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"Haben die Termine nicht, um bis Ende Mai zu spielen"

René Rudorisch, Geschäftsführer der DEL2, erkärt die Engpässe im Eishockey durch Corona und pocht auf den Vertrag zur Aufstiegsregelung.

Von Alexander Hiller
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Ganz so leer ist die Joynext-Arena in Dresden nicht: Seit Kurzem sind wieder 1.000 Zuschauer zugelassen. Doch Spielverlegungen bringen den Kalender durcheinander.
Ganz so leer ist die Joynext-Arena in Dresden nicht: Seit Kurzem sind wieder 1.000 Zuschauer zugelassen. Doch Spielverlegungen bringen den Kalender durcheinander. © kairospress

Dresden. René Rudorisch verschiebt derzeit Spiele – und das hauptberuflich. Oder besser gesagt: deren Termine. Der Geschäftsführer der DEL2 erklärt im SZ-Gespräch, weshalb trotz vieler Corona-Ausfälle die Saison komplett durchgespielt werden soll. Und er sagt, warum die drei sächsischen Vereine in Dresden, Crimmitschau und Weißwasser sich zu Unrecht benachteiligt fühlten und wie er über die Pläne in der DEL zur erneuten Aussetzung der Abstiegsregelung denkt.

Herr Rudorisch, die Tabelle der DEL2 gibt derzeit aufgrund zahlreicher coronabedingter Spielverschiebungen nur ein Zerrbild wieder. Sind Sie noch optimistisch, eine vollstände Hauptrunde spielen zu können?

Das lässt sich, Stand jetzt, nicht garantieren. Das haben wir aber von Saisonbeginn an so eingeplant und deshalb in der Spielordnung Vorkehrung getroffen, sollten wir nicht alle Spiele der Normalrunde absolvieren können. Bis jetzt haben wir Ausweichtermine ganz gut finden können. Eines ist aber klar: Wenn in den nächsten Wochen weitere Ausfälle dazukommen, kann es auch sein, dass nicht jeder Klub die 52 Spieltage der Hauptrunde spielen kann.

Dann greift die Quotientenregelung, bei der der Punktequotient pro Spiel über die Platzierung bestimmt?

Genau. Wenn auch nur eine Mannschaft die 52 Spiele nicht absolvieren kann, greift für alle Klubs die Quotientenregelung und entscheidet über den Tabellenplatz.

Ist die Suche nach Ausweichterminen derzeit Ihre schwierigste Aufgabe?

Das wird zunehmend die schwierigere Aufgabe. Bisher, muss ich ehrlich sagen, ist es schwerer, die einzelnen Spieltage im Dialog mit den Klubs zu prüfen: Kann jedes Spiel stattfinden oder nicht? Was haben wir für Erscheinungen, lediglich Symptome oder positive Schnelltests? Wie gehen wir damit um? Ist die Mannschaft geboostert, wird eine Spielfähigkeit erreicht. Das ist momentan die größere Schwierigkeit, extrem zeitintensiv.

Plant die DEL2 mit kompletten Play-offs, also mit dem Best-of-Seven-Modus?

Speziell an den Endrunden, also auch an den Play-downs, wollen wir nicht rütteln. Wir gehen da vorsichtig positiv heran, vielleicht finden wir ab Mitte März auch eine andere Situation bezüglich der aktuellen Pandemiewelle vor. Deswegen legen wir höchste Priorität darauf, dass die Endrunden mit Best-of-Seven-Runde und Pre-Play-offs gespielt werden können.

Planen Sie die Endrunden mit Puffer für eventuelle Corona-Ausfälle?

Wir haben das von der letzten Saison in diese Spielzeit übertragen: Wenn eine Mannschaft tatsächlich spielunfähig werden würde und nicht antreten kann, wird nach aktueller Lesart das Spiel gegen diese Mannschaft gewertet, aber nicht die komplette Runde. Wir hangeln uns von Spiel zu Spiel. Für die Play-downs steht diese Regelung noch nicht zu 100 Prozent fest. Bis spätestens Ende Februar wollen wir uns da positionieren. Wir haben leider die Termine nicht, um im Notfall bis Ende Mai Eishockey zu spielen.

Weil die Eisflächen von den Betreibern nicht bis dahin erhalten werden?

Das zum einen. Nachwuchsbetrieb und öffentliches Eislaufen findet dann nicht mehr statt. Die Einzigen, die Anspruch auf die Eisflächen hätten, wären DEL2-Klubs. Zum anderen ist es eine Kostenfrage. Einen Monat länger den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, bedeutet auch für die Klubs zusätzliche Kosten: Gehälter, Reisekosten etc. Insofern ist das schwer umsetzbar.

Der in Greiz aufgewachsene René Rudorisch (43) führt die zweithöchste deutsche Eishockeyliga seit 2014 als Geschäftsführer an.
Der in Greiz aufgewachsene René Rudorisch (43) führt die zweithöchste deutsche Eishockeyliga seit 2014 als Geschäftsführer an. © Archiv: Robert Michael

In Sachsen wurden ab Ende November die Zuschauer ausgesperrt. Die Klubs aus Weißwasser, Crimmitschau und Dresden sahen sich benachteiligt. Nun sind seit dem 14. Januar im Freistaat bis zu 25 Prozent Hallenkapazität Fans erlaubt, in Bayern und Hessen nicht. Gleicht sich der Nachteil wieder aus?

Es kommt darauf an, welchen Wettbewerb man meint. Der sportliche Wettbewerb ist aus meiner Sicht davon nicht betroffen. Natürlich nimmt die Akustik auch Einfluss in den Arenen, aber da muss man Profi genug sein, darauf haben wir uns vor der Saison mit den Klubs auch verständigt. Beeinflusst werden könnte ein bisschen der wirtschaftliche Wettbewerb untereinander, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Sachsen mit der Entscheidung im November unglücklich sein müssen. In Sachsen hatte man die Chance, gerade zu Saisonbeginn viele Zuschauer reinzulassen, inklusive Catering, was in Bayern zu der Zeit undenkbar war. Das wird sich wahrscheinlich angleichen.

Weshalb?

Wir sind positiv gestimmt, dass mit den vom Staat verlängerten Corona-Hilfen für Profisport eine Angleichung auf 90 Prozent Auslastung erfolgt – an jedem Standort.

Das heißt, Weißwasser könnte jetzt 65 Prozent der Ausfälle an Ticketverkäufen geltend machen, Frankfurt die vollen 90 Prozent?

Exakt. Das ist mit Beschluss der Ministerpräsidentenrunde so verkündet worden. Was noch aussteht, ist die neue Richtlinie dazu, die diese beschlossene Verlängerung auch beinhaltet. An der inhaltlichen Regelung wird aber nicht gedreht, die hat sich bewährt und wird beibehalten.

Sie fordern bis 24. Mai die Lizenzunterlagen der Vereine an. Hat die unklare Lage auf die Rahmenbedingungen der kommenden Saison einen Einfluss?

Aus der Erfahrung der vergangenen Saison gehe ich davon aus, dass es keine Erleichterungen für die Planungskennzahlen geben wird. Das ist noch nicht final mit der Liga und dem Aufsichtsrat besprochen. Wir haben auch vor der vergangenen Saison die Auflagen eher verschärft, weil wir schon Probleme im Erreichen des Sponsorings oder der Zuschauerauslastung sahen. Ich kann mir vorstellen, dass diese Grundlagen auch für die neue Saison gelten. Aber auch im Mai werden wir nicht wissen, ob die nächste eine geräuschlose Saison wird.

Gefühlt drängen aufgrund der Schieflage in der Tabelle immer mehr Vereine in der DEL, der höchsten deutschen Spielklasse, auf eine Aussetzung der Abstiegsregel. Hat das Einfluss auf die Aufstiegsregelung in der DEL2?

Erst einmal gibt es einen Vertrag zwischen beiden Ligen, der Gültigkeit hat und dementsprechend den Aufsteiger aus der DEL2 regelt und auch den Absteiger aus der DEL. Wenn man es genau nimmt, ist es das erste Jahr, in der es für die DEL um einen Absteiger geht. In der vergangenen Saison haben wir eine Corona-Regelung gefunden, in der das Thema Abstieg ausgesetzt wurde. Fakt ist, wir haben für die Corona-Pandemie sowohl im Regelwerk der DEL als auch der DEL2 Lösungen implementiert, die mit Spielausfällen umgehen. Daran müssen wir uns messen lassen. Für uns als DEL2 steht die Vereinbarung fest.

Klingt nach einem Aber.

Wir spielen einen Aufsteiger aus, der sich regelkonform um den Aufstieg beworben haben muss – in erster Linie derzeit also Frankfurt. Im Gegenzug dazu spielt die DEL einen Absteiger aus, weil es 15 Teams sind. Und sollte Frankfurt aufsteigen, müsste noch ein zweiter Absteiger in die DEL2. Das ist der Status quo.

Natürlich gibt es da ein bisschen Unruhe in der DEL, doch das ändert grundsätzlich nichts an unserer Vereinbarung. Es kann keine einseitige Regelung geben, nur eine Absprache beider Ligen. Ein Treffen der Aufsichtsräte soll im Februar stattfinden. Es ist aber allen klar, dass es, wie in anderen Profiligen auch, trotz der Bedingungen einen Auf- und Abstieg geben muss.

Mit Kassel und Dresden wollen sich mindestens zwei DEL2-Klubs als mögliche Nachrücker für die DEL bewerben, wenn ein Erstligist keine Lizenz erhält. Ist dieses Szenario derzeit so wahrscheinlich wie noch nie?

Ich kann die Situation in der DEL nicht direkt von außen bewerten. Nichtsdestotrotz ist in der aktuellen Situation ein Risiko vorhanden, damit ist es gerechtfertigt, dass sich DEL2-Klubs als mögliche Nachrücker anmelden.

Das Gespräch führte Alexander Hiller.