merken
PLUS Leben und Stil

Was kostet ein Pferd?

Reiten ist ein aufwendiges und teures Hobby, vor allem mit eigenem Tier. Eine gute Alternative ist eine Reitbeteiligung.

Gemütlich ausreiten oder an Turnieren teilnehmen? Pferdefans sollten sich vorher überlegen, was ihnen wichtig ist.
Gemütlich ausreiten oder an Turnieren teilnehmen? Pferdefans sollten sich vorher überlegen, was ihnen wichtig ist. © dpa/Christin Klose

Nicht nur für viele Mädchen, auch für manche Erwachsene ist es ein Traum: das eigene Pferd. Die Hürden sind allerdings hoch, denn Pferde sind in der Anschaffung und im Unterhalt teuer, die Versorgung kostet außerdem viel Zeit. Zudem sind die mehrere hundert Kilogramm schweren Vierbeiner von Natur aus Fluchttiere und ticken ganz anders als Menschen.

Was muss der ideale Pferdekäufer mitbringen?

„Auch, wenn es vielleicht gemein klingt: Aber ein Anfänger sollte kein Pferd haben“, sagt Pferdewirtschaftsmeisterin Christine Hlauscheck. Vor dem Kauf sollte man auf jeden Fall für mehrere Jahre eine Reitschule besucht haben. Der Reiter sollte mindestens in der Lage sein, sicher im Sattel zu sitzen, das Pferd zu lenken und das Tempo zu bestimmen.

August Holder GmbH
Zuverlässigkeit und Erfahrung
Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Was ist, wenn ich nicht sofort kaufen will?

Eine Reitbeteiligung ist ein guter Zwischenschritt. Hierbei zahlt der Reiter dem Pferdebesitzer meist eine feste Summe pro Monat, dafür darf er zum Beispiel zwei- bis dreimal in der Woche das Tier reiten. So kann er ausprobieren, ob er mit einer solchen regelmäßigen Verpflichtung klarkommt. Er lernt dabei auch den weiteren Umgang mit einem Pferd, etwa den Ablauf beim Besuch von Tierarzt oder Hufschmied.

Wozu will ich mir ein Pferd kaufen?

Vor dem Pferdekauf sollte sich der Reiter auch die Frage stellen, welche Erwartungen er an das Pferd stellt und welchem Tier er gerecht werden kann. „Will er nach Feierabend gemütlich ins Gelände reiten, sollte er nach einem braven, unerschrockenen Tier Ausschau halten. Ein Sportpferd würde einem solchen Reiter um die Ohren fliegen“, sagt Hlauscheck. Wer dagegen eine Turnierkarriere anstrebt, benötigt ein bewegungsfreudiges Pferd mit entsprechenden Talenten.

„Man sollte sich auch mit seinen Ängsten beschäftigen“, rät die Expertin. Ein ausgewachsenes Großpferd kann locker eine Rückenhöhe von 1,70 Meter haben und über 600 Kilogramm wiegen, diese Masse muss der Reiter kontrollieren können. Kleinere Pferde sind leichter zu händeln, auch einige Ponyrassen, wie etwa Isländer, können von Erwachsenen geritten werden.

Was kommt an Kosten auf mich zu?

Großpferde können etwa 30 Jahre alt werden, Ponys leben oft noch deutlich länger. „Die Unterbringung kostet monatlich etwa zwischen 150 und 1.100 Euro, je nach Art der Haltung und Region“, erklärt Thomas Ungruhe vom deutschen Pferdesportverband FN.

Alle vier bis acht Wochen muss der Schmied die Hufe bearbeiten und das Pferd eventuell beschlagen, auch hier schwanken die Kosten stark zwischen 15 und weit über 100 Euro. Zu den Fixkosten zählen weiterhin eine Haftpflichtversicherung, Impfungen, etwas gegen Tetanus, sowie Wurmkuren, die meist viermal jährlich gegeben werden. Hinzu kommen Kosten für die Ausrüstung des Pferdes, wie Sattel und Trense, auch hier gibt es bei den Kosten eine enorme Bandbreite.

Das Gleiche gilt für den Kaufpreis der Pferde. „Ein älteres Pony kostet natürlich weniger, als ein gut ausgebildetes, junges Turnierpferd“, sagt Ungruhe. Die Spannbreite liege etwa zwischen 1.000 und 20.000 Euro. Aber auch höhere Preise sind keine Seltenheit.

Welches Pferd sollten Erwachsene wählen?

Nach Meinung von Hlauscheck sollten sich Erwachsene am besten ein gut ausgebildetes Pferd im Alter zwischen acht und zehn Jahren kaufen. Diese Tiere sind bereits Erwachsen, haben also ihre Flegeljahre hinter sich – und verzeihen dank ihrer guten Ausbildung auch manch einen Reiterfehler. „Da sollte man sich was Solides kaufen.“

Die Preise für solche Pferde beginnen bei etwa 8.000 bis 12.000 Euro. Vorsicht vor vermeintlichen Schnäppchen: Dahinter können sich schwierige oder gar unreitbare Pferde verstecken, oder welche mit gesundheitlichen Problemen.

Was ist mit der Kombination junges Pferd und unerfahrener Reiter?

Hlauscheck warnt ausdrücklich davor, sich als Reiter mit erst wenigen Jahren Erfahrung ein junges Pferd zu kaufen. „So etwas wird immer unschön.“ Ein junges Pferd braucht einen erfahrenen Ausbilder, dem es vertrauen kann. Umgekehrt benötigt ein an Erfahrung noch junger Reiter ein Pferd, auf das er sich verlassen kann.

Denn Pferde merken sehr schnell, wenn jemand zögerlich und unsicher agiert. Sie werden dann zunehmend selbstständig, lassen sich zum Beispiel nicht mehr führen oder machen während des Ritts, was sie wollen. „Das kann 99-Mal gut gehen und einmal eben nicht. Wegen der Masse und der Kraft der Pferde kann das verheerend sein“, warnt die Fachfrau.

Wie gehe ich konkret beim Kauf vor?

Zum Pferdekauf sollte ein erfahrener Pferdeexperte mitgenommen werden, der das Tier, ebenso wie der Eigentümer in spe, mindestens einmal Probe reitet. Vor der Unterschrift unter den Vertrag sollte das Pferd von einem Tierarzt untersucht werden, sinnvoll ist dabei auch das Röntgen der empfindlichen Pferdebeine.

Wo bringe ich das Tier am besten unter?

Am besten auf einer Reitanlage, auf der es einen umzäunten Reitplatz oder besser noch eine Reithalle gibt. In diesem geschützten Raum können sich Reiter und Pferd ohne größeres Risiko kennenlernen, zudem gibt es in den Ställen meist Reitlehrer, die den Neu-Pferdebesitzer unterstützen und sich selbst mal in den Sattel setzen können. Letzteres hat den Vorteil, dass der Pferdehalter auch einmal einen Tag stallfrei hat.

Wie oft muss ich zu meinem Pferd?

„Wenn das Pferd nicht auf der Weide steht, muss es jeden Tag bewegt werden“, sagt Hlauscheck. Etwa zwei Stunden täglich muss der Pferdehalter einplanen, so lange wird er mindestens mit Putzen, Satteln, Reiten und was sonst noch im Stall anfällt, beschäftigt sein. (dpa)

Mehr zum Thema Leben und Stil