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Sachsens Wirtschaft auf Vorkrisenniveau

Der Dienstleistungssektor, Verkehr und der Tourismus in Sachsen erleben nach der Krise wieder einen Aufschwung. Besonders gut geht es der Autoindustrie.

Von Tim Ruben Weimer
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Sachsens Wirtschaft profitiert vom Wachstum der ansässigen Autoindustrie. Doch die kommt zunehmend in Bedrängnis.
Sachsens Wirtschaft profitiert vom Wachstum der ansässigen Autoindustrie. Doch die kommt zunehmend in Bedrängnis. © dpa (Symbolbild)

Dresden. Sachsens Unternehmen geht es wieder so gut wie vor Beginn der Corona-Pandemie. Das zeigt die neu veröffentlichte Konjunkturumfrage der Dresdner Industrie- und Handelskammer. Demnach bewerten 53 Prozent der befragten 600 Firmen aus dem Kammerbezirk Dresden ihre Geschäftslage als gut, nur 10 Prozent als schlecht. Das entspricht exakt den Werten von Januar 2020.

"Der Optimismus kehrt zurück, aber er verfällt noch nicht in Euphorie", erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Umso mehr die Wirtschaft wieder in Fahrt komme, desto mehr verschärfe sich auch der Fachkräftemangel und die steigenden Rohstoffpreise. "Die Pandemie hat sich wie ein Schleier um die alten Probleme gelegt. Wenn sich der Schleier nun wieder hebt, sind alle Probleme wieder da", sagt Hamann.

Verbessert hat sich die Situation auch in den Bereichen Dienstleistung, Verkehr und Tourismus. Noch im Frühjahr dieses Jahres hatten 96 Prozent der Touristiker ihre Lage als schlecht eingeschätzt, inzwischen sind es nur noch rund ein Viertel.

Lieferengpässe und Nachwuchsmangel in der Industrie

Die Industrie hat die zweite und dritte Welle der Corona-Pandemie dagegen weitgehend unbeschadet überstanden. Auch während der Krise blickten dort weiterhin viele Unternehmen positiv in die Zukunft. Sachsenweit stieg der Umsatz zum Vorjahr um 22,1 Prozent. Am stärksten fiel das Wachstum im Chemnitzer IHK-Bezirk aus. Dort ging der Umsatz um 35,5 Prozent nach oben. Das Plus fiel mehr als doppelt so hoch aus wie im Dresdner und im Leipziger Kammerbezirk. Besonders die Automobilbranche und der VW-Standort Zwickau haben die gesamte sächsische Wirtschaft in den vergangenen Jahren nach oben gezogen, hieß es. Probleme machen der Branche allerdings jetzt die teils weiterhin unterbrochenen Lieferketten bei den Zulieferern. Dabei gehe es nicht nur um fehlende Chips, sondern um die gesamte Produktpalette, so Hamann.

Das führte im Sommer zu einem Abwärtstrend. Von Juli bis August diesen Jahres war der monatliche Umsatz in der Industrie um rund 20 Prozent gesunken, auch im September setzte sich dies fort. Solch einen Rückgang habe er noch nie erlebt, meint IHK-Geschäftsführer Hamann. "Unser Problem in Sachsen ist die sehr starke Fokussierung auf die Automobilindustrie." Allein dort war der Umsatz in den zwei Monaten um 48 Prozent gesunken. Fehlten die Chips, würden keine Autos mehr produziert und damit auch keine Batterien oder Felgen mehr bestellt. Der Ausfall eines Zulieferers könne also größere Bereiche der Industrie schaden, meint Hamann.

Auch die Industrie sucht Azubis

Auch die Beschäftigtenzahlen in der Branche gehen zurück. Wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres zwar 5,7 Prozent mehr Auszubildende als 2020 eingestellt, sind das immer noch 4 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Zwar gebe es immer mehr Schulabgänger, doch die kämen in der dualen Ausbildung nicht an, sagt Hamann. "Die Vorstellungen von der Industriebranche als grau, düster, schmutzig und anstrengend sind schwer aus den Köpfen zu bekommen."

Im Bauhauptgewerbe stiegt der Umsatz sachsenweit im Vergleich zum Krisenjahr 2020 um 1,3 Prozent. Nicht profitieren konnte allerdings der Kammerbezirk Dresden. Grund seien laut Hamann verzögerte Baumaßnahmen gewesen.

Die Konjunkturumfrage der IHK Dresden bezieht sich auf Ende September. 600 Firmen aller Wirtschaftsbereiche mit rund 32.000 Beschäftigten haben sich beteiligt.

Zum 1. Juli 2022 wechselt außerdem IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann in den Ruhestand. Nachfolger wird der derzeitige Energy Saxony-Chef Lukas Rohleder. Das hatte die IHK beim Jahresempfang in Pillnitz mitgeteilt. Hamann sprach von einem "Generationenwechsel". Alte Gleise müssten verlassen und neue Fragen gestellt werden.