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Bautzen

Weltstars im Wohnzimmer

Ein neues Musikfest will die Oberlausitz zum Klingen bringen. Für ein Konzert werden noch Gastgeber gesucht.

Der Cellist Ramon Jaffé ist einer der Künstler, die das neue „Kammermusikfest Oberlausitz“ im Frühjahr 2020 gestalten.
Der Cellist Ramon Jaffé ist einer der Künstler, die das neue „Kammermusikfest Oberlausitz“ im Frühjahr 2020 gestalten. © Foto:PR

Oberlausitz. Der Weg nach oben in den Baruther Glockenturm geht über schmale Holztreppen. Es braucht einen beherzten Schritt, um sicheren Stand auf den neuen hölzernen Dielen unter dem Dach zu bekommen. In der Glockenstube stehen vier klingende Giganten. Zwei von ihnen glänzen noch neu, den anderen beiden Kolossen ist ihr Alter anzusehen. In einer Ecke liegen die Girlanden, die die Schwergewichte anlässlich ihrer Weihe geschmückt haben. Ihr Glocken-Großprojekt hat die Baruther in den vergangenen Jahren begleitet – und noch enger zusammenstehen lassen. Dessen baldiger Abschluss gab nun den Anstoß zu Gründung des neuen „Kammermusikfestes Oberlausitz“. Bei diesem Festival im April des kommenden Jahres sollen fünf Konzerte den Landkreis Bautzen zum Klingen bringen.

Treff der Festivalmacher

Die Festivalmacher treffen sich an diesem verregneten Herbsttag an der Baruther Kirche. Einer von ihnen ist Hagen Lippe-Weißenfeld. Seine Urahnen kommen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in das Dorf, das heute zur Gemeinde Malschwitz gehört. 1945 fliehen Großmutter und Mutter vor den herannahenden Russen. Das Schloss wird wenig später abgerissen. Auf dem Areal entsteht ein Schulneubau. Der familiäre Kontakt der Lippe-Weißenfelds zum Dorf reißt nie ab. Für die nächste Generation ist Baruth zwar nicht mehr Heimat, aber eine Verbundenheit zu ihren Wurzeln bleibt.

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Musik verbindet

So entstand zum Beispiel die Idee, mit einem Benefizkonzert Spenden für die Glocken einzusammeln. Im abendlichen Nachklang dieser Veranstaltung, zu der Mitte April 180 Gäste begrüßt werden konnten, kam zum ersten Mal das Gespräch auf ein Festival. Hagen Lippe-Weißenfeld, Bernd Lorenz und Kerstin Mickan vom Glockenförderverein, Ortsvorsteherin Sylvia-Verena Michel und Kirchenmusikerin Barbara Reichel sind immer noch begeistert, und zwar nicht nur von der Spendenbereitschaft des Publikums. „Der Abend hat gezeigt, dass eine besondere Dynamik entsteht, wenn Menschen gemeinsam eine Vision verfolgen – und dass Musik als Universalsprache alle miteinander verbindet“, sind sich die Baruther und ihr Gast einig. Auch bei den engagierten Künstlern, Ramón und Serafina Jaffé an Cello und Harfe, habe das Konzert mit den Laienensembles aus der Kirchgemeinde einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Drei große Konzerte

Deshalb mussten die beiden Musiker – Vater und Tochter – auch nicht lange überlegen, die Leitung des Festivals zu übernehmen, das vom 15. bis 18. April 2020 stattfinden soll. „Unsere Idee ist ein kleines, bodenständiges wie lebendiges Musikfest, getragen von persönlichen Verbindungen in die Orte“, sagt Festival-Intendant Hagen Lippe-Weißenfeld. Neben dem Auftaktkonzert in der Baruther Kirche gastieren die Musiker im Schloss Milkel und im Schloss Gröditz. Als Künstler konnten neben den künstlerischen Leitern der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, Wenzel Fuchs, Arkadi Marasch, Erster Konzertmeister der Staatskapelle Halle sowie die drei Pianisten Heidemarie Wiesner, Andreas Frölich und Monica Gutman gewonnen werden. An allen drei Aufführungsorten wird es ein anderes klassisches Konzert-Programm geben, versprechen die Festivalmacher.

Wer will Gastgeber sein?

Neben den drei großen öffentlichen Konzerten sind zwei weitere Auftritte von Ramón und Serafina Jaffé geplant. Der Cellist mit jüdischen Wurzeln und dem lettischen Riga als Geburtsort ist als Grenzgänger zwischen den musikalischen Epochen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert bekannt. Seine Tochter Serafina spielt seit dem zwölften Lebensjahr Harfe und hat schon zahlreiche Wettbewerbe auf ihren Instrument gewonnen. Gemeinsam gestalten sie den Festival-Auftakt mit einem Kinderbenefizkonzert in der Kreismusikschule in Bautzen. Nach dem gut einstündigen Konzert dürfen die jungen Zuhörer den gestandenen Musikern auch Fragen stellen.

Zum Begleitprogramm des Musikfestes, das bislang ohne institutionelle Förderung auskommt, gehört auch ein Hauskonzert am 15. April um 19 Uhr, für das sich private Gastgeber aus dem Landkreis bewerben können. „Sie müssten Platz für rund 30 Personen in einem witterungsunabhängigen und temperierten Raum und natürlich Spaß haben, Gastgeber zu sein“, sagt Hagen Lippe-Weißenfeld. Bewerben können sich Interessierte wie auch sonstige Festival-Unterstützer bis 29. Februar per Mail bei der Festival-Finanzverantwortlichen Kerstin Mickan.

Spenden sind erwünscht

Die Baruther Festivalmacher sehen ihr Vorhaben als eine gute Ergänzung zu anderen Musikfesten in der Region. „Wir wollen Aufmerksamkeit für wichtige kulturelle und kirchliche Orte schaffen. Unser Festival soll stetig und organisch wachsen. Die Gemeinschaft der Menschen steht dabei im Mittelpunkt“, sagt der 44-jährige Kulturmanager. Zudem soll der Benefizcharakter beibehalten werden. So werden die Zuhörer selbst bestimmen können, welche Spenden sie für die Konzerte geben – und die Einwohner der Festivalorte werden entscheiden, in welches Dorfprojekt die „Eintrittsgelder“ fließen. „Deshalb sind auch noch Spender im Vorfeld des Festivals willkommen“, lautet die Botschaft der Initiatoren. Für sie bedeuten die kommenden Monate noch viel Arbeit, um den Landkreis Bautzen zum Klingen zu bringen.

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Bewerbungen für das Hauskonzert bitte an: [email protected]

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