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Wie wichtig ist Hartmann noch für Dynamo?

Der Ex-Kapitän spricht über seine neue Rolle, konstruktive Ansagen, fehlende Konstanz und zeigt, dass er offenbar unverzichtbar ist für die Mannschaft.

Na, geht doch. Mit der Rückkehr von Marco Hartmann hat offenbar nicht nur die Abwehr mehr Stabilität bekommen. Oder war das wieder nur eine Momentaufnahme?
Na, geht doch. Mit der Rückkehr von Marco Hartmann hat offenbar nicht nur die Abwehr mehr Stabilität bekommen. Oder war das wieder nur eine Momentaufnahme? © Lutz Hentschel

Dresden. Die dritte Halbzeit fällt in diesen besonderen Zeiten kürzer und nüchterner aus. Kein Plausch mit den Fans, keine Interviews mit den Journalisten, kein Gang in die Vip-Räume. Marco Hartmann hat sich nach dem 2:1-Sieg gegen 1860 München trotzdem viel Zeit gelassen – und die im leeren Stadion genossen. „Wenn ich nach einem Spiel ein gutes Gefühl habe, zehre ich davon die ganze Woche. Das gibt mir sehr viel“, sagt er.

Und dieses Gefühl muss ausgekostet werden – auch, weil er es zuletzt nicht konnte. Das letzte Mal stand der 32-Jährige vor fünf Monaten 90 Minuten auf dem Platz. Es war also ein Comeback, die Rückkehr nach einer Verletzung. Mal wieder. Die Wievielte? Hartmann hat sie nicht gezählt. Es ist auch nicht das Thema bei der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Hansa Rostock an diesem Samstag. Vielmehr geht es um den Stellenwert des Ex-Kapitäns in der neu formierten Mannschaft, in die er nun zurückgekehrt ist.

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Die Lobrede vom Trainer zeigt den Stellenwert

Geht es nach Markus Kauczinski, ist der enorm. Fast überschwänglich lobt der Trainer Dynamos dienstältesten Profi. Er könne einer Mannschaft Halt geben, habe eine Idee vom Spiel, die er auch den jüngeren Spielern vermittle. „Er ist jemand, an dem man sich aufrichten kann“, beendet er seine Laudatio, und man hat nicht das Gefühl, dass sie derart euphorisch ausfällt, weil Hartmann gerade neben ihm sitzt.

Kauczinski hat seine Meinung ja auch nicht exklusiv. Viele, die den Sieg der Dresdner gegen die Münchner Löwen vor einer Woche gesehen haben, finden, dass dies nicht nur, aber vor allem an Hartmann gelegen habe. Natürlich hat er diese Komplimente, das Lob gelesen und gehört. Und er hat sich darüber gefreut. „Ich bin deshalb zwar nicht gleich durch die Kabine getanzt, aber es tut gut nach so einer Phase, die nicht leicht war“, erzählt er. „Das stärkt mich in dem, was ich mache.“

Diese ganzen Verletzungen, die Wochen und Monate in der Reha, die langen Phasen, in denen er weit weg war von der Mannschaft, nicht eingreifen und helfen konnte – da bleibt viel Zeit zum Nachdenken über die eigene Rolle und womöglich sogar den Sinn. Es strahle bis ins private Leben ab, wenn er wisse, ein wichtiger Teil dieser Mannschaft zu sein, sagt Hartmann. „Und das funktioniert hauptsächlich über Spiele. So ein Trainingsopi, der ein bisschen mitläuft – das gibt mir nichts.“

Und das gibt offenbar auch dem Team zu wenig. „Niemand kann von außen Verantwortung übernehmen, Ratschläge geben, anderen beistehen“, betont Kauczinski und zählt damit zugleich Hartmanns Stärken auf. Gegen 1860 war er die zentrale Figur in der Dreier-Abwehrkette. Mit Kapitän Sebastian Mai und Tim Knipping an seiner Seite stand da ein Trio mit reichlich Erfahrung und viel Kompetenz auf dem Platz. Bei den Ansagen gebe es keine Verteilung, sagt Hartmann. Wichtig finde er nur, dass sie konstruktiv, sinn- und gehaltvoll seien sowie dem Ziel dienten.

Bisher war Mai der Lautsprecher auf dem Platz, doch mitunter schien es, dass seine Anfeuerungen keine Wirkung zeigten, verpufften. Wer will, kann in Hartmanns Worten also auch einen kleinen Hinweis an den Kollegen hineindeuten.

Mit der Rückkehr des Führungsspielers wird die Hoffnung verknüpft, dass nun endlich Konstanz einzieht ins Spiel der Schwarz-Gelben. Der bisherige Saisonverlauf gleicht einer Achterbahnfahrt. Darauf stehe er inzwischen nicht mehr so, sagt Hartmann und meint damit das Fahrgeschäft. Das ständige Auf und Ab der Mannschaft könne beendet werden, „wenn wir uns etwas erarbeiten, von dem wir das Gefühl haben, die Abläufe funktionieren“, meint er. „Wenn man Nebenleute hat, die einen unterstützen, dann strahlt das was aus, erzeugt eine Energie, die einem hilft, über Rückstände hinwegzukommen. Und das müssen wir uns in dieser neuen Formation Stück für Stück erarbeiten. Wenn wir das schaffen, werden die Leistungen stabiler – und auch die Ergebnisse.“

Spielt Hartmann gegen Rostock wieder im Mittelfeld?

Wo genau die Rolle des Rückkehrers dabei ist, wird sich noch zeigen. Gegen 1860 hatte Kauczinski erstmals in dieser Saison drei Verteidiger in der Startelf aufgeboten. Hartmanns eigentliche Position ist aber das defensive Mittelfeld. „Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich am liebsten dort rumrackere und so viele Zweikämpfe wie möglich führe“, sagt er und ergänzt, dass er sich aber auch in der Abwehr wohlfühlen würde.

Die Frage ist nur, ob dort die Kondition schon für 90 Minuten reichen würde. „Durchstehen geht immer“, sagt Hartmann. Ob er aber nach 60 oder 70 Minuten noch Kraft habe oder nur noch herumstürzen würde, könne er nicht vorhersagen. Auch Kauczinski will sich da nicht festlegen, betont aber, dass ein langfristiger Aufbau wichtig sei.

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Vorhersagen lassen sich natürlich auch Ergebnisse nicht. Beim letzten Duell im Ostseestadion vor fünf Jahren hatte Marco Hartmann beim 3:1-Sieg das Tor zum 1:0 per Kopf erzielt. Am Ende der Saison stieg Dynamo dann in die 2. Bundesliga auf. Da dauerte die dritte Halbzeit sehr, sehr lange – und war garantiert nicht nüchtern.

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