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Ein Freitaler Radprofi trumpft in der World Tour auf

Der Freitaler Radprofi Max Kanter war einer der prägenden Fahrer der Frühjahrs-Klassiker. Nach einer Wettkampfpause geht er mit neuem Selbstbewusstsein in seine zweite Saisonhälfte.

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Beim spanischen Rennstall Movistar glücklich: Max Kanter.
Beim spanischen Rennstall Movistar glücklich: Max Kanter. © Roth

Von Thomas Juschus

Freital. Mailand – San Remo, Gent-Wevelgem, Flandern-Rundfahrt, Amstel Gold Race, Paris – Roubaix: Bei allen großen Klassiker-Radrennen in dieser Saison war Max Kanter dabei. Und sogar mehr als das. Der 24-jährige Radprofi aus Freital bei Dresden spielte aus deutscher Sicht in diesem Frühjahr eine der wichtigsten Rollen, überzeugte insbesondere mit einem richtig starken Rennen in Flandern.

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Über 200 Kilometer fuhr Kanter, der seit diesem Jahr das Trikot der spanischen World-Tour-Mannschaft Movistar trägt, in der Spitzengruppe. Erst knapp 60 Kilometer vor dem Ziel, bei der zweiten Überquerung des Oude Kwaremont, war die Flucht beendet.

Einer der schönsten Renntage endet auf Platz 91

„Es war einer der härtesten Tage meiner Karriere im Sattel, aber auch einer der schönsten. Ich war noch nie so stolz, ein Rennen zu beenden“, erinnert sich Kanter, der zwar letztlich abgeschlagen auf Platz 91 ins Ziel kam, aber über Stunden dem Rennen seinen Stempel mit aufgedrückt hatte. Die Qualen, die Anstrengung, der Kampf gegen Kälte und Hunger, sind längst verflogen, geblieben ist vor allem ein Gefühl von Freude und Erleichterung.

„In Belgien wird der Radsport ganz anders wertgeschätzt. In diesem kleinen Land herrscht eine extrem große Radsport-Kultur. Mit den Hunderttausenden an Zuschauern hatte ich teilweise Gänsehaut, gerade nach den Corona-Jahren. Ich habe es einfach genossen, nachdem ich relativ schnell realisiert hatte, dass wir mit unserer Gruppe nicht durchkommen werden“, erinnert er sich.

Teamkollege von Altmeister Valverde

Die Flandern-Rundfahrt war der emotionale Höhepunkt in Kanters Frühjahr, ein vierter Platz beim Halbklassiker Mailand-Turin dazu ein starkes Ergebnis und Bestätigung für die Arbeit der Monate zuvor. Nach vier Jahren beim niederländischen World-Tour-Team Sunweb/DSM wechselte Kanter Ende 2021 zu Movistar, der Mannschaft um „Altmeister“ Alejandro Valverde. Zusammen mit Trainer Servando Velarde ist er dort als Rennfahrer weiter gereift.

„Ich denke, ich habe auf jeden Fall in meiner Entwicklung einen Schritt nach vorn gemacht“, sagt Kanter. Als U23-Fahrer (zweimal deutscher Meister/2017, 2018) und mit zwei dritten Plätzen bei der Spanien-Rundfahrt (2020) machte er vor allem als Sprinter auf sich aufmerksam. Diese Stärke will er behalten, aber „auch ziemlich harte Ein-Tages-Rennen überstehen“.

Spanischkenntnisse verbessern sich täglich

Der Wechsel von Sunweb/DSM, wo der gebürtige Cottbuser auch schon das Entwicklungsprogramm durchlief, zu Movistar hat sich bisher in jeder Hinsicht gelohnt. „Für mich war es ein kleiner Neuanfang. Die spanische Mentalität ist einfach anders, es fühlt sich alles familiärer an, was mir sehr gutgetan hat. Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Schritt gegangen bin“, beschreibt Kanter die Unterschiede.

Zusammen mit dem Berliner Juri Hollmann, der wie er ebenfalls durch die Cottbuser Sportschule ging, ist er der einzige Deutsche. Auch seine Spanisch-Kenntnisse werden von Tag zu Tag größer. „Ich arbeite daran und versuche zu zeigen, dass ich die spanische Kultur schätze. Es wird immer besser, gerade bei den Rennen. Es braucht aber seine Zeit“, so Kanter.

Trainingsfahrten rund um Dresden

Zuletzt war Kanter in einer Wettkampfpause, bei zwei kleineren Rennen in Frankreich Mitte des Monats und bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni im Sauerland kehrt er in den Rennmodus zurück. Derzeit stehen deshalb vor allem lange, nicht zu intensive Ausfahrten rund um Dresden im Programm. Seit 2020 ist der 24-Jährige in Freital heimisch geworden.

„Ich fühle mich inzwischen hier zu Hause. Auf der anderen Seite ist es nicht sehr weit weg von Cottbus, da kann ich ab und zu meine Familie besuchen. Das macht einiges leichter, als wenn ich im Westen wohnen würde. Ich fühle mich hier wohl und kann hier gut trainieren“, so Kanter, der auch die Sächsische Schweiz und das Lausitzer Seenland gern für seine Trainingsfahrten nutzt.

Höhepunkt Deutschland-Tour

Ein Start bei der Spanien-Rundfahrt ist in diesem Jahr kein Thema, Movistar hegt hier Ambitionen auf das Gesamtklassement, so dass für Kanter wohl kein Platz im Kader ist. Die Cyclassics in Hamburg (21. August) sowie die Deutschland-Tour mit dem Start in Weimar (ab 24. August) sind deshalb neben einigen andere Rennen die weiteren Highlights im Kalender. „Und in einem dieser Rennen will ich auch noch meinen ersten Profi-Sieg einfahren“, sagt Kanter.

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Insgeheim geht aber ganz sicher der Blick mit frisch gestärktem Selbstbewusstsein schon ein bisschen auf die kommenden Frühjahrs-Klassiker. „Nächstes Jahr wird meine Vorbereitung sicher noch anders sein. Das Team hat jetzt gesehen, was ich kann“, sagt Max Kanter – und ist schon jetzt bereit für eine der Hauptrollen in 2023.

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