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Kamenz: Haustür-Service statt Grill-Party

Einem Eventmanager brechen die Termine weg, ein Fleischer spürt Einbußen im Geschäft. Ihre neue Idee hilft vor allem den älteren Kunden.

Manuel Terne bringt Bernd Eichler das Essen an die Tür.
Manuel Terne bringt Bernd Eichler das Essen an die Tür. © Matthias Schumann

Kamenz. Manuel Terne muss dieser Tage manchmal ein bisschen warten an der Haustür seiner Kunden.  Zweimal klingeln ist normal. Das stört ihn aber nicht. Er hat ja Zeit in der Krise. Und die Sonne scheint.  Dem Kamenzer Eventmanager und Chef eines Grillservice sind aktuell  Dutzende Termine weggebrochen - angefangen von Walpurgis, das derzeit vakant ist,  übers Pulsnitzer Stadtfest bis hin zu privaten Buchungen.

Eigentlich sollte sein neues Grillmobil im Frühjahr losrollen. Doch die Pläne sind allesamt eingefroren. Terne muss sich kümmern. Daheim herumsitzen und Däumchen drehen, ist keine Option. Außerdem gibt es da ja noch die Zusammenarbeit mit Frank Rost, dem Inhaber der Kamenzer Fleischerei Kretzschmar. 

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Händler ganz aus der Nähe trotzen mit spannenden Ideen der Krise. Überraschungen und Überraschendes! Unser Newsblog:

Zusammen haben die Beiden letztes Jahr den "Lausizzgriller", eine besondere Bratwurst, kreiert. Und wollten eigentlich damit gerade voll in die Vermarktung gehen. Das muss nun ein bisschen warten. Kommt Zeit, kommt  wieder Freiheit. Kommen Grillabende und Stadtfeste, Partys und mehr Freude am Genuss. Hoffentlich.

Durststrecke mit neuen Ideen überstehen

Nun gilt es für die Beiden erst einmal, eine Durststrecke zu überstehen. Wie für die anderen Kollegen in der Branche auch. Fleischermeister Frank Rost verzeichnet  momentan zehn Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr.  Viele Stammkunden kommen nicht mehr zum Einkaufen in den Laden an die Nordstraße. Vor allem die älteren.  

Ansonsten laufe alles geregelt und ohne große Vorkommnisse ab. Die Kundschaft sei froh, dass noch geöffnet ist, an die  Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen würden sich alle halten, ohne zu murren. Doch der Verlust muss kompensiert werden. Vor allem, weil keiner weiß, wie lange die Krise anhält. 

Deshalb lautet die Mission ab sofort: Den Kunden frische Ware der Fleischerei bis nach Hause liefern. In dieser Woche ist der Testlauf gestartet. Und Bernd Eichler an der Hoyerswerdaer Straße war der erste Testkunde. Der Frührentner ist nicht so schnell mit seinem Rollator. Die wenigen Schritte zur Wohnungstür fallen dem 63-Jährigen schwer. Vor anderthalb Jahren hatte er einen schweren Schlaganfall. Seitdem ist er gehandicapt. Und kommt - wenn überhaupt - nur noch ein paar Meter die Straße entlang hinaus an die frische Luft.  

"Ich habe im Internet von dem Lieferangebot erfahren und war sofort begeistert", sagt er. Früher war er Stammkunde in der Fleischerei Kretzschmar, kam regelmäßig und versorgte auch schon mal seine Eltern mit. Doch seit seiner Erkrankung war das Geschichte. "Mir hing die eingepackte industrielle Wurst schon lange zum Hals raus", sagt er. Doch er hatte niemanden, der ihm einmal einen Einkauf erledigen konnte. Insofern spielt die Corona-Krise dem Senior also quasi in die Hände.

Auch der Online-Handel boomt

Manuel Terne schafft den Beutel mit den frischen Waren bis in die Küche von Bernd Eichler. Natürlich alles auf Abstand und frisch desinfiziert. Schließlich möchte man nichts einschleppen. Der Kunde gehört zur Risikogruppe. Doch ein paar nette  Worte können schon noch schnell gewechselt werden, während der Rentner das Geld heraussucht. 

Ab einem Mindestbestellwert von 30 Euro wird kostenlos geliefert. Beim Fleischer eigentlich nicht schwer, das zusammen zu bekommen. Schließlich kann man aus dem kompletten Sortiment auswählen. "Wir haben ja nicht nur die berühmten Kamenzer im Angebot", sagt Manuel Terne. Aber gerade auf diese freut sich Bernd Eichler heute besonders. Und auf den frischen Hackepeter. Aus der Tüte duftet es verführerisch. 

Dass momentan auch der Online-Handel der Fleischerei noch mehr als sonst floriert, ist für den Inhaber erfreulich. "Wir sehen auch immer öfter, dass Kunden aus der näheren Umgebung über diese Plattform etwas bestellen. Das ist sehr gut, doch vielleicht wären sie besser bei unserem neuen Lieferservice aufgehoben", meint Terne. Der muss sich allerdings noch herumsprechen. "Wir hatten die Idee letzte Woche, haben Hals über Kopf Flyer gedruckt und sind erst einmal über die sozialen Medien in die Werbung gegangen. Jeder Tag bringt zurzeit ja etwas Neues mit sich. Man muss schnell reagieren, wenn man mithalten will." 

Und das wollen die beiden Männer unbedingt. Frank Rost und Manuel Terne bleiben am Ball. Oder an der Wurst. Wenn bald die Grillsaison startet, werden die beiden zur Stelle sein. "Grillen kann man ja auch gemütlich allein daheim mit der Familie. Viele werden sich in den nächsten Wochen auf die einfachen Dinge besinnen. Und die Zeit mit Schönem füllen. Es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig. Und dann liefern wir natürlich auch das Grillgut , wenn gewünscht. Anruf genügt", verspricht Manuel Terne.  

Dass mittlerweile bereits einige Schlachthöfe den Betrieb und die Lieferung von Fleisch eingestellt haben, macht hingegen ein klein wenig Sorgen. Noch sieht die Lage hierzulande aber nicht kritisch aus. Alle hoffen, dass sich in den nächsten Wochen alles entspannen wird. Auch Bernd Eichler, der die Neuigkeiten daheim am Fernseher mitverfolgt. "Für mich wäre es natürlich auch super, wenn ich nach Corona weiterhin beliefert werden könnte", sagt der 63-Jährige. 

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