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Deutliche Ansagen vor Dynamos Jahresauftakt

Vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV gibt es bei Dynamo Aussagen zu weiteren Transfers und scharfe Kritik an den 1.000 zugelassenen Zuschauern.

Von Daniel Klein
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Bei Dynamos Pokalsieg im September 2020 lieferten sich Paul Will (l.) und Klaus Gjasula ein Kopf-an-Kopf-Duell.
Bei Dynamos Pokalsieg im September 2020 lieferten sich Paul Will (l.) und Klaus Gjasula ein Kopf-an-Kopf-Duell. © dpa/Picture Alliance/Robert Michael

Dresden. So stimmungsvoll wie beim letzten Mal wird es diesmal nicht werden. Als der Hamburger SV im September 2020 in Dresden mit einer 1:4-Klatsche aus dem DFB-Pokal flog, durften gut 10.000 Zuschauer im Harbig-Stadion sein. Am Freitagabend sind es nun exakt 1.000, die aufgrund der am gleichen Tag in Kraft tretenden Corona-Verordnung des Freistaates auf den Rängen sitzen dürfen.

„Das kann nur ein erster Schritt sein“, findet Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend und blickt einige Kilometer nach Westen, wo beim Halleschen FC am Samstag „7.500 der 15.000 Plätze belegt werden dürfen. Das kannst du kaum noch jemandem vermitteln.“ Sein für den sportlichen Bereich zuständiger Kollege Ralf Becker formuliert es etwas diplomatischer, sagt, dass sicher mehr möglich gewesen wäre. Und er erinnert daran, dass es für Vereine wie Dynamo mit Geisterspielen oder Mini-Kulissen auf Dauer auch wirtschaftlich schwierig werde.

Folgen hat die Pandemie auf die Zusammenstellung des Kaders. Am Donnerstag vermeldete der Zweitligist den dritten Abgang in der Winterpause. Nach Philipp Hosiner (zu Kickers Offenbach) und Max Kulke (Ausleihe zum ZFC Meuselwitz) hat nun auch Pascal Sohm einen neuen Verein gefunden. Der Stürmer wechselt zum Drittligisten Waldhof Mannheim, bei Dynamo gehörte er zuletzt nicht mehr zum Spieltagskader. Das trifft auch auf Agyemang Diawusie zu, der gegen den HSV fehlen wird. Offiziell hat er einen Infekt. Wahrscheinlich soll sich Diawusie nicht verletzen, um einen möglichen Wechsel nicht zu gefährden.

„Wir wollten uns in der Offensive qualitativ breiter aufstellen“, begründet Becker die Verpflichtungen von Vaclav Drchal und Oliver Batista Meier. Dass es die letzten waren in dem sich am Monatsende schließenden Wechselfenster, hält Becker für wahrscheinlich. Weitere Aktivitäten komplett ausschließen, will er jedoch auch nicht. „Wenn wir noch etwas machen, dann nicht, weil wir es aktuell müssen, sondern weil es vielleicht perspektivisch sinnvoll ist.“ Der Kader sei einer der größten in der zweiten Liga.

Ausruhen kann sich der Sportchef ohnehin nicht, am Saisonende laufen 13 Verträge aus – Verlängerungsklauseln nicht mitgerechnet. „Unser Ziel ist, alle Leistungsträger zu halten. Mal sehen, was da in den nächsten Wochen passiert“, so Becker. Ein guter Start in die Rest-Rückrunde könnte fürs Stammpersonal ein gutes Argument für eine Unterschrift sein. Als Tabellenelfter sind die Schwarz-Gelben zwar weit weg von der Abstiegszone, das Polster ist mit fünf Punkte Abstand auf den Relegationsplatz allerdings kein komfortables.

„Wir können uns nicht zurücklehnen“, erklärt Becker. Vor allem nicht nach dem ernüchternden Jahresabschluss mit der 0:3-Niederlage bei Schlusslicht Ingolstadt. Da wäre ein Erfolgserlebnis gegen den HSV zum Auftakt umso wichtiger. Das große Ziel, der Klassenerhalt, wurde bereits am Saisonanfang formuliert. Dabei bleibt es, Becker schmückt es nun lediglich noch etwas aus. „Wir haben viel lernen können in der Hinrunde. Unser Anspruch ist es, uns weiterzuentwickeln. Wir bleiben demütig, aber auch selbstbewusst“, erklärt er. Anders formuliert: Dynamo will sich weiterhin nicht verstecken. Und das soll am Freitag gegen den HSV sichtbar werden.

Trainer Alexander Schmidt sieht sein Team nach dem Trainingslager in der Heimat gut gerüstet, warnt aber zugleich: „Wenn der Schiedsrichter anpfeift, zählt kein 5:0-Testsieg gegen Erzgebirge Aue. Das interessiert dann keinen mehr. Die Qualität einer Mannschaft zeigt sich, wenn sie in der Lage ist, alles zum richtigen Zeitpunkt abzurufen.“ Trainingsweltmeister haben es schwer, in der 2. Liga zu überleben.

Die geringe Torausbeute war ein Grund für die lange Durststrecke in der Hinrunde. Deshalb legte Dynamo nun in der Offensive nach. Mit dem Ergebnis ist Schmidt zufrieden. Drchal hatte sowohl beim mannschaftsinternen Test als auch gegen Aue jeweils doppelt getroffen. Mehr könne man nicht erwarten, findet der Trainer. „Wichtig wäre, dass sich nun mehr Spieler in die Torschützenliste eintragen.“

Ransford-Yeboah Königsdörffer hatte am Ende der Hinrunde endlich seine Erfolgserlebnisse, Brandon Borrello traf zuletzt im Trainingsspiel doppelt. Für Schmidt sind das positive Anzeichen, und nun hat er mit Drchal offenbar eine echte Alternative zum Dauerläufer Christoph Daferner. Ob oder ab wann er den Tschechen am Freitagabend einsetzt, verrät er nicht.

Eine erfreuliche Meldung gibt es auch aus der Defensive. Rechtsverteidiger Robin Becker ist nach seiner Quarantäne zurück und „voll belastbar“, so Schmidt. Dagegen wackelt der Einsatz von Stammkeeper Kevin Broll noch. Der klagte zuletzt über Nackenschmerzen, da müsse man das Abschlusstraining abwarten.

Egal, wie die Startelf letztlich aussieht – die 1.000 Zuschauer werden es genießen, endlich mal wieder Fußball im Stadion zu erleben. Darunter werden auch einige Neulinge sein. Ein Teil des Ticketkontingents verschenkte Dynamo an Pflegekräfte als Dank für deren Einsatz in der Pandemie.