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Paketdienst Hermes liefert bald per Rad

Eine Leipziger Druckerei produziert Fahrradanhänger für den Paketzusteller Hermes. Doch nicht nur das grüne Gewissen treibt den Lieferdienst aufs Rad.

Hermes-Boten wie Mohamed Alhamoui fahren ab Frühjahr per Rad auf der Straße
Hermes-Boten wie Mohamed Alhamoui fahren ab Frühjahr per Rad auf der Straße © J. Loesel, loesel-photographie.d

Leipzig. Mario Schramm steht vor dem zwei Meter langen Fahrradanhänger. Während er das E-Bike in der Hand hält, erklärt er Hermes-Bote Mohamed Alhamoui die Funktionsweise: "Hier vorne ist die Bremse für den Anhänger und da rechts befindet sich der Blinker." Schramm setzt den Hebel am Lenker nach oben - Der kastenförmige Fahrradanhänger blinkt nach links. Ab Frühjahr will das Logistikunternehmen Hermes mit zwei Fahrradgespannen in Dresden Pakete ausliefern.

Drei Jahre Arbeit hat Mario Schramm in den Anhänger gesteckt, an den Bremsen herumgeschraubt, die Deichsel verbessert, das Achsensystem weiterentwickelt. Eigentlich bedient der gelernte Schlosser in seinem Arbeitsalltag Druckmaschinen für die Leipziger Firma Sedruck. Das Druckgeschäft setzt aber seit ein paar Jahren auf Fahrradanhänger. Warum, das erklärt Sedruck-Vertriebsleiter Julius Schröder: "Da wir schon immer versuchen, unseren ökologischen Fußabdruck gering zu halten, war es uns wichtig, dass wir auch die Transporte zwischen unseren Filialen so umweltfreundlich wie möglich abwickeln."

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Was eine Druckerei und Fahrräder gemein haben

Und aus diesem Grund begab sich die Druckerei vor vier Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Fahrrad. Sie wollten die vielen gedruckten Papiere, Flyer und Plakate klimaneutral durch die Leipziger Innenstadt transportieren. Gefunden haben sie aber keines - Zumindest nicht so kostengünstig und robust, wie es sich die Firma gewünscht hätte.

Aufgeben wollte die Druckerei aber nicht; sie machte sich selbst an die Arbeit. "Auch mit dem Hintergedanken, ein zweites Standbein zur nicht ganz einfachen Druckbranche aufzubauen", sagt Julius Schröder. Seitdem wurde geschraubt und experimentiert - in der gleichen Lagerhalle, wo Druckmaschinen rattern und Bücher gebunden werden. Es entstand die Eigenmarke Greezly, unter welcher derzeit vier verschiedene Fahrradgespanne verkauft werden.

Vor zwei Jahren kam dann eine Anfrage von Hermes: Der Paketdienst will in Dresden den Versuch wagen, per Fahrradgespann Pakete auszuliefern. Seitdem entwickelte Sedruck ein Anhänger-Modell speziell für das Logistikunternehmen.

Die Leipziger Firma Sedruck vertreten durch Julius Schröder übergibt in Dresden zwei Fahrrad-Lastenanhänger an den Subunternehmer Al-Abbas von der Rotana GmbH. Geinsam mit Last-Mile-Manager Martion Jule vom Paketdienst Hermes wollen sie die Zustellung umw
Die Leipziger Firma Sedruck vertreten durch Julius Schröder übergibt in Dresden zwei Fahrrad-Lastenanhänger an den Subunternehmer Al-Abbas von der Rotana GmbH. Geinsam mit Last-Mile-Manager Martion Jule vom Paketdienst Hermes wollen sie die Zustellung umw © J. Loesel, loesel-photographie.d

Fahrräder sind für Hermes günstiger und schneller

Ab Frühjahr soll es losgehen - zwei Fahrradgespanne werden dann durch die Dresdner Innenstadt touren und Pakete ausstellen - zu erkennen am blauen Hermes-Aufdruck. Auch in anderen Städten wie in Leipzig oder Cottbus werden Lastenräder ausprobiert. Die Fahrradanhänger sind aber speziell für Dresden entwickelt. Der Logistik-Manager Martin Jugel erklärt, dass dabei nicht nur die geringere Umweltbilanz eine Rolle spielt: "In den Städten geht die Reise dorthin. Wir brauchen mehr und mehr Sondergenehmigungen für die Innenstädte, um mit unseren Transportern durchzukommen. In Leipzig gehen die Poller ab Mittag hoch - dann ist kein Durchkommen möglich." Martin Jugel arbeitet als Last-Mile-Manager für Hermes. Er ist für die umweltschonende Paketzustellung auf den letzten Kilometern zuständig.

Hermes setzt aber nicht nur auf Fahrräder, das Logistikunternehmen möchte demnächst 1.500 E-Transporter deutschlandweit einsetzen. In Dresden fahren zurzeit 17 der 70 Hermes-Transporter mit Strom, erklärt Khaled Al-Abbas. Er leitet die Firma Rotana GmbH - ein Tochterunternehmen, welches primär für die Hermes-Paketzustellung in Dresden und Görlitz zuständig ist. Das Logistikunternehmen Hermes setzt deutschlandweit auf verschiedene Subunternehmen, wofür es in der Vergangenheit teilweise kritisiert wurde.

50 Zusteller arbeiten für die Rotana GmbH - sie fahren täglich 5.000 Pakete in Dresden aus. Seit der Pandemie hat sich die Auftragslage für Hermes um 20 Prozent verbessert. Doch auch Unternehmer Khaled Al-Abbas merkt, dass im zweiten Lockdown die Sendungen etwas zurückgehen: "Die Leute haben weniger Geld."

Fahrrad liefert fast so viele Pakete wie ein Transporter

Dass die Auslieferung per Fahrrad in der Innenstadt sogar schneller gehen könnte, davon ist Inhaber Khaled Al-Abbas überzeugt: Drahtesel stehen nicht im Stau und Parkplätze fürs Rad müssen nicht gesucht werden. "Es ist auch günstiger", sagt der Unternehmer. Man denke nur an die Reparatur- oder Tankkosten. Was den Inhaber jedoch besonders freut: Der Kreis der potenziellen Fahrer kann erweitert werden. Wer per Rad ausliefert, braucht keinen Führerschein. Al-Abbas setzt hier zum Beispiel auf Studentenjobs. Generell sind alle drei davon überzeugt, dass ein Fahrrad in der Dresdner Innenstadt fast genauso viel ausliefern könnte, wie ein herkömmlicher Transporter.

Zukunft liegt laut Hermes im E-Commerce

Ob die Fahrräder zukünftig überall unterwegs sein werden, daran zweifeln Unternehmer Al-Abbas und Hermes-Mitarbeiter Jugel. Denn die Möglichkeiten der Fahrräder werden von drei Wörtern eingegrenzt: Gewicht, Entfernung und Wetter. Die Obergrenze für ein normales Paket liege bei 31,5 Kilo - Mehrere davon werden schnell zu schwer für ein Fahrrad.

Ein Hermes-Paket wiege aber durchschnittlich um die zwei bis drei Kilo. Damit könne man 50 bis 70 Pakete per Rad zustellen, mit dem Auto schaffe man 100 bis 120. Dass aber die Zukunft im Online-Handel liegt, davon sind die Khaled Al-Abbas und Martin Jugel durch und durch überzeugt.

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