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So kaufen die Sachsen heute ein

Ostdeutsche Marken wie Nudossi und Bautz’ner stehen noch immer hoch im Kurs. Doch zurzeit shoppen die Sachsen anders als vor der Pandemie.

Donnerstag und Freitag sind die Haupteinkaufstage in Mitteldeutschland - das ist in anderen Regionen Deutschlands anders.
Donnerstag und Freitag sind die Haupteinkaufstage in Mitteldeutschland - das ist in anderen Regionen Deutschlands anders. © Christian Juppe

Dresden. Die Corona-Pandemie wird vorbeigehen, doch manche Gewohnheiten aus der Corona-Zeit werden wohl bleiben. Insbesondere beim Einkauf im Supermarkt um die Ecke hat die Krise ihre Spuren hinterlassen. 61 Prozent der Sachsen, Thüringer und Sachsen-Anhalter glauben, ihr Konsumverhalten habe sich durch Corona nachhaltig verändert. Das haben MDR Media und das Erfurter Forschungs-Institut IMK in ihrer jährlichen Markenstudie für den mitteldeutschen Raum herausgefunden. Für die Studie wurden 5.000 Konsumenten aus Mitteldeutschland online befragt.

Die Hauptveränderung für die meisten lag in der Zahlungsart. Mehr als jeder vierte Befragte gab an, nun häufiger kontaktlos zu bezahlen. Ein Siegeszug der Kartenzahlung ist das jedoch noch nicht: Immer noch wird in Mitteldeutschland etwas häufiger mit Bargeld als mit EC-Karte bezahlt. Insgesamt geht der Einkauf aber im Durchschnitt schneller vonstatten. Pro Einkauf brauchen die Mitteldeutschen rund 35 Minuten pro Einkauf, das sind zwei Minuten weniger als im vergangenen Jahr.

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Die meisten Mitteldeutschen gehen zweimal in der Woche einkaufen, viele auch nur einmal. Das ist weniger als noch in der Vorjahresstudie, dafür kaufen viele aber gleich in größeren Mengen ein. Besonders voll sind die Einkaufsmärkte am Freitag. In Mitteldeutschland wie auch bundesweit ist das der Haupteinkaufstag, an dem jeder Fünfte seinen Einkauf erledigt. Während im Rest Deutschlands allerdings auch am Sonnabend häufig eingekauft wird, weichen die Mitteldeutschen eher auf den Donnerstag aus, wenn der Freitag nicht passt.

Lebensmittel trotz Corona selten online eingekauft

Während des Corona-Lockdowns bekamen Online-Einkaufsmärkte und Lieferdienste eine besondere Bedeutung - allerdings nur für einen Bruchteil der Bevölkerung. Denn zwei Drittel der Mitteldeutschen haben noch nie online nach Lebensmitteln geshoppt. Das könnte sich ändern: In fünf Jahren wird es vermutlich nur noch ein Drittel sein, das Lebensmittel komplett aus Offline-Märkten bezieht, so eine Prognose in der Studie. Immerhin jeder Vierte könnte sich vorstellen, zumindest Spezialitäten online zu beziehen. Süßwaren, Kaffee, Tee, Gewürze, Saucen und Feinkost rangieren ganz oben bei den Lebensmitteln, die typischerweise online bestellt werden. "Bisher ist der Online-Einkauf aber eher eine Ergänzung des klassischen Einkaufs beim Lebensmittelhändler hier vor Ort", erklärt Sören Schiller, Geschäftsführer des IMK-Instituts und Studienleiter.

Zwar kauft der Großteil der Befragten einfach, was ihnen schmeckt. Gerade in Mitteldeutschland ist aber auch der Preis besonders ausschlaggebend und - anders als im Bundesdurchschnitt - die Regionalität der Produkte spielt eine große Rolle. Immerhin 14 Prozent der befragten Mitteldeutschen greifen seit Corona häufiger zu regionalen Produkten. Ob ein Produkt Bio ist und besondere Siegel in Bezug auf Klima- und Umweltschutz trägt, ist für die Mitteldeutschen allerdings noch irrelevanter als auf Bundesebene. "Regionalität schlägt Bio", fasst Reinhard Hild, Verkaufs- und Kommunikationsleiterin der MDR Media, zusammen. Besonders die Frauen kaufen in dieser Hinsicht gezielt ein, sogar Bonusprogramme ziehen bei ihnen mehr als bei Männern.

Mitteldeutsche Marken gewinnen an Bedeutung

Insgesamt haben viele mitteldeutsche Marken über das letzte Jahr an Bedeutung gewonnen. Hervorzuheben ist die Feinkost-Marke Keunecke aus der Nähe von Quedlinburg in Sachsen-Anhalt, die nach den Kriterien der Studie das stärkste Wachstum hingelegt hat. Die Marke bietet unter anderem Harzer Fleischspezialitäten aus dem Glas, sowie Dosen- und Packungssuppen an. "Es sind die kleinen Marken, die unser besonderes Augenmerk verdienen, weil sie sich ganz besonders entwickelt haben", sagt Reinhard Hild.

Auch sächsische Marken wurden als beste Hersteller in ihrem Segment ausgezeichnet. Darunter unter anderem die Lichtenauer Mineralquellen aus der Nähe von Chemnitz, die Nuss-Nougat-Creme Nudossi aus Radebeul, Teekanne mit Wurzeln in Dresden, der Kartoffelprodukt-Hersteller Friweika aus der Nähe von Glauchau und der Bautz'ner Senf. Letzterer ist in Mitteldeutschland und darüber hinaus nicht nur äußerst bekannt, 62 Prozent der Mitteldeutschen gaben auch an, ihn in den letzten vier Wochen gekauft zu haben.

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Auch bei den Bieren ist ein sächsisches Produkt ganz vorne: Das Radeberger kennen 82 Prozent der Mitteldeutschen, auch bundesweit belegt es immerhin den fünften Platz. Mit ein Grund dafür: Das Radeberger Bier wurde am häufigsten in der Werbung wahrgenommen. Andere Biermarken punkten in anderen Bereichen: Während beim Sternburg-Bier aus Leipzig vor allem der Preis stimmt, ist das Landksron-Bier aus Görlitz für seine gute Qualität und den guten Geschmack bekannt. Das Altenburger wiederum genießt ein hohes Vertrauen bei den Konsumenten. Während die Käufer von Altenburger Bier besonders häufig Radio hören und Fernsehen schauen, sind die Konsumenten von Sternburg-Bier eher in den sozialen Medien zu finden - ein Hinweis auf eine andere Zielgruppe. Sympathiepunkte fliegen dagegen eher den kleineren Biermarken zu, allen voran dem Erfurter "Kulturbier" Schluntz.

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