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Tracetronic baut groß an

Dresdner Auto-Softwareexperten stellen kräftig neue Mitarbeiter ein. Das erfordert ein neues Firmengebäude. Jetzt war Grundsteinlegung.

Peter Strähle (l-r), Geschäftsführer der TraceTronic GmbH, Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, und Dirk Hilbert (FDP), Oberbürgermeister der Stadt Dresden, schütten bei der Grundsteinlegung für den Erweiterungsgebäude der Firma Be
Peter Strähle (l-r), Geschäftsführer der TraceTronic GmbH, Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, und Dirk Hilbert (FDP), Oberbürgermeister der Stadt Dresden, schütten bei der Grundsteinlegung für den Erweiterungsgebäude der Firma Be © dpa-Zentralbild

Bei allem, was im Auto mit Software zu tun hat, haben die Mitarbeiter von Tracetronic ihre Finger im Spiel. Wenn die großen Autohersteller Motorsteuerung, Navigation oder Fahrerassistenzfunktionen testen lassen, greifen diese oft auf die Software-Werkzeuge der Dresdner Firma zurück. Sie sind bei rund 150 Kunden in 30 Ländern im Einsatz, unter anderem auch bei den amerikanischen Tech-Giganten wie Google und Amazon, die selbst Fahrzeuge entwickeln. „Software aus dem Silicon Saxony für Autos im Silicon Valley“, sagt Geschäftsführer und Mitgründer Rocco Deutschmann stolz.

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Mit drei Mitstreitern hat er 2004 das Unternehmen gegründet. Jetzt platzt es aus allen Nähten – was die Firmenfläche betrifft. Trotz Corona wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres 25 neue Kollegen und Kolleginnen eingestellt. Ihre Arbeitsplätze mussten erst einmal in Bürocontainern untergebracht werden. Aber nicht auf Dauer.

Dachterrasse statt Pool

Am Donnerstag feierte Tracetronic die Grundsteinlegung für das neue Erweiterungsgebäude im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee in Anwesenheit von Wirtschaftsminister Martin Dulig und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. 22 Millionen Euro investieren die Dresdner in einen 6600 Quadratmeter großen modernen Gebäudekomplex mit fünf Etagen, gefördert durch das Land Sachsen. Es bietet Platz für 350 Arbeitsplätze. Jeder Mitarbeiter konnte sich an der Planung des neuen Firmengebäudes beteiligen. Deutschmann hatte sich einen Pool auf dem Dach gewünscht, „doch der wurde gestrichen, die Statik erlaubt es nicht“, betonte er. Stattdessen wird es eine begrünte Dachterrasse geben, ein eigenes Fitnessstudio und ein Volleyballfeld.

Tracetronic legt viel Wert darauf, dass sich die Beschäftigten bei der Arbeit wohl fühlen. Denn die Firma braucht weiter Fachkräfte, will sie sich auf dem dynamisch wachsenden Markt für Auto-Software weiterhin so erfolgreich behaupten. 90 Prozent aller Innovationen in neuen Fahrzeugen basieren auf Software und Halbleitern. Waren im Jahr 2010 zehn Millionen Zeilen Programmcode notwendig, sind es jetzt 100 Millionen Zeilen Code. Und für das autonome Fahren wird noch einmal mindestens das Vierfache an Software notwendig sein.

Zahlreiche Stellen ausgeschrieben

40 offene Stellen gilt es momentan bei Tracetronic zu besetzen. Gesucht werden Absolventen aller technischen Studiengänge wie Informatik, Elektrotechnik und Mechatronik. „Aber auch, wenn man aus der Mathematik oder Physik kommt, findet man uns eine schöne Spielwiese, um sich auszutoben“, so Deutschmann. Er und sein Führungsteam haben die Zahl der Beschäftigen allein in den letzten vier Jahren von 150 auf derzeit 300 verdoppelt. Sechs Standorte gibt es weltweit. Das jüngste Büro wurde während der Corona-Pandemie in Seoul eröffnet, um den koreanischen Markt zu erobern, „und das, ohne ein einziges Mal in den letzten zwei Jahren nach Korea geflogen zu sein“, sagt der Geschäftsführer.

Tracetronic bietet aber nicht nur Fitness-Studio und Cafeteria, um im Wettbewerb um die besten Köpfe mit den Großen in der Automobilbranche zu bestehen. „Bei uns steht das Miteinander im Mittelpunkt. Im Job verbringt man einfach viel Zeit miteinander. Deshalb haben wir eine gemeinsame Wohlfühloase – unseren Ponyhof – geschaffen und diesen zu gestalten und zu pflegen, liegt allen Kolleginnen am Herzen“, betont der Geschäftsführer.

Für den Einzelnen gebe es viel Raum und Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Jobs. Entscheidungen würden schnell getroffen werden und Mitarbeiter könnten mitgestalten, müssten aber auch Verantwortung übernehmen, beschreibt er die Unternehmenskultur. Das gilt auch für das neue Firmengebäude. „Wir haben gefragt, wie das Gebäude sein muss, damit die kreative Arbeit bestmöglich unterstützt wird“, so Deutschmann. Dazu gehöre nicht nur der obligatorische Tischkicker. Vielmehr müsste das organisatorische Konzept durch die Architektur gestärkt werden – das bedeute Durchlässigkeit. Man darf gespannt sein. Im Herbst soll Einzug sein. „Und die Einweihungsfeier wird zünftig werden“, verspricht der Chef.

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