir geben einen Überblick über die Situation auf den Schienen, Straßen, Wäldern, für den Wintersport und im Nachbarland:

Situation auf der Schiene

Der Verkehr auf Zugstrecke zwischen Bischofswerda und Görlitz sowie Zittau läuft seit 16 Uhr allmählich wieder an. "Es kann jedoch bis in die Nachtstunden noch zu Verspätungen und Unregelmäßigkeiten kommen, da die Züge jetzt erst wieder in ihre normale Taktung gebracht werden müssen", informiert die Länderbahn, die mit dem Trilex die Gleise befährt. Der Busverkehr läuft daher noch auf einigen Verbindungen parallel. 

Die beiden Strecken waren seit dem frühen Morgen durch den starken Schneefall und umgestürzte Bäume beeinträchtigt. Man sei mit allen verfügbaren Kräften auf den Strecken gewesen, um die Wege wieder freizumachen, teilte die Deutsche Bahn als Infrastrukturbetreiber mit. So pendelten die Züge stundenlang nur noch zwischen Dresden und Bischofswerda.

Das Winterwetter hatte den Bahnhof Görlitz größtenteils lahmgelegt an diesem Donnerstag. Wer nach Bischofswerda, Dresden, Zittau will, konnte nur hoffen, dass die Räumarbeiten vorangehen. „Bis zum heutigen Betriebsschluss können die Streckenabschnitte Bischofswerda-Görlitz sowie Bischofswerda-Zittau nicht befahren werden“, hieß es da auf der Internetseite des Länderbahnbetreibers Trilex. Aus Sicherheitsgründen habe man die Strecken gesperrt. Mit Trilex-Fahrscheinen könnten Reisende auf Linienbusse umsteigen. Als Warteräume habe man in Görlitz und Bischofswerda Züge bereitgestellt. Davon wissen die Mitarbeiterinnen des Bahnhofs nichts. Um 14 Uhr schickte die Deutsche Bahn eine aktualisierte Meldung heraus: Die Erzgebirgsbahn habe ihren Zugverkehr komplett eingestellt, viele weitere Strecken seien betroffen. Darunter etwa die von Dresden über Bautzen nach Görlitz, von Bischofswerda nach Zittau oder die Schienen zwischen Dresden und Chemnitz. Um 15 Uhr veröffentlichte die Landesbahn Trilex eine Aktualisierung: "Zwischen Zittau und Neukirch versuchen wir aktuell den Zugverkehr aufzunehmen. Von Neukirch bis Bischofswerda bleibt der Busnotverkehr vorerst."

Mit den Folgen der Streckensperrungen hatte auch KVG-Chef Alfons Dienel zu kämpfen. Sein Unternehmen stellte seit dem frühen Donnerstagmorgen den Schienenersatzverkehr für die Länderbahn. Doch wirklich viel geht da nicht. "Zur Stunde habe ich einen Bus zwischen Zittau und Bischofswerda im Einsatz und zwei zwischen Görlitz und Bischofswerda", sagte er gegen 14 Uhr. Den Zittauer Bus sowie einen der beiden Görlitzer müsse er aber in Kürze rausnehmen, weil die Fahrer nicht länger fahren dürfen. Ersatzfahrer standen ihm zu dem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung. Zu früh hatte die Bahn offensichtlich gegen Donnerstagmittag die Strecke zwischen Bischofswerda und Zittau wieder freigegeben. "Die Zugleitstelle hat mich gegen 12.30 Uhr informiert, dass die Strecke wieder frei sei", sagt Dienel. 

Nur eine halbe Stunde später war's dann wieder vorbei mit der freien Fahrt. "Der Zug ist um 12.30 in Zittau losgefahren und bei Neukirch mit dem Baum kollidiert", sagt Länderbahn-Sprecher Jörg Puchmüller. Seit 9.40 Uhr am Donnerstag habe man einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Allerdings hätten auch die Busse auf der B6 Probleme gehabt, durchzukommen. Viele Fahrgäste mussten von Görlitz über Hoyerswerda nach Dresden umgeleitet werden. 

Puchmüller schätzt, dass gut 1.000 Pendler von den Zugausfällen betroffen waren. "Ich habe mit einem Kollegen aus Bayern wie verrückt über Facebook kommuniziert", sagt er. Über diesen Kanal habe man viele Fahrgäste erreicht. "So traf es viele unserer Fahrgäste nicht unvorbereitet", so Puchmüller. Der ein oder andere habe sich so Transport-alternativen suchen können. Gegen 14 Uhr hoffte er, dass die DB-Netz AG die beiden Strecken gegen 16 Uhr wieder freigeben könne.

Situation auf den Straßen

Auch erste Straßen mussten am Donnerstag gesperrt werden. Betroffen ist nach Auskunft der Landkreis-Verwaltung seit 12.30 Uhr die S 128 zwischen Oderwitz und Großhennersdorf bis voraussichtlich zum Einbruch der Dunkelheit. Die K 8678 von Kleindehsa bis Jauernick ist bereits seit 8.45 Uhr vorläufig bis Montag voll gesperrt. Grund sind erhebliche Schneelasten und weil zum Teil Bäume gefällt werden müssen.

Darüber hinaus sind einige Unfälle passiert. Nach Informationen aus den Facebook-gruppen ist die Kreisstraße zwischen Mittelherwigsdorf und Oderwitz wegen eines verunglückten Sattelzugs voll gesperrt gewesen. In Spitzkunnersdorf lag ein Lkw im Graben, zwischen Oberseifersdorf und Mittelherwigsdorf ein Transporter. Am Abend musste die Oderwitzer Feuerwehr wegen eines Baumes auf der B96 in Höhe von Norma ausrücken, der auf die Straße zu stürzen drohte.

Bereits am Vormittag rutschte auf der Rumburger Straße in Ebersbach ein Bus der KVG von der Fahrbahn. Auf der B99 von Hirschfelde in Richtung Zittau war ein Lkw unterwegs, als er kurz vor dem Abzweig Drausendorf beziehungsweise Wittgendorf von der glatten Fahrbahn abkam und rechts im Straßengraben landete. Der Fahrer blieb unverletzt.

Am Mittwochabend war die Feuerwehr zwischen Kottmarsdorf und Ebersbach im Einsatz, weil ein Baum auf die S 148 gefallen war. Weiterhin sind zwei Autos auf der B96 in Oppach am Schmiedeberg in einen Unfall verwickelt gewesen, wobei ein Opel im Graben landete.

Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz hingegen äußert hingegen in der Medieninformation am Nachmittag, dass sich die Verkehrslage seit Mittwochnachmittag weiter entspannt hat. Aus seiner Sicht hätten sich die Kraftfahrer in der Oberlausitz gut mit den winterlichen Straßenverhältnissen arrangiert. Die Anzahl der augenscheinlich witterungsbedingten Unfälle ließe sich in den Landkreisen Bautzen und Görlitz mit Stand zur Mittagszeit am Donnerstag etwa an zwei Händen abzählen. "In allen Fällen blieb es bei Blechschäden." Nennenswerte Vorkommnisse hätte es nicht gegeben. Es sei Winter, da sei es nun einmal glatt auf den Straßen, was das Unfall-Risiko erhöhe, erklärte Knaup noch am Vormittag. Man sei kein Unfall-Auskunftsdienst.

Bei Drausendorf ist ein Lkw im Graben gelandet. 
Bei Drausendorf ist ein Lkw im Graben gelandet.  © Erik-Holm Langhof

Situation in den Wäldern

Die derzeitige Schneelast auf den Bäumen ist enorm. Bäume biegen sich unter der Last und drohen umzubrechen. Astabbrüche verschärfen die gefährliche Situation. Die Stadt Ebersbach-Neugersdorf hat aufgrund des vielen Schnees den Stadtwald gesperrt. Auch das Museum Humboldtbaude auf dem Schlechteberg bleibt deshalb am Wochenende geschlossen, teilt die Verwaltung mit.

Der Löbauer Stadtwald ist nicht gesperrt. Doch hier gilt erhöhte Vorsicht. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr. "Auch das Befahren von Straßen an oder durch Wälder sollte aktuell mit größter Aufmerksamkeit erfolgen", so Löbaus Stadtförster Lars Morgenstern.

Mit schweren Schneelasten hat auch Kreisförster Michael Weber zu kämpfen. "Ich musste mir den Weg freischneiden. Es knackt und bricht überall", sagte er nach einem Waldbesuch auf Anfrage von sächsische.de. Noch sei die Lage aber nicht dramatisch. "Wenn nicht noch mehr kommt, sind wir hier mit einem blauen Auge davon gekommen. In anderen Landesteilen ist die Situation viel schlimmer", sagt er. Bisher hat das Kreisforstamt noch kein Betretungsverbot für die Wälder erlassen. "Ich würde dennoch niemandem empfehlen, jetzt im Wald spazieren zu gehen. Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand", sagt Weber. Am meisten bruchgefährdet seien Kiefernbestände, während Fichten mit hohen Schneelasten besser zurechtkämen. Von Laubbäumen gehe keine Gefahr aus, weil sie jetzt im Winter kein Laub tragen, dass die Schneelast vergrößern könnte, so Förster Weber.    

Situation für den Wintersport

Im Zittauer Gebirge ist Wintersport möglich. In Waltersdorf liegt beispielsweise 30 Zentimeter Schnee. Genug, um dass möglicherweise ab Freitag der große Lift am Lauschehang in Betrieb gehen soll. Das teilt Tilo Knöbel vom verantwortlichen Skiverein ASVL Waltersdorf mit. "Wir müssen aber erst einmal den Schnee fest bekommen, wenn es dann noch die Nacht durchfriert, kann es losgehen", sagt er. Bisher ist der Lift erst zwei Tage im Dezember in Betrieb gewesen. Aber auch in den vergangenen Jahren sei in dem Monat so gut wie nichts gegangen, sagt Knöbel. Erst im Januar und Februar gehe es richtig los.

Schneetelefon Waltersdorf: 035841/35745

Situation im Nachbarland

Die Isergebirgsstadt Jablonec nad Nisou rief am Donnerstagmorgen den Katastrophenfall aus. „Es kommt immer neuer Schnee und die Technischen Dienste der Stadt sind überlastet und nicht im Stande, die Mengen aufzuräumen“, informierte Rathaussprecherin Markéta Hozová. Am schlimmsten sei die Situation an den Gehsteigen und in den Neubaugebieten.

Durch die Schneemassen und umgestürzten Bäume sind auch viele Hochspannungsleitungen beschädigt. Dies betrifft Gesamt-Nord- und Ostböhmen. Auch der Energiekonzern ČEZ hat deswegen den Katastrophenfall ausgerufen. Insgesamt sind viele Straßen nicht befahrbar oder  der Verkehr musste eingeschränkt werden.

„Während der vergangenen 24 Stunden haben wir 27 Zentimeter Neuschnee bekommen, seit dem Winteranfang sind es insgesamt 130 Zentimeter“, berichtet die Sprecherin. Die  Kommission trifft sich erst wieder am 14. Januar, bis dahin gilt der Notstand.

„Die Kosten für einen Tag des Winterdienstes klettern bis auf eine halbe Million Kronen“, sagt Wirtschaftsbürgermeister Štěpán Matek. Die Schneemengen werden auf eine Deponie bei der Stadthalle transportiert. „Auch für die Fußgänger ist die Lage gefährlich und kompliziert“, betont der Jablonezer Polizeichef Pavel Langer.

„Wir haben schon alle Parkautomaten ausgeschaltet, damit die abgestellten Autos die Schneebeseitigung nicht behindern“, bemerkt Markéta Hozová. Die Stadt hat alle verfügbaren Mitarbeiter und Techniken im Einsatz. Hinzu kommen 60 Langzeit-Arbeitslose und Häftlinge aus dem Gefängnis Rýnovice (Reinowitz). (lau)

Ein Bild aus Jablonec: Hier kam in den vergangenen 24 Stunden allein 27 Zentimeter Neuschnee herunter. Foto: Petra Laurin
Ein Bild aus Jablonec: Hier kam in den vergangenen 24 Stunden allein 27 Zentimeter Neuschnee herunter. Foto: Petra Laurin
Viele Straßen sind in der Isergebirgsstadt nicht befahrbar. Der Winterdienst schafft die Mengen an Schnee nicht, vor allen an den Gehwegen. Foto: Petra Laurin
Viele Straßen sind in der Isergebirgsstadt nicht befahrbar. Der Winterdienst schafft die Mengen an Schnee nicht, vor allen an den Gehwegen. Foto: Petra Laurin
Auch Polen ist betroffen: Beispielsweise blockierte am Donnerstag ein Baum die Straße zwischen Bogatynia und Frydlant. Foto: Bogatynia.info.pl
Auch Polen ist betroffen: Beispielsweise blockierte am Donnerstag ein Baum die Straße zwischen Bogatynia und Frydlant. Foto: Bogatynia.info.pl

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