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Dynamos neue, große Ansprüche in der 2. Liga

Die Namen der Gegner sind prominent, doch kleinreden will sich der Aufsteiger aus Dresden nicht. „Wir sind auch ein großer Name“, sagt der Kapitän Sebastian Mai.

Demütig bleiben, aber nicht kleiner machen als man ist - mit dieser Devise geht Dynamo in die neue Saison.
Demütig bleiben, aber nicht kleiner machen als man ist - mit dieser Devise geht Dynamo in die neue Saison. © dpa-Zentralbild

Dresden. Zum Auftakt geht es gegen einen bekannten Gegner. Am 24. oder 25. Juli empfängt Dynamo Mitaufsteiger Ingolstadt. Danach geht es zum Hamburger SV, es folgen das Heimspiel gegen Hannover 96 sowie die Auswärtspartie bei Hansa Rostock. Gegen die beiden Bundesliga-Absteiger Werder Bremen und Schalke 04 treten die Dresdner laut dem am Freitag von der DFL veröffentlichten Plan im September und Oktober an. Und beim Saisonfinale am 15. Mai kommt der sächsische Dauerrivale Erzgebirge Aue ins Rudolf-Harbig-Stadion.

„Das ist allein von den Namen her eine wahnsinnig interessante Liga“, sagt Ralf Becker. Dynamos Sportchef freut sich vor allem auf die Partien, „in denen Tradition aufeinanderprallt“. Viele sprechen sogar von der besten 2. Fußball-Bundesliga, die es je gab. „Wir wissen als Aufsteiger, unsere Rolle in diesem Kontext einzuschätzen.“

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Wer allerdings glaubt, den Dresdnern schlottern angesichts der großen Namen die Knie, liegt komplett daneben. Cheftrainer Alexander Schmidt hat der Mannschaft jedenfalls gleich in der ersten Ansprache gesagt, wie wichtig es sein wird, den Respekt vor manchen Kontrahenten so schnell wie möglich abzulegen. Das kam bei den Spielern gut an, denn die sehen es wie Christoph Daferner. Für den Stürmer ist es der zweite Anlauf in der zweiten Liga, nachdem er in der Saison 2019/20 vom SC Freiburg nach Aue ausgeliehen war und dort in 21 Einsätzen, die meisten nach Einwechslung, ein Tor erzielt hat.

In seinem ersten Jahr in Dresden war er mit zwölf Treffern der erfolgreichste Vollstrecker, zudem bereitete er sieben Tore vor. „Ich bin froh, dass der Plan aufgegangen ist, mit Dynamo aufzusteigen“, sagt Daferner – und betont: „Ich komme mit einem anderen Selbstvertrauen zurück in die zweite Liga, gehe mit meinen 23 Jahren auch gerne voran und werde mich nicht verstecken.“

Was für ihn persönlich gilt, fordert er auch fürs Team. Auf die prominente Besetzung im Unterhaus angesprochen, reagiert Daferner beinahe gereizt. „Das nervt mich ehrlich gesagt, wenn wir uns so klein machen und ehrfürchtig auf die anderen schauen“, meint der im bayerischen Pöttmes aufgewachsene Angreifer. „Natürlich hat man Respekt vor solchen Gegnern, der ist auch wichtig, aber wir brauchen vor keinem Angst zu haben, denn wir haben eine gute Truppe, einen super Zusammenhalt.“

Das meint auch Trainer Schmidt in Bezug auf weitere Neuzugänge: „Grundsätzlich vertrauen wir unserer Aufstiegsmannschaft, denn die hat eine sehr gute Qualität.“ Hinzu kommt, dass diese Euphoriewelle Dynamo bisher im ersten Zweitligajahr bislang immer getragen hat: 2005 auf Platz acht, 2012 auf neun und 2017 sogar auf fünf. Es ist ein anderes Thema, dass die Erwartungen danach jedes Mal ins Unrealistische stiegen.

Sebastian Mai ist als Dresdner mit dem hohen Anspruch aufgewachsen, der sich aus Dynamos Glanzzeit in den 1970er- und 1980er-Jahren ergibt, er hat im Nachwuchs gespielt und kehrte nach einigen Stationen im vorigen Sommer zu seinem Heimatverein zurück. „Wir sind auch ein großer Name“, sagt der 27-Jährige. Damit wüssten sie auch bei Schalke etwas anzufangen, beim HSV spätestens, seit sich der Favorit vorige Saison in der ersten Runde des DFB-Pokals mit einem 1:4 in Dresden blamiert hat.

Auch auf solche Erfahrungen setzt Mai für die neue Saison. „Wer schon mal in der zweiten Liga gegen Dynamo gespielt hat, weiß, was ihn erwartet, wenn er hierher kommt“, sagt er – in der Hoffnung, dass wieder Zuschauer dabei sein dürfen, und wenn es erst einmal gut 10.000 sind wie eben gegen den HSV im September 2020. „Es ist schon eklig, hier gegen uns zu spielen, wenn Fans da sind. Die Stimmung hilft uns natürlich auch.“

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Für Mai ist die zweite Liga wie für einige Dynamo-Profis absolutes Neuland. „Dort zu spielen, war mein Ziel. Das habe ich erreicht, jetzt freue ich mich darauf.“ Bange machen gilt also nicht – das meint auch Morris Schröter. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler kam vom FSV Zwickau, hat dort eine herausragende Saison in der 3. Liga gespielt, zehn Tore erzielt, acht vorbereitet. Von den größeren Namen, mit denen auch er es jetzt zu tun bekommen wird, lässt er sich keine Furcht einjagen. Seine Einstellung: „Es geht einfach darum, darüber nicht ständig nachzudenken, sondern jedes Wochenende an die Leistungsgrenze zu kommen. Das wird vonnöten sein, um als Sieger vom Platz zu gehen.“

Das wollen die Schwarz-Gelben möglichst oft und vor allem im Rudolf-Harbig-Stadion. Dort gibt es einiges gutzumachen. Ausgerechnet die Bilanz in den vier Jahren in der zweiten Liga von 2016 bis 2020 war enttäuschend: Von 68 Heimspielen wurden nur 23 gewonnen, 2017/18 war Dynamo sogar Letzter in dieser Wertung – und das vor im Schnitt mehr als 28.000 Zuschauern.

Diese Zahlen muss Daferner nicht kennen, um es mit der Mannschaft diesmal besser machen zu wollen. Er vertraut jedenfalls auch auf den zwölften Mann, der Dynamo zu Hause wie auswärts unterstützt. „Ich freue mich darauf, mit den Jungs in hoffentlich vollen Stadien zu spielen“, sagt er, denn: „Mit unseren Fans im Rücken ist einiges möglich.“ Als Ziel hat der Trainer ausgegeben, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben, „aber uns auch nicht zu limitieren“, wie Schmidt sagt.

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