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Ackermann - Die Weltrekord-Hochspringerin wird 70

Rosemarie Ackermann wurde 1976 Olympiasiegerin und stellte sieben Weltrekorde auf. Am Montag feiert die Hochspringerin aus Lohsa ihren 70. Geburtstag. Ein Porträt.

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Rosemarie Ackermann knackte die Weltrekorde im Straddle-Stil, den sie Wälzer nannte – bäuchlings. Hier siegt die gebürtige Lausitzerin am 22. Juni 1975 bei einem Leichtathletik-Länderkampf in Dresden mit der Jahresweltbestmarke von 1,92 Metern.
Rosemarie Ackermann knackte die Weltrekorde im Straddle-Stil, den sie Wälzer nannte – bäuchlings. Hier siegt die gebürtige Lausitzerin am 22. Juni 1975 bei einem Leichtathletik-Länderkampf in Dresden mit der Jahresweltbestmarke von 1,92 Metern. © Archiv

Von Kristof Stühm

Dresden/Cottbus. Der Sprung in die sportliche Unsterblichkeit begann mit einer kleinen Schummelei. „Ich war in Wirklichkeit nur 1,735 Meter groß, aber ich habe damals 1,75 Meter angegeben, weil das die Mindestgröße für die Hochsprung-Karriere in der DDR war“, erzählte Rosemarie Ackermann mal dem Sportinformationsdienst. Nur so konnte aus der „Kleinen“ eine Große werden, die am 26. August 1977 im Olympiastadion in West-Berlin als erste Hochspringerin zwei Meter überwand.

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„Als ich auf der Matte landete, habe ich die Hände vor dem Gesicht zusammengeschlagen, weil ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Das Gefühl war überwältigend“, sagte Ackermann, die am Montag ihren 70. Geburtstag feiert. Noch immer benötigt sie „ein paar Minuten, um mich zu sammeln“, wenn sie das Stadion betritt: „Denn dann läuft sofort der Film des Sprungs vor meinem inneren Auge ab.“

Es war exakt 20.14 Uhr, als die damals 25-Jährige aus Lohsa im Straddle-Stil, den sie Wälzer nennt, bäuchlings die magische Marke knackte – ausgerechnet während des Internationalen Stadionfestes (Istaf), beim ehemaligen Klassenfeind. „Es war wie im Rausch. Ich stellte bei 1,97 Metern meinen Weltrekord ein und habe mir dann gesagt: ,Jetzt musst du auch mal die zwei Meter probieren‘“, sagte Ackermann. Die Traumhöhe glückte im ersten Anlauf. Bei 2,02 Metern war die Spannung raus.

Ackermann schafft mit Flop nur 1,82 Meter

Erst am Nachmittag war die gebürtige Lausitzerin mit der dreiköpfigen DDR-Athletengruppe aus dem Trainingslager in Kienbaum in den Westen der geteilten Stadt gereist. Noch in der Nacht ging es wieder zurück. Die Sternstunde brachte ihr 1.500 DDR-Mark an Rekordprämie sowie die Titel DDR-Sportlerin des Jahres und Weltsportlerin 1977 ein. Die vom Veranstalter gezahlten 10.000 D-Mark durfte sie nicht annehmen.

„Den Flop, mit dem Ulrike Meyfarth schon vier Jahre vor mir Olympiasiegerin geworden war, habe ich damals auch probiert. Ich schaffte 1,82 Meter. Aber eine Umstellung wäre zu schwierig gewesen“, sagte Ackermann, die eines auch ein bisschen schade findet: „Immer nur denken die Leute an diese Leistung. Dabei sprang ich sieben Weltrekorde, und mein Olympiasieg 1976 war sicherlich die wertvollere Leistung.“ Und: „Ich kann sagen, dass ich nie wissentlich gedopt habe.“

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Es sei damals „mucksmäuschenstill“ im Olympiastadion gewesen, als sie anlief, sagte Ackermann: „Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Dann bin ich abgesprungen, und ich merkte schon über der Latte, dass sie liegen blieb.“ Die Weltrekord-Prämie, ein „Koffer voller Geld“, blieb im Westen. „Behalten durfte ich lediglich eine Brosche, die es bei der Siegerehrung gab“, sagte Ackermann, die letzte Königin des Straddle. (sid)

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