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Wilsdruff soll mehr für Radfahrer tun

Stadtrat Ronny Haupt sieht Nachholbedarf. Diesen sehen auch andere, allerdings wollen sie andere Wege gehen.

Ronny Haupt steht mit dem Rad auf dem Marktplatz in Wilsdruff. Er beklagt, dass es in der Stadt keine oder nur wenige Radwege gibt. Gerade in der Altstadt sei das ein Problem, da aus den Gassen kommende Fahrzeuge, ihn schnell übersehen.
Ronny Haupt steht mit dem Rad auf dem Marktplatz in Wilsdruff. Er beklagt, dass es in der Stadt keine oder nur wenige Radwege gibt. Gerade in der Altstadt sei das ein Problem, da aus den Gassen kommende Fahrzeuge, ihn schnell übersehen. © Daniel Schäfer

Ronny Haupt erledigt viele Wege mit dem Rad. Ganz ungefährlich ist das nicht. Denn in den Ortschaften in und um Wilsdruff gibt es nur wenige Radwege. Der Grumbacher möchte das nicht weiter hinnehmen, sondern dass die Stadt das Radfahren sicherer macht. Haupt, der Stadtrat mit dem Mandat der Grünen ist, brachte deshalb dort einen Antrag ein. Demnach sollte Wilsdruff ein Radwegekonzept erarbeiten lassen und auf dessen Grundlage Radwege gebaut und andere Veränderungen vorgenommen werden sollen.

Haupt begründete seinen Vorstoß nicht mit seinem persönlichen Empfinden. Den Anstoß gab eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), bei der Wilsdruff nur durchschnittlich abschnitt. Viele Teilnehmer der nicht repräsentativen Studie - es nahmen 54 Wilsdruffer teil, die Stadt hat 14.600 Einwohner - sahen so wie Haupt ein deutliches Verbesserungspotential. Ziel sollte es sein, dass das Fahrrad nicht nur als Sportgerät oder Fortbewegungsmittel in der Freizeit genutzt wird, sondern auch für Pendelfahrten oder andere Wege des Alltags.

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Zahl der Radfahrer wird zunehmen

57 Prozent der Teilnehmer in Wilsdruff gaben an, dass Radfahren im Stadtgebiet eher gefährlich ist. Haupt ist sich sicher, dass diese Zahl zunehmen könnte. Denn es gibt einen Trend, dass immer mehr Menschen aufs Rad steigen.

Ursache sei zum einen die Zunahme der Bevölkerung und zum anderen die wachsende Schülerzahl. Letztere sei auf das Gymnasium zurückzuführen, das vor knapp einem Jahr am neuen Standort in Wilsdruff eröffnet wurde und nun Jahr um Jahr mehr Schüler aufnehmen wird. In den nächsten 4,5 Jahren werde sich die Schülerzahl am Gymnasium verdoppeln, rechnet Haupt vor. Derzeit besuchen das Gymnasium 226 Schüler.

Ronny Haupt fährt mit dem Rad auf der Dresdner Straße in Wilsdruff. Ihm kommen sonnst zahlreiche Fahrzeuge entgegen und es herrscht wenig Platz auf der Straße.
Ronny Haupt fährt mit dem Rad auf der Dresdner Straße in Wilsdruff. Ihm kommen sonnst zahlreiche Fahrzeuge entgegen und es herrscht wenig Platz auf der Straße. © Daniel Schäfer

Deshalb warb Haupt für ein Radverkehrskonzept. Mit diesem können entsprechende Instrumente entwickelt werden, um den Radverkehr zum einen sicherer zu machen aber auch die begleitende Infrastruktur zu schaffen, die das Fahrrad im Alltag besser und einfacher nutzbar machen, erklärte der Grünen-Abgeordnete. Finanziert werden sollte das Konzept aus dem Budget, das für den Radwegbau vorgesehen ist.

Geteiltes Echo im Stadtrat

Das Echo im Stadtrat war geteilt. So gab es durchaus Zustimmung für den Vorstoß. So sieht auch Stadtrat Ludwig Hahn (CDU) an einigen Stellen Nachholbedarf. Das wollte Bürgermeister Ralf Rother (CDU) nicht bestreiten. Zwar habe man schon vor Jahren ein Konzept erarbeiten lassen. Doch das beschäftigte sich mit dem Radwegebau zwischen den Ortschaften und war eher auf den Fahrradtourismus fokussiert. Hier sei man auch gut vorangekommen. Deshalb habe Wilsdruff nach seiner Einschätzung im Vergleich zu den Nachbarkommunen im ADFC-Test am besten abgeschnitten.

Doch es gab auch Kritik: Matthias Schlönvogt (Freie Wähler) machte kein Hehl daraus, dass er nichts davon halte, ein weiteres Konzept erarbeiten und finanzieren zu lassen. Fast jeder in der Runde kenne die Schwachstellen, sagte der Wilsdruffer. Anderes würden Experten auch nicht zutage fördern. Mario Gnannt (CDU), der selbst aktiv im Sport und Vorsitzender der SG Motor Wilsdruff ist, erklärte, dass er selbst viele Ideen habe, wie das Radfahren attraktiver werden könnte.

Auch Steffen Christof (AfD) sprach sich gegen das Konzept aus. Konzepte seien gut, aber nur für die, die es machen und dafür bezahlt werden, erklärte der Stadtrat aus Herzogswalde.

Arbeitsgruppe soll Vorschläge machen

Haupt wollte sich nicht geschlagen geben. Er verwies darauf, dass man den Bau von Radwegen nur gefördert bekommt, wenn man ein entsprechendes Konzept vorlegen könne. Rother bestätigte das. Trotzdem sprach sich eine Mehrheit gegen den Beschlussvorschlag von Ronny Haupt aus. Nur drei der 23 Stadträte waren dafür, vier enthielten sich der Stimme.

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Ganz ohne Folgen blieb Haupts Antrag aber nicht. Rother schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich die Radwege in den Ortschaften und die von Radfahrern benutzten Wege näher anschauen solle. Vielleicht gelingt es ohne Fachbüro ein Konzept zu erarbeiten. Falls nicht, könnte man über Haupts Vorschlag noch mal diskutieren.

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