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Wilsdruff: Förderverein wartet auf Teil der Riesenantenne

Wilsdruff trauert um sein Wahrzeichen. Der Förderverein schaut nach vorn und plant weiter an einem Denkmal.

Diese drei haben bis zum Ende für den Erhalt des Sendemastes gekämpft: Jürgen Juhrig vom Technikverein, Sabine Neumann vom Förderverein Funkturm und Wolfgang Lill aus Pirna (von links).
Diese drei haben bis zum Ende für den Erhalt des Sendemastes gekämpft: Jürgen Juhrig vom Technikverein, Sabine Neumann vom Förderverein Funkturm und Wolfgang Lill aus Pirna (von links). © Sabine Neumann

Sabine Neumann kann es immer noch nicht fassen. Der Turm, um den sie so lange gekämpft hat, steht nicht mehr. Besonders am Morgen vermisst sie den Sendemast, den sie liebevoll Bleistift genannt hat. "Wenn ich früh das Rollo hochzog, blinkte er", sagt die Limbacherin. Nun ist es am Morgen über der Birkenhainer Höhe dunkel.

Das Wunder, auf das die Vorsitzende des Fördervereins Funkturm Wilsdruff und andere gehofft haben, ist ausgeblieben. Schneller als zuletzt gedacht, hat die Media Broadcast den Turm umgelegt. Geschehen ist das am Sonntag.

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Alle Mühen, den Sendemast zu retten, scheinen umsonst gewesen zu sein, die Unterschriftenaktion, die Gründung eines Fördervereins und die vielen Gespräche mit Entscheidern und Politikern. Ein Trost: "Der Funkturm hat sich gewehrt, wollte nicht gleich beim ersten Mal umfallen", sagt sie. Denn die Sprengung missglückte. Die von der Media Broadcast beauftragte Firma musste mechanisch nachhelfen.

Das Interesse der Wilsdruffer am Turm und dessen Sprengung sei riesig gewesen. Das habe sie auch am Montag gespürt. "Ich wollte Zeitungen kaufen, die über den Abriss berichten. Am Nachmittag waren die ausverkauft", berichtet sie. Verwundert war sie, dass sich Bürgermeister Ralf Rother (CDU) zu der missglückten Sprengung nicht geäußert hat, sagt sie. Zumindest auf Facebook hätte er sich äußern können.

Auf Anfrage von Saechsische.de äußert sich der Rathauschef: "Leider konnte ich bei diesem traurigen Ereignis urlaubsbedingt nicht dabei sein." Er habe aber die Live-Mitschnitte angesehen. "Es macht mich betroffen, dass unsere einstimmige Ablehnung zum Abrissantrag nichts geholfen hat. Wilsdruff hat ein bedeutendes technisches Denkmal und eine lieb gewordene Landmarke verloren."

Andreas Clausnitzer, Beigeordnete im Rathaus, schaute der Sprengung zu. "Auch ich war traurig", sagt er. "Ich bedauere, dass es uns nicht gelungen ist, den Turm zu erhalten." Seit Kindesbeinen habe dieser die Menschen in der Region begleitet. "Er war das Wahrzeichen von Wilsdruff."

Doch bei aller Emotionalität müsse man auch der Realität in die Augen schauen. Es gab drei Eigentümer, einem gehörte der Turm, dem anderen das Haus und dem dritten das Gelände. Das sei eine ungünstige Konstellation. Nicht zu vergessen seien die Unterhaltungs- und Instandhaltungskosten. Diese müsse man zur Kenntnis nehmen und nicht einfach abtun. "In den letzten Jahren ist es leider nicht gelungen, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten", sagt der Beigeordnete.

Und wie geht es jetzt weiter? Trotz der Trauer und Wut schaut die junge Frau nach vorn. Mit einem Teil des Sendemasts soll ein Denkmal entstehen. Es soll im Stadtgebiet aufgestellt werden. "Wir haben schon einige Ideen, wo das geschehen könnte", sagt Sabine Neumann. Vorzugsweise sollte er so aufgestellt werden, dass er auch von der Autobahn zu sehen ist. Ob es gelingt, so einen Standort zu finden, hänge auch von der Stadt und dem Stadtrat ab. Erste Kontakte dazu gab es zum Rathaus bereits.

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Offen ist noch, wann der Förderverein Funkturm Wilsdruff einen Teil des Sendemastes übernehmen kann. Sabine Neumann möchte das gern schriftlich haben. Hat sie das Dokument dann in der Hand, würde sie das zehn Meter lange Teil abholen lassen. Es gibt schon einen Lkw-Fahrer, der das tun möchte und eine Firma, die die Technik dafür bereitstellen würde. Noch liegt das Teil auf dem Gelände des früheren Senders.

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