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Warum die Vereine auf volle Ränge verzichten

Die Profiklubs in Ostsachsen dürften ihre Hallen wieder komplett mit Zuschauern füllen, lehnen das aber ab – auch Dynamo. Warum nur?

Nicht nur bei den drei großen Dresdner Vereinen Dynamo, DSC und Eislöwen herrscht in Sachen 3G Einigkeit.
Nicht nur bei den drei großen Dresdner Vereinen Dynamo, DSC und Eislöwen herrscht in Sachen 3G Einigkeit. © picture alliance/Jan Hübner, Lutz Hentschel (2)

Dresden. Den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich: Wer lässt wieviele Zuschauer unter welchen Voraussetzungen in die Hallen und Stadien? Wo gilt 2G, 2G plus oder 3G? Zuletzt gab es im Sport eine recht einheitliche Regelung, die sich auf zwei Nenner zusammenfassen lässt: 50 Prozent Auslastung, maximal 25.000 Zuschauer.

Nun aber erlauben die ersten Bundesländer, dass die Ränge wieder komplett gefüllt werden dürfen – unter der Voraussetzung, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu den Spielen bekommen. Beim 2G-Modell müssen Getestete draußen bleiben. Den Anfang haben Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen gemacht, dass weitere Länder folgen werden, gilt als wahrscheinlich.

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Auch bei Dynamos Gastspiel am Sonntag beim FC St. Pauli wird 2G angewendet, was die Dresdner Ultras ablehnen und deshalb zu einem Boykott aufrufen. Aber auch der Heimbereich am Millerntor wird nicht voll besetzt sein, der Kiezklub möchte das Stadion nur schrittweise wieder füllen. „Wir wissen nicht, ob es den Menschen überhaupt jetzt schon genehm ist, mit wahnsinnig vielen Zuschauerinnen und Zuschauern eng an eng zu stehen“, erklärte Pauli-Präsident Oke Göttlich. An 2G hält der Verein fest, „weil die Impfung nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch ein solidarischer Akt für die gesamte Gesellschaft ist, den wir ausdrücklich unterstützen möchten“.

Sachsen zieht Grenze bei 5.000 Fans

In Sachsen sieht die aktuelle Corona-Schutzverordnung 2G ebenfalls als Option vor, allerdings gilt dabei die Höchstgrenze von 5.000 Zuschauern – unabhängig ob Halle oder Freiluft. Für Dynamo macht es daher keinen Sinn zu wechseln. Mit 3G dürfen derzeit 50 Prozent der Plätze besetzt sein und damit 16.000 Fans ins Rudolf-Harbig-Stadion. So viele kamen vergangenen Sonntag auch beim 3:0-Sieg gegen Werder Bremen.

Auch wenn es anders aussieht: Der K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion darf derzeit nur zu 50 Prozent gefüllt werden – wie hier am Sonntag gegen Bremen. Daran wird sich wohl auch dann nichts ändern, wenn der Freistaat Sachsen die Corona-Auflagen weiter locker
Auch wenn es anders aussieht: Der K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion darf derzeit nur zu 50 Prozent gefüllt werden – wie hier am Sonntag gegen Bremen. Daran wird sich wohl auch dann nichts ändern, wenn der Freistaat Sachsen die Corona-Auflagen weiter locker © picture alliance/Foto Huebner

Doch wird Dynamo die Strategie ändern, falls die 5.000er-Grenze bei der nächsten Überarbeitung der Schutzverordnung, die vorerst bis zum 20. Oktober gilt, wegfallen sollte? Offiziell geäußert hat sich der Zweitliga-Aufsteiger dazu noch nicht. Nach SZ-Informationen hält er am 3G-Modell fest, um allen Anhängern – also auch denen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können – den Stadionbesuch zu ermöglichen. Dieses Konzept hat sich nach Sicht des Vereins bei den letzten Heimspielen zudem bewährt. Gleichzeitig wirbt die Mannschaft weiter fürs Impfen und bietet bei den Partien Testmöglichkeiten vorm Stadion an.

Aus finanzieller Sicht könnte das Festhalten an 3G mittelfristig jedoch problematisch werden. Spätestens dann nämlich, wenn die Zweitliga-Konkurrenten ihre Stadien dank 2G wieder komplett öffnen. Verzichtet Dynamo freiwillig auf bis zu 50 Prozent der Zuschauereinnahmen und womöglich auch auf Sponsorengelder, wäre das ein klarer Wettbewerbsnachteil.

Dynamo steckt dabei – wie auch andere sächsische Vereine – in einer Zwickmühle. In keinem anderen Bundesland ist die Impfquote so niedrig wie im Freistaat, derzeit haben lediglich 54 Prozent den kompletten Schutz. Zum Vergleich: In Bremen sind es 75 Prozent. Die Gefahr ist also groß, dass viele Plätze leer bleiben, wenn die Klubs 2G einführen.

Die Volleyball-Frauen des Dresdner SC, die Handballer des HC Elbflorenz, die Eislöwen und Lausitzer Füchse sowie die Titans-Basketballer dürften schon jetzt wieder vor vollem Haus spielen, weil alle Hallen eine geringere Kapazität als 5.000 haben. Dennoch bleiben die fünf Klubs zunächst bei 3G und damit einer 50-prozentigen Auslastung. „Wir spüren, dass die Gesellschaft gespalten ist und hoffen daher, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, bei denen wir niemanden ausgrenzen müssen“, erklärt Sandra Zimmermann, Geschäftsführerin der DSC-Volleyballerinnen, die am 10. Oktober ihr erstes Heimspiel der Saison vor bis zu 1.400 Fans austragen kann.

Die Fans des Dresdner SC dicht an dicht – dieses Bild wird es beim Heimspielauftakt der Volleyball-Frauen am 10. Oktober nicht geben. Der Verein favorisiert 3G.
Die Fans des Dresdner SC dicht an dicht – dieses Bild wird es beim Heimspielauftakt der Volleyball-Frauen am 10. Oktober nicht geben. Der Verein favorisiert 3G. © SZ-Archiv: Lutz Hentschel

Damit niemand ausgegrenzt wird, gäbe es zwei Möglichkeiten: Regierungen und Behörden erlauben künftig volle Hallen auch mit 3G. Oder man setzt auf eine Kombination aus beiden Modellen. Der Fußball-Bundesligist Mainz 05 möchte das testen und nennt die Variante 2G plus: Im großen Teil des Stadions sind weder Abstand noch Masken nötig; in dem Bereich, der für die Getesteten reserviert ist, dagegen schon.

Der HC Elbflorenz darf derzeit maximal 956 Zuschauer in die Halle lassen und damit sogar weniger als 50 Prozent, weil im eingereichten Hygienekonzept die Belegung der Sitzplätze als Schachbrettmuster ausgewiesen ist. Eine Änderung scheint nicht nötig zu sein, zu den ersten beiden Heimspielen kamen lediglich 619 und 642 Zuschauer. „Auch wenn wir aus der Vergangenheit wissen, dass es am Saisonbeginn immer etwas zäh anläuft, sieht man doch generell, dass sich die Menschen schwertun, zu Sportveranstaltungen zu gehen. Das muss erst wieder wachsen“, meint HC-Manager Karsten Wöhler, der aber auch sagt, dass sich der Verein „mit Alternativen beschäftigt“. Also auch mit 2G.

In der Nordkurve stehen die lautesten Anhänger der Dresdner Eislöwen. Die Hälfte der Hallenkapazität darf am Sonntag genutzt werden, weil auch der Klub auf 3G setzt.
In der Nordkurve stehen die lautesten Anhänger der Dresdner Eislöwen. Die Hälfte der Hallenkapazität darf am Sonntag genutzt werden, weil auch der Klub auf 3G setzt. © Lutz Hentschel

Zum ersten Heimspiel der Dresdner Eislöwen in der zweithöchsten Eishockeyliga können am Sonntag gegen Bayreuth maximal 2.206 Zuschauer kommen. Das entspricht der Hälfte der Hallenkapazität. „Wir gehen mit dem 3G-Modell in die Saison und behalten das auch erst mal bei“, erklärt Pressesprecher Konrad Augustin. Man wolle auch den Ungeimpften die Möglichkeit geben, die Spiele zu besuchen. Testen lassen können sie sich gleich an der Halle. „Wir haben beim Fanstammtisch kürzlich aber auch erklärt, dass wir die Option haben, zur Vollauslastung zu wechseln“, so Augustin. Bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser dürfen zum Derby gegen Dresden am Freitag 2.000 Zuschauer in die Arena, die unter normalen Umständen mit fast 3.000 Fans ausverkauft wäre.

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Bei den Basketballern der Dresden Titans ist die Lage ähnlich wie bei den Handballern. Zum ersten Heimauftritt des Drittligisten kamen 650 Anhänger, erlaubt wären 1.500 gewesen. Dies entsprach in etwa auch dem Zuschauerschnitt vor Corona. „Deshalb reicht die halbe Auslastung für uns aus“, erklärt Geschäftsführer Rico Gottwald. „Das Comeback mit den Zuschauern läuft für alle Dresdner Profivereine nicht so, wie erhofft. Das 2G-Modell würde daran auch nichts ändern“, glaubt er. „Aber wir schauen natürlich, wie sich das entwickelt.“ Dass es rasch übersichtlicher wird, scheint unwahrscheinlich.

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