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Warum dieser Dynamo-Profi für mehr Tore sorgen kann

Elf Monate war Patrick Weihrauch verletzt. Nach zwei Einsätzen sagt er: "Ich bin noch nicht der Alte." In der Rückrunde will er helfen, dass Dynamo mehr Treffer erzielt.

Von Daniel Klein
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Patrick Weihrauch hört genau zu, was Sportchef Ralf Becker zu sagen hat.
Patrick Weihrauch hört genau zu, was Sportchef Ralf Becker zu sagen hat. © Lutz Hentschel

Dresden. Wer sehen will, wie wertvoll Patrick Weihrauch sein kann, muss in den Statistiken zurückblättern. Mehr als ein Jahr. Damals erzielte er in sechs Spielen drei Tore und bereitete fünf vor. Kurz danach verletzte er sich am Knöchel, fiel elf Monate aus. Dass er Dynamo gefehlt hat, vor allem nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, bestreitet niemand.

Wie sehr er gefehlt hat, lässt sich ebenfalls anhand einer Statistik belegen. Lediglich 20 Tore erzielten die Dresdner in den ersten 18 Spielen der Saison, nur drei Zweitligisten trafen noch seltener. Das ist eine Ursache für die extremen Ergebnisschwankungen der Hinrunde. Über die Gründe für die Torflaute möchte Weihrauch eigentlich nicht so gerne sprechen. „Von außen redet es sich immer leicht“, sagt er und nennt dann doch einen: „Ab und zu fehlte der letzte Ball.“ Soll heißen, dass es an der Präzision beim entscheidenden Anspiel in die Spitze mangelte.

Genau das ist eine Stärke des 27-Jährigen, der für sämtliche Nachwuchs-Auswahlteams auflief, beim FC Bayern ausgebildet wurde, den Sprung zu den Profis aber nicht schaffte. Dynamos Cheftrainer Alexander Schmidt kennt ihn aus der gemeinsamen Zeit beim Stadtrivalen TSV 1860, als Weihrauch für die Löwen-Jugend kickte und Schmidt die Junioren coachte. Er sei ein sogenannter Entscheider, sagt der 53-Jährige, einer, der den Unterschied ausmachen kann. „Ein spielstarker Junge und auch charakterlich sauber.“ Eigentlich, findet Schmidt, gehöre er in die Bundesliga, sei bloß mal falsch abgebogen.

Weihrauch empfindet die Aussage als Kompliment, hätte es wahrscheinlich nur anders formuliert. Das Angebot, den auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2023 zu verlängern, hatte er Ende November dankbar angenommen, selbst wenn der nur für die zweite und dritte Liga gilt. Aber als Falschabbiegen versteht er seine Station in Dresden nicht.

Zwei Einsätze hatte er kurz vor der Winterpause. Seine Bilanz nach den insgesamt 74 Minuten klingt nicht gerade euphorisch. „Elf Monate gehen nicht spurlos an einem vorbei. Man wird schnell ungeduldig und denkt, dass man schon wieder der Alte ist. Aber dem ist nicht so.“

Das Körperliche ist dabei das eine, der Kopf das andere. „So eine Verletzung da rauszubekommen, ist nicht so einfach“, erklärt er. „Am Sprunggelenk hatte ich noch nichts. Deshalb war ich am Anfang schon ein bisschen vorsichtig.“ Das sei aber besser geworden. Seit Sonntag bestreitet die Mannschaft die Vorbereitung auf die Rest-Rückrunde im vereinseigenen Trainingszentrum. „Ich habe jetzt schon einige Tritte auf den Knöchel bekommen. Das war überhaupt kein Problem. So habe ich mir Sicherheit zurückgeholt“, sagt der gebürtige Rand-Münchner am Mittwoch bei einer Online-Presserunde. Hält das Sprunggelenk, macht auch der Kopf keine Probleme.

Der letzte Schritt zurück zu alter Stärke war das aber noch nicht. Das weiß Weihrauch. Dass die Vorbereitung nicht wie ursprünglich geplant unter der Sonne Spaniens oder Portugals bestritten wird – damit hat er kein Problem („So kann ich zu Hause schlafen. Die Bedingungen hier in Dresden sind außerdem optimal.“) Was ihn stört, ist vielmehr die Kürze. Bereits nächste Woche Freitag steht das Heimspiel gegen den Hamburger SV an. „Eine Vorbereitung über drei, vier Wochen wäre in meiner Situation sicher besser gewesen“, sagt er, will aber nicht hadern, sondern die Situation so nehmen, wie sie ist.

Um keine Zeit zu verlieren, war die Intensität von Beginn an sehr hoch. „Das spüre ich schon in meinen Beinen“, sagt Weihrauch. „Notfalls muss ich mal einen Tag pausieren. Ich bin keine 18 mehr, kenne meinen Körper ganz gut.“

Er kennt nicht nur seinen Körper gut, sondern auch die 2. Bundesliga. 84 Partien hat er in der schon bestritten – nur Yannick Stark und Chris Löwe haben aus dem aktuellen Dynamo-Kader mehr. Deshalb hat seine Prognose ein gewisses Gewicht: „Ich bin ganz guter Dinge, dass wir in der Rückrunde mehr Tore schießen werden. Ich werde jedenfalls alles dafür tun.“