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Ist Kiel ein Endspiel für den Dynamo-Trainer?

Vor dem Kellerduell bei Holstein Kiel wirbt Dynamo-Trainer Alexander Schmidt für Gelassenheit. Es gibt auch positive Nachrichten aus dem Corona-Lager.

Von Daniel Klein
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Die Uhr tickt – aber auch gegen ihn? Das Spiel am Freitagabend wird ein entscheidendes für Trainer Alexander Schmidt.
Die Uhr tickt – aber auch gegen ihn? Das Spiel am Freitagabend wird ein entscheidendes für Trainer Alexander Schmidt. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Doch, es gibt sie noch, die guten Nachrichten von Dynamo. Nachdem Chris Löwe am Dienstag wegen eines Coronabefundes in Quarantäne musste, hat sich – Stand Donnerstagnachmittag – kein anderer Spieler infiziert. Sebastian Mai kämpft zwar ebenfalls mit Erkältungssymptomen, bisher fielen die Tests beim Kapitän jedoch negativ aus.

Es sind also keine weiteren Ausfälle zu beklagen vor dem Auswärtsspiel am Freitagabend bei Holstein Kiel - hier im Liveticker -, das ein entscheidendes werden könnte – tabellarisch wie personell. Eine weitere Niederlage, es wäre dann die neunte in den letzten zehn Pflichtspielen, würde die Wahrscheinlichkeit einer Entlassung von Trainer Alexander Schmidt zumindest nicht verkleinern. Im Gegenteil.

Am Donnerstagnachmittag sitzt der 53-Jährige auf dem Podium des Presseraums im Trainingszentrum der Dresdner, er erklärt, argumentiert, einmal lacht er sogar. Von der Brisanz, dem Druck, der heiklen Lage – davon lässt er sich nichts anmerken, versucht stattdessen, Optimismus zu verbreiten, ohne irgendwas beschönigen zu wollen. Und er stellt sich fast schon demonstrativ vor seine Spieler. „Die Mannschaft ist nicht infrage zu stellen. Sie wirkt mental gefestigt, und ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass sie diese kritische Phase wieder zu unseren Gunsten drehen wird“, erklärt Schmidt. Das könnte man als Durchhalteparole deuten, doch es klingt nicht so.

Zur Seite springt ihm Yannik Stark, der neben ihm sitzt, und der mit seinen 31 Jahren schon einiges erlebt hat im Profifußball. Solch eine Situation sei aber auch für ihn neu, sagt er, weil man „nicht wirklich greifen kann, woran es liegt. Die Mannschaft ist absolut intakt, da sind keine faulen Äpfel drunter, es wird sich nicht gegenseitig zerfleischt“, beginnt er aufzuzählen. „Mit dem Trainerteam ist es ein sehr gutes Miteinander, es werden von der sportlichen Leitung keine unrealistischen Ziele ausgegeben. Von daher ist es für mich so schwer zu erklären, warum die Ergebnisse gerade nicht stimmen.“

Doch es gibt die Fakten. Die Standardschwäche zum Beispiel, die zuletzt für viele Gegentore sorgte, aber für keinen einzigen eigenen Treffer. Eine Stunde lang wurden in dieser Woche Ecken und Freistöße trainiert, und Schmidt konnte vermelden: „Bei 60 Versuchen fiel gerade mal ein Tor.“ Das ist ein fabelhaftes Ergebnis für die Defensive – und zugleich ein ernüchterndes für die Offensive.

Dynamos Horrorbilanz in Kiel? Interessiert Schmidt nicht

Schmidt betont das Positive, schiebt das Negative beiseite. Dazu gehört Dynamos Horrorbilanz bei den Auswärtsfahrten nach Kiel. Die letzten Ergebnisse dort? 0:2, 0:3 und 0:3. Das macht nicht gerade Mut, lässt Schmidt aber kalt. „Wenn es nach den Statistiken geht, würden wir jetzt im gesicherten Mittelfeld stehen“, vergleicht er und wählt ein Beispiel: „Wir haben von allen Zweitligisten den meisten Ballbesitz.“ Nur gibt es dafür keine Punkte.

Die Tabelle, in der Dynamo auf dem 13. Platz steht, war auch ein Thema beim Treffen zwischen Sportchef Ralf Becker, dem Trainerstab sowie der Mannschaft in dieser Woche. Wenn man sich die nackte Tabelle anschaue, zitiert Schmidt seinen Vorgesetzten, würde man feststellen, dass wir in einem Bereich liegen, in dem man uns vielleicht erwartet hat. „Er hat aber auch hervorgehoben, dass die Situation ernst sei und dass wir diese Entwicklung, den Trend, mit aller Macht stoppen müssen. Darauf muss sich jeder Einzelne jetzt konzentrieren und den Fokus richten“, so Schmidt über die Ansprache.

Öffentlich äußern wollte sich Becker in diesen Tagen nicht. Ob das für den Trainer ein gutes oder schlechtes Zeichen ist – darüber kann man nur spekulieren. Für Schmidt ist entscheidend, trotz der brenzligen Lage die Lockerheit zu bewahren, und er lebt das selbst vor. „Egal, wie das Spiel ausgeht: Es werden danach alle im Bus sitzen. Und die Welt wird auch nicht untergehen.“ Vielleicht aber ein Trainer entlassen.