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Bosch plant Solarpark in Sebnitz

Bosch setzt auf Klimaneutralität. Das Werk in Sebnitz will einen Teil seiner benötigten Energie künftig selbst erzeugen.

Bosch im Sebnitztal: Der Elektrowerkzeughersteller will Strom aus Sonnenlicht gewinnen.
Bosch im Sebnitztal: Der Elektrowerkzeughersteller will Strom aus Sonnenlicht gewinnen. © Steffen Unger

Die Fertigung von Bohrhämmern und Winkelschleifern kostet eine Menge Energie. Zumindest einen Teil davon soll künftig die Sonne liefern. Die Robert Bosch Power Tools GmbH will an ihrem Standort in Sebnitz einen Solarpark errichten. Den Vorentwurf des dazu nötigen Bebauungsplans hat der Sebnitzer Stadtrat in seiner Sitzung im November einstimmig gebilligt.

Die neue Fotovoltaikanlage soll in unmittelbarer Nachbarschaft des Bosch-Werks im Sebnitztal entstehen. Der Plan sieht eine knapp 11.000 Quadratmeter große Fläche südlich des Werksgeländes vor. An dem Hang oberhalb des Besucherparkplatzes ist damit Platz für gut 2.000 Solarmodule in der Größe von 1,77 Meter mal 1 Meter.

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Das Projekt ist Teil von konzernweiten Klimaschutz-Bemühungen bei Bosch. "Wir haben uns hohe Klimaziele gesetzt", erklärt Matthias Blohm, der Leiter des Werks in Sebnitz. Mit seinen weltweit über 400 Standorten will Bosch noch 2020 klimaneutral produzieren, in Deutschland sei dies bereits seit 2019 der Fall. Neben der Steigerung der Energieeffizienz setzt Bosch auf die eigene Stromerzeugung aus regenerativen Energien, um die weiteren Ziele zu erreichen.

Dazu gehört auch der Solarpark in Sebnitz. "Die Anlage wird 20 Prozent unseres eigenen Energiebedarfs abdecken", sagt Matthias Blohm. Der Chef des hiesigen Standorts rechnet mit einem Jahresertrag von 677 Megawattstunden. Über Erdkabel wird der gewonnene Strom von einem Verteilerhäuschen in direkt in das Werksnetz eingespeist. Einmal in Betrieb soll die Fotovoltaikanlage umgerechnet 288 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Schafe sollen zwischen Solarmodulen weiden

Auch bei der Konstruktion des Solarparks spielt der Naturschutz eine Rolle. Die bisher als Weide und Ackerland genutzte Fläche wird durch die Panels nicht versiegelt. Die Erfahrung mit bereits in Betrieb befindlichen Anlagen zeige, dass die Vegetation sich auch unterhalb der geneigten Solarmodule durch indirekte Sonneneinstrahlung gut entwickle, heißt es im Vorentwurf des Bebauungsplans.

Auf dieser Weide unmittelbar südlich des Werksgeländes sollen gut 2.000 Solarmodule Platz finden.
Auf dieser Weide unmittelbar südlich des Werksgeländes sollen gut 2.000 Solarmodule Platz finden. © Steffen Unger

Dort, wo bisher noch Acker ist, soll aus regionalem Saatgut eine Wiese angesät werden. Frühestens ab dem dritten Jahr nach der Saat könnten dann sogar Schafe auf der Fläche des Solarparks weiden. Zudem werden 50 Sträucher neu angepflanzt, die als Lebensraum und Brutplätze Singvögel dienen sollen. Aus Sicherheitsgründen wird das gesamte Gelände mit einem zwei Meter hohen Maschendrahtzaun plus Übersteigschutz eingefriedet.

Infoveranstaltung musste wegen Corona ausfallen

Mit besonderem Interesse dürften die Hausbesitzer an der Siedlerstraße in Sebnitz dem Vorhaben entgegensehen. Die Anlage schließt direkt an einige Grundstücke im unteren Bereich der Eigenheimsiedlung an.

Für den 10. November war deshalb eine Informationsveranstaltung für die Anwohner bei Bosch geplant. Die Einladungen dafür waren schon verteilt. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation musste die Veranstaltung allerdings kurzfristig abgesagt werden. Sobald es die Situation zulässt, soll die Infoveranstaltung aber nachgeholt werden, verspricht Matthias Blohm. Dan können die Anwohner ihre Fragen zu dem Projekt loswerden.

Wer darauf nicht warten möchte kann den Vorentwurf des Bebauungsplans im Sebnitzer Rathaus einsehen. Dort liegt er ab dem 11. Dezember für vier Wochen öffentlich aus. Auch wenn das Rathaus derzeit aufgrund der Corona-Pandemie für den Besucherverkehr geschlossen ist, ist die Einsichtnahme nach einer telefonischen Terminvereinbarung möglich, erklärt die Stadtverwaltung.

Wenn das Planverfahren abgeschlossen ist, kann der Aufbau der Solaranlage voraussichtlich im dritten Quartal 2021 beginnen. Der erste Strom aus eigener Erzeugung fließt dann ab Anfang 2022.

Hohe Nachfrage nach Elektrowerkzeugen

Nachdem Bosch in Sebnitz während der ersten Corona-Welle auch Kurzarbeit anmelden musste, profitiert der Hersteller momentan von einer Sonderkonjunktur. Die Erklärung: Die Menschen verbringen während der Pandemie mehr Zeit zu Hause und arbeiten auch mehr an ihren Häusern und Wohnungen. Die Nachfrage nach Bohrhämmern, Winkelschleifern und anderen Elektrowerkzeugen ist dadurch gestiegen. Eine Prognose für die Zukunft sei angesichts der allgemein ungewissen Lage derzeit aber schwierig, erklärt Werksleiter Matthias Blohm.

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