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Wie der Zufall half

Verkleidungen mit Gipsplatten waren in den 1960er- und 1970er-Jahren angesagt. Aber das Material ist sehr spröde.

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© André Wirsig

Monolithische Unterhangdecken aus Gips sind ein typisches Kind der Bauzeit des Dresdner Kulturpalasts. Klar, dass der Denkmalschutz darauf bestand, dass diese handwerklich gefertigten Platten von 60 mal 60 Zentimetern Größe auch nach dem Umbau wieder an den Decken der Foyers zu sehen sind. Doch das spröde Material zerbröselte, an einen Erhalt war nicht zu denken. Auch ein Versuch, Platten neu zu gießen und die typischen kleinen Quadrate hineinzufräsen, scheiterte.

Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack hatte sich für einen Zuschuss für diese Decken starkgemacht. So übergab der sächsische Innenminister im Dezember 2013 einen Scheck über eine Million Euro Fördermittel für die Gipsdecken. Und dann spielte auch noch der Zufall mit. Den Innenausbau des Kulturpalasts hat die Lindner Group übernommen. Deren Oberbauleiter Torsten Horst war zu DDR-Zeiten Stuckateur. Ein Zeitungsausschnitt von 1985 zeigt ihn als Lehrling beim Arbeiten an einer Decke.

Torsten Horst fragte bei seinen früheren Kollegen, ob diese helfen konnten, leider ohne Erfolg. Als er schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, kam er bei einem Kaffee in Potsdam ins Gespräch. Die Lindner-Gruppe baute damals auch das Museum Barberini. Und siehe da, Scherf hatte in einer Garage noch zwei Originalformen. Diese waren zwar leicht verworfen, doch bereits die Probegüsse überzeugten Bauleute, Architekten und Denkmalschützer gleichermaßen. So wurden Gießformen nach dem Originalmuster gefertigt. „Da sich die Vorschriften geändert hatten, mussten die Platten neu getestet werden. Sie brachen erst bei der 13-fachen Belastung, eine vierfache hätte ausgereicht“, erzählt Torsten Horst. Stefan Scherf wiederum ging nicht wie geplant in Rente, sondern machte das Gießen der neuen Decken zur Chefsache.

Die Decke im Originalmuster hatte zur Folge, dass auch 1 400 kupferfarbige Leuchten nachgebaut wurden. Ursprünglich war nur ein Viertel der Lampen geplant. (kle)

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