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Nach mäßiger Halbserie: Budissa-Trainer nimmt Spieler in die Pflicht

Bautzens Coach Stefan Richter ist mit der Oberliga-Hinrunde nicht zufrieden und setzt im Interview mit Sächsische.de unter anderem auf die Rückkehr von Spielführer Tom Hagemann, dessen Tore fehlen.

Von Jürgen Schwarz
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Gegen die Top-Teams der Liga zeigte seine Mannschaft gute Spiele - doch insgesamt kann Stefan Richter nicht zufrieden sein.
Gegen die Top-Teams der Liga zeigte seine Mannschaft gute Spiele - doch insgesamt kann Stefan Richter nicht zufrieden sein. © Florian Richter

Bautzen. Die FSV Budissa Bautzen überwintert in der Fußball-Oberliga Süd auf Platz zehn. Bereits am 4. Januar beginnt die Vorbereitung, einen Monat später steht das erste Punktspiel in Krieschow an. Trainer Stefan Richter lässt die ersten 14 Punktspiele Revue passieren und nimmt seine Mannschaft in die Pflicht.

Herr Richter, Ihre Mannschaft war in der Vorsaison nach der Hinrunde Schlusslicht, spielte anschließend die zweitbeste Rückrunde aller 16 Teams. Aktuell beträgt der Abstand zu einem Abstiegsplatz nur vier Zähler. Sehen Sie Parallelen zu 2022/23?

Nicht unbedingt. Die letzte Saison hatte ein anderes Ausmaß an verletzten Spielern. Vor allem sehr schwere und langwierige Verletzungen haben damals unsere Hinrunde sehr schwierig gestaltet. Das war extrem. Natürlich hatten wir in dieser Hinrunde auch die eine oder andere Verletzung zu beklagen. Der Ausfall von Tom Hagemann und die Verletzung von Alexander Schidun wogen schwer, da Torgefährlichkeit beziehungsweise Stabilität auf dem Platz fehlte. Aber ein Vergleich mit der Vorsaison wäre nicht der richtige Ansatz, sondern eher eine Ausrede. Wir haben eine sehr schwache Phase in der Mitte der Hinrunde gehabt, in der wir auf und neben dem Platz einiges haben vermissen lassen.

Ihre Spieler haben beim Spitzenreiter in Plauen unglücklich 0:1 verloren, beim Staffelzweiten in Magdeburg 4:1 gewonnen und gegen den Tabellendritten Bischofswerda 1:1 gespielt. Ist das der Beweis, dass viel mehr Potenzial im Team steckt, als es die Ergebnisse aussagen?

Definitiv! Wir müssen unser Potenzial immer mit aller Konsequenz und Entschlossenheit auf den Platz bringen und nicht nur in den Spielen gegen die Top-Teams. Wir haben eine richtig geile Mannschaft, die noch viel Luft nach oben hat. Dieses Selbstverständnis müssen einige Spieler noch annehmen und sich auch der damit einhergehenden Verantwortung bewusstwerden. Gegen Gegner, die selbst das Spiel machen wollen, sehen wir aktuell besser aus. Dann können wir uns auf das Umschaltspiel konzentrieren, in dem wir unser Tempo ausspielen können. Im Spiel mit dem Ball haben wir noch große Reserven, sind zu zögerlich und nicht konsequent genug. Das werden wir in der Rückrunde besser machen.

Kapitän Tom Hagemann, Budissas torgefährlichster Spieler, konnte in nur fünf der 14 Meisterschaftspartien mitwirken. Wie viele Punkte hat sein Ausfall gekostet?

Sie müssen nur schauen, wie viele Tore er in den letzten Jahren und vor allem in der Rückrunde der Vorsaison für Budissa geschossen hat (2022/23 waren es 20 Tore/Anm. d. Red.). Diese Quote spricht für sich. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der auf dem Platz den Unterschied ausmacht. Nicht nur mit seinen Toren, sondern auch mit den Bällen, die er festmacht und so andere Spieler einsetzen kann. Darüber hinaus konzentrieren sich die Gegner auf ihn, wodurch wiederum Räume für die Mitspieler entstehen. Aber auch außerhalb des Platzes, in der Kabine, ist er eine ganz wichtige Säule. Ich hoffe, dass er schnell wieder fit und sich dieser Rolle bewusstwird, um sie wieder so auszufüllen.

Routinier Alexander Schidun muss seine Laufbahn beenden. Wie sehr fehlt er dem Team – und wird diese „Planstelle“ im Kader neu besetzt?

Mit seiner Verpflichtung in der letzten Winterpause haben wir alles richtig gemacht. Er hat die benötigte Stabilität gegeben und hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass wir in der Rückrunde der letzten Saison so gut performen konnten. Diese Stabilität geht uns leider aktuell etwas ab. Daran merkt man, dass er uns fehlt. Wir haben einige Spieler, die diese Stabilität geben können, sich dieser Rolle aber noch mehr bewusst werden müssen. Dennoch sondieren wir den Markt, um diese Kaderstelle neu zu besetzen.

Liga-Kontrahent Bischofswerdaer FV möchte mit der Zweiten Mannschaft in die Landesklasse aufsteigen. Wäre es aus Ihrer Sicht gut, wenn auch Budissa wieder auf eine „Zweite“ bauen könnte?

Selbstverständlich wäre eine Zweite Mannschaft eine sehr gute Möglichkeit, sowohl Spielern, die aus der U19 kommen, als auch den Jungs, die Spielpraxis brauchen, eine bessere Perspektive zu vermitteln. Ich denke: Bekommt der Verein die Möglichkeit, diese Anstrengung sowohl personell als auch finanziell zu stemmen, wird dies sicher in den nächsten Jahren ein Ziel sein.

Wer steigt in die 4. Liga auf, und wo landet Budissa Bautzen in der Endabrechnung?

Grundsätzlich ist mir egal, wer aufsteigt. Für Petrick Sander, den Trainer des 1. FC Magdeburg II, würde es mich persönlich jedoch am meisten freuen. Wo wir landen, entscheiden wir selbst. Nehmen wir die Situation an und geben ab dem ersten Tag der Vorbereitung Vollgas, haben wir die Möglichkeit, eine ähnliche Rückrunde wie 2022/23 zu spielen.

Ist die Vorbereitungszeit zu kurz?

Es wird eine sehr intensive Zeit werden, in der wir den Grundstein für eine gute Rückrunde legen wollen. Man kann jetzt meckern, dass die Vorbereitungszeit durch die Neuterminierung noch kürzer geworden ist – oder man nimmt es so hin und passt den eigenen Vorbereitungsplan an. Wir werden Letzteres tun.

Welche Testspiele sind geplant?

Wir starten am 4. Januar in die Vorbereitung, testen gegen Regionalligist FC Eilenburg, Dynamos U19-Bundesliga-Junioren sowie Landesligist Laubegast.

Ende des Jahres steigt in der Halle am Schützenplatz das traditionelle Regio-Turnier. Wer wird dort für Budissa auflaufen?

Wir werden wieder ein Team aus U19 Spielern und jungen Spielern aus unserem Oberligakader formen. Die Jungs freuen sich schon auf eine ausverkaufte Halle und eine großartige Stimmung, die dieses Turnier in jedem Jahr mit sich bringt.