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Der Wilsdruffer Akkordeon-Experte

Auf der Dresdner Straße in Wilsdruff hat Daniel Thierbach eine Werkstatt geöffnet. Aus dieser soll in naher Zukunft noch etwas mehr werden.

Daniel Thierbach hat in Wilsdruff eine Akkordeon-Werkstatt eröffnet. Hier werden die Musikinstrumente repariert, gestimmt und wieder aufbereitet.
Daniel Thierbach hat in Wilsdruff eine Akkordeon-Werkstatt eröffnet. Hier werden die Musikinstrumente repariert, gestimmt und wieder aufbereitet. © Daniel Schäfer

Außen wirbt noch ein Schriftzug für Schuhmoden. Doch wer durchs Schaufenster lugt, sieht Akkordeons und einen jungen Mann, der das Ladengeschäft komplett umgebaut hat. Der junge Mann heißt Daniel Thierbach, ist 32 Jahre alt und voller Tatendrang. Er hat sich in Wilsdruff auf der Dresdner Straße eine Werkstatt eingerichtet.

In den letzten Wochen hat er hier viel Zeit und Arbeit reingesteckt. Fast alles hat er selbst gebaut. Entstanden sind drei Arbeitsplätze. An dem einen baut er die Instrumente auseinander, auf dem anderen stimmt er sie und am dritten repariert und klebt er.

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Dabei ist Können gefragt. Am Akkordeon wird eine Vielzahl von Materialien verbaut. Sie bestehen aus Holz, Metall, Kunststoffen, Pappe, Leder und Bienenwachs. Und noch etwas ist ungewöhnlich. "Damit kann man jedes Musikgenre spielen", sagt Daniel Thierbach. Das Instrument passt zum Folk, zu Shanty und zu Filmmusiken. Man kann damit am Lagerfeuer, aber auch in Konzerthallen spielen. "Es kann eine kleine Band ersetzen." Er selbst spielt am liebsten Irish Folk und französische Musik.

Schon als kleiner Junge Akkordeon gespielt

Bereits als kleiner Junge hat er sich für das Akkordeon begeistert. Es waren weder die Großeltern, noch die Eltern, sondern einige seiner Mitschüler, die dieses Instrument gespielt haben. In der Grundschule nahm Daniel Thierbach, der seine ersten Lebensjahre in Dresden verbrachte und 1998 mit der Familie nach Wilsdruff gezogen ist, Musikunterricht. Diesen hat er bis zum Ende seiner Schulzeit besucht.

Nach der Realschule ging er nach Klingenthal ins Vogtland, um dort sein Hobby zum Beruf zu machen. Daniel Thierbach ließ sich an der dortigen Berufsfachschule zum Akkordeonbauer, oder wie es korrekt heißt, zum Handzuginstrumentenmacher, ausbilden.

Auch im Vogtland spielte er privat Akkordeon - er schloss sich dem Klingenthaler Stadtorchester an. 2008 beendete er seine Lehre als Geselle und wechselte nahtlos zum renommierten Akkordeon Centrum Brusch nach Berlin. Es ist das größte Akkordeon-Haus Deutschlands und hat die größte Auswahl an Akkordeons, sagt der Wilsdruffer. Dort fühlte er sich sehr wohl. "Ich konnte mich gut über Akkordeons informieren, da ich jedes Instrument auch vorführen und damit selbst spielen konnte."

Glücksfall Berlin

Dass es ihn dorthin verschlug, sei ein Glücksfall gewesen, findet der junge Mann. Denn die Arbeit im Drei-Mann-Geschäft war vielfältig - sie reichte vom Verkauf über die Beratung, Reparatur bis hin zur Buchhaltung. "Das war fast wie eine zweite Ausbildung." Trotzdem hat er das Geschäft 2014 verlassen - der Liebe wegen.

"Ein Jahr hatten meine jetzige Frau und ich versucht, in Berlin zu leben." Doch das Leben in der Großstadt fanden sie nicht sympathisch - deshalb ging das Paar zurück auf Land. Es zog in die Dietrichmühle in Helbigsdorf. Von dort stammt auch seine Frau. Daniel Thierbach überlegte, wie es beruflich weitergehen könnte. Er fasste Mut und eröffnete in den Räumen seines Schwiegervaters eine Akkordeon-Werkstatt. Um diese bekannt zu machen, wandte er sich an Orchester und deren Dirigenten in der näheren Umgebung, nahm eine Homepage in Betrieb. Und er hoffte auf die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Letztlich wurde er überrascht. "Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen, um ihr Akkordeon von mir reparieren zu lassen." Weil die Mühle so versteckt im Wald steht, musste er manchen telefonisch hinleiten. Doch das war nicht der Grund, von dort wegzugehen. Es war vielmehr die Größe der Werkstatt. Sie war nur 30 Quadratmeter groß und ließ sich nicht vergrößern. Deshalb schaute er sich in Wilsduff um.

Hier wurden in jüngster Zeit einige Geschäfte frei. Beraten wurde er von seiner Mutter, die hier auch einen Laden betreibt. Und so kam er zum Schuhgeschäft von Siegfried Sauter. Dieser hatte es Ende 2020 aus Altergründen aufgegeben und war bereit, seine Geschäftsräume zu vermieten. "Wir wurden uns schnell einig", erinnert sich Daniel Thierbach.

Mehr Platz in Wilsdruff

Nun stehen ihm 75 Quadratmeter mitten in der Stadt zur Verfügung. Diese möchte der junge Mann nutzen, um seine kleine Ein-Mann-Firma zu erweitern. Vorerst wird er sich auch weiterhin darauf konzentrieren, Akkordeons, Harmonikas, Concertinas und Bandoneons zu reparieren. Damit hat er gut zu tun. Schließlich sollte jedes Akkordeon nach fünf bis zehn Jahren gestimmt werden. In größeren Abständen sind Generalüberholungen fällig, da im Inneren Wachs und Leder verbaut sind. Diese Materialien werden alt, trocknen aus und werden spröde.

Ein Check kostet 25 Euro. Entschließt man sich, das Instrument reparieren zu lassen, verrechnet der Wilsdruffer den Betrag. Wer sein Akkordeon einer Generalüberholung unterziehen möchte, sollte bei kleinen mit 500 Euro und bei großen mit Kosten von rund 700 Euro rechnen. Es ist sehr viel Handarbeit notwendig, sagt der Akkordeonbauer. Jeder Ton wird einzeln gereinigt. Deshalb dauert eine umfängliche Reparatur zwischen sechs und acht Wochen.

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Daniel Thierbach prüft, stimmt und repariert die Instrumente in Helbigsdorf. Er kennt auch die Musikszene in Berlin.

Erfüllen sich seine Erwartungen, möchte Daniel Thierbach seine Werkstatt zu einem Ladengeschäft mit Werkstatt umgestalten. Er freut sich darauf. "Ich habe gern Kontakt zu Menschen." So schön die Zeit in Helbigsdorf auch war, die Atmosphäre, die ein Laden ausmacht, habe ihm schon ein bisschen gefehlt, sagt er. Ein kleiner Anfang ist gemacht: Schon jetzt verkauft Daniel Thierbach einige gebrauchte Akkordeons, die er restauriert und gestimmt hat. Und eine Verkaufstheke gibt es auch schon.

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