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Wilsdruff: Tempo 30 auf der S36

Das Landratsamt Pirna reagiert auf die Staus auf der Autobahn. Auf den Ortsdurchfahrten Wilsdruff und Limbach gelten neue Vorschriften.

Auf der Nossener Straße in Wilsdruff fahren immer mehr Schwerlastfahrzeuge. Nun macht das Landratsamt die Strecke unattraktiver.
Auf der Nossener Straße in Wilsdruff fahren immer mehr Schwerlastfahrzeuge. Nun macht das Landratsamt die Strecke unattraktiver. © Lutz Kühne

Stau in Wilsdruff und Limbach. Immer wieder war diese Nachricht in jüngster Zeit im Verkehrsfunk zu hören. Genervt waren nicht nur die, die in den Autos und in den Lkws saßen, sondern auch die Wilsdruffer und Limbacher. Denn stundenlang ging nichts in den beiden Orten.

Ausgelöst wurden die Staus durch die nahe Autobahn A4 und die dortigen Unfälle und Staus. Das veranlasste viele - vor allem Schwerlaster - auf die Nebenstrecken auszuweichen.

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Die wichtigste Ausweichstrecke ist die S 36, die durch Limbach und Wilsdruff führt. Da die Vorfälle in letzter Zeit dramatisch zunahmen, sei diese Situation nach Einschätzung des Landratsamtes "kein Ausnahmezustand". Das "drastisch erhöhte Verkehrsaufkommen" habe zu einer "andauernden Belastung der Anwohner" geführt, teilt Sprecherin Maria Ehlers mit. Deshalb möchte das Landratsamt Pirna die Staatsstraße nun unattraktiver machen. Ab sofort gilt in den Ortsdurchfahrten Wilsdruff und Limbach Tempo 30.

An normalen Tagen ist es einfach, die Nossener Straße zu überqueren. Wenn aber Lkws dicht an dicht stehen, haben die Schüler ihre Probleme.
An normalen Tagen ist es einfach, die Nossener Straße zu überqueren. Wenn aber Lkws dicht an dicht stehen, haben die Schüler ihre Probleme. © Archivfoto: Frank Baldauf

Damit werde die Verkehrssicherheit gewährleistet, teilt das Landratsamt mit. Zudem werde es für Schüler leichter, die Straße zu überqueren. Mit dem Tempolimit wolle man den "fast täglich bei der Verkehrsbehörde eingehenden Beschwerden" der Anwohner über die unzumutbaren Verhältnisse Rechnung getragen.

Anwohner haben darauf schon lange gewartet

Das Tempolimit gilt ab sofort. Mitarbeiter der Straßenmeisterei Freital haben am Freitag begonnen, die entsprechenden Schilder in Wilsdruff und Limbach zu montieren.

Lutz Kühne, der direkt an der Nossener Straße wohnt und von saechsische.de vom Tempolimit erfahren hat, ist begeistert: „Das ist eine gute Nachricht“, sagt er. Auf diese habe er schon lange gewartet. In den Orten im benachbarten Landkreis Meißen gibt es dieses Tempolimit bereits.

Die Zustände auf der Straße, die direkt an seinem Wohnhaus vorbeiführt, ärgern ihn schon lange. Vor allem nachts. Dann rasten die Schwerlaster auf der Nossener Straße auf die Innenstadt zu. Da sie am Gasthaus Amtshof nach links abbiegen müssen, müssen sie bremsen. Und dann wird es laut. Es sei unerträglich. „Unser Schlafzimmer befindet sich neben der Nossener Straße.“

Bürgermeister Rother: “Es ist ein unerträglicher Zustand"

Kühne ist nicht der einzige, der sich über den Schwerlastverkehr ärgert. Auch seine Nachbarn tun es. Allerdings haben die schon resigniert. Trotz Protesten ist bisher noch nichts passiert. Kühne ist kurz davor, aufzugeben. Denn er hat schon viele angeschrieben, den Landrat, den Bürgermeister, verschiedene Ämter. Getan hat sich nichts. Das Tempolimit ist ein erster Schritt. „Nun müsste noch ein Lkw-Fahrverbot dazukommen“, sagt er. Ausnahmen sollte es für den regionalen Lieferverkehr geben.

Anwohner Lutz Kühne ist froh, dass es nun ein Tempolimit auf der Nossener Straße in Wilsdruff gibt. Dessen Einhaltung müsse nun aber auch kontrolliert werden, fordert er.
Anwohner Lutz Kühne ist froh, dass es nun ein Tempolimit auf der Nossener Straße in Wilsdruff gibt. Dessen Einhaltung müsse nun aber auch kontrolliert werden, fordert er. © Daniel Schäfer

Für Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) ist das Tempolimit, für das er sich gemeinsam mit dem Landratsamt eingesetzt hat, ein erstes wichtiges Signal. „Jetzt müssen noch sichere Überwege folgen und die Geschwindigkeit kontrolliert werden.“ Allerdings werde das nicht die Probleme lösen. „Was wir dringend brauchen, ist die Entscheidung, den Schwerlastverkehr gar nicht erst von der Autobahn runterzulassen. Die Autobahn gehört nicht in die Stadt und unsere Ortsteile!“

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Es sei nicht nur der Lärm und die Abgase, die nerven. Es sind auch die zugestellten Zufahrten. Pflegedienste, die nicht zu ihren Klienten können und diese zu Fuß aufsuchen müssen. Auch die Gewerbetreiben und Händler büßen ein, weil sie nicht erreichbar sind, so Rother. “Es ist ein unerträglicher Zustand. Der Transitverkehr muss auf der Autobahn bleiben“, so der Rathauschef.

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