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Keine Fans, kein Geld - so bezahlt Oberhof den Weltcup

Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof fehlen zum zweiten Mal in Folge die Zuschauer. Wie wird das Millionen-Loch gestopft?

Von Daniel Klein
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Keine Fans weit und breit: Die Oberwiesenthalerin Denise Herrmann beim Anschießen für den Frauensprint von Oberhof am Freitag.
Keine Fans weit und breit: Die Oberwiesenthalerin Denise Herrmann beim Anschießen für den Frauensprint von Oberhof am Freitag. © dpa/Hendrik Schmidt

Oberhof. Die Zuschauer hätten nicht zimperlich sein dürfen. Die Schneeflocken peitschten waagerecht durchs Stadion in Oberhof und behinderten die Sicht aufs gute Abschneiden der deutschen Biathlon-Männer. Johannes Kühn als Vierter, Roman Rees als Fünfter und Erik Lesser als 15., der damit endlich die zweite Hälfte der Olympianorm erfüllte, sorgten für ein gutes Sprint-Ergebnis – das die Frauen verpassten. Vanessa Voigt war als Zwölfte die Beste.

Zuschauer sind jedoch nicht erlaubt an dem Ort, an dem es traditionell am lautesteten und stimmungsvollsten ist. Und das zum zweiten Mal in Folge. „Das tut weh“, sagt Organisationschef Thomas Grellmann, der in den vergangenen Tagen mit warmen Föhnwinden, Dauerregen und dahinschmelzenden Strecken zu kämpfen hatte. Pünktlich zum – um einen Tag verschobenen – Start am Freitag ist fehlender Schnee kein Problem mehr, die fehlenden Fans aber weiterhin. „Die Stimmung hier, die als einzigartig in der Welt gelobt wird, motiviert sonst nicht nur die Sportler, sondern auch die vielen Helfer“, findet Grellmann.

„Wenn man die Bilder aus Frankreich gesehen hat, wird einem erst mal wieder bewusst, was wir gerade verpassen“, erklärt Hartmut Schubert und meint den Weltcup in Annecy, wo kurz vor Weihnachten bis zu 20.000 Zuschauer den Eindruck vermittelten, als gäbe es kein Virus und keine Pandemie mehr. Schubert ist Chef des Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum sowie Staatssekretär im Finanzministerium – also in Doppelfunktion fürs Geld zuständig.

Keine Zusatztribüne, kein Hüttendorf, kein Vip-Zelt

Im vorigen Jahr sei man mit einer roten Null davongekommen, so Schubert. Also einem kleinen Minus. „Aber auch nur, weil Bund und Land eine halbe Million Euro Corona-Hilfen gezahlt haben.“ Ähnlich wird es diesmal wohl wieder laufen, weil die Ticketverkäufe, die sonst etwa zwei Millionen Euro in die Kassen spülen, erneut wegfallen. Die Internationale Biathlon-Union (IBU) habe signalisiert, dass den Veranstaltern, die auf Zuschauer verzichten mussten, finanziell unter die Arme gegriffen werde, erklärt Grellmann. Außerdem versuchen die Oberhofer, Kosten zu vermeiden.

Ohne Fans wird keine Zusatztribüne aufgebaut, kein Vip-Zelt, kein Hüttendorf mit Bratwurst- und Glühweinständen, Bus-Shuttle sind überflüssig. Bis Anfang Dezember hatten die Weltcupmacher gehofft, die Ränge wenigstens zur Hälfte füllen zu können. „Wie zuletzt in den Fußballstadien“, so Grellmann. Die vierte Welle verhinderte das.

In diesen Tagen wollte man eigentlich auch den Ernstfall proben, der in einem Jahr mit der Weltmeisterschaft wartet. Schließlich wurde das Stadion mitten im Thüringer Wald zuletzt für 35 Millionen Euro umgebaut, die Kapazität auf 27.500 erhöht. Da hätte man gerne getestet, ob das Verkehrskonzept funktioniert oder es irgendwo noch klemmt. „Aber eine ausgefallene Generalprobe bedeutet nicht, dass es eine schlechte WM wird“, erklärt Grellmann. „Wir haben hier so viel Erfahrung, da muss keinem bange sein.“

Die WM soll die Verluste ausgleichen

Doch was, wenn das Virus auch im Februar 2023 noch grassiert und die Tribünen wieder leer bleiben? „Bei dem Gedanken wird mir schwer ums Herz“, sagt Grellmann. Schubert will lieber „gar nicht daran denken“. Eigentlich soll die WM die Verluste der beiden Geister-Weltcups ausgleichen, und „alles wieder in den Plusbereich“ bringen. Für den Staatssekretär steht aber fest: „Man kann deshalb keine WM absagen. Oberstdorf hat es im vorigen Jahr auch ohne Zuschauer mit Hilfe des Weltverbandes, von Bund und Land hingekriegt.“ Im Allgäu wurde vor elf Monaten die nordische Ski-WM ausgetragen.

Selbst wenn es keine Einschränkungen geben sollte, ist unklar, ob die Biathlon-Anhänger auf die beiden Enttäuschungen mit Zurückhaltung beim Kartenkauf reagieren werden. Ein Trost bleibt: das Fernsehen. Und damit der Werbeeffekt für den Ort und die Region. „Im vorigen Jahr schalteten bis zu sechs Millionen Menschen aus dem deutschsprachigen Raum ein“, sagt Schubert. Das kann Corona nicht verhindern.