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So helfen Kreative der Wirtschaft auf die Beine

Kreative Ideen können Unternehmen durchstarten lassen. Dafür müssen zwei unterschiedliche Wirtschaftsfelder an einen Tisch gebracht werden.

In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird die Übergabe eines VW ID.3s an den Kunden gebührend zelebriert. Zusammen mit Unternehmen aus der Kreativwirtschaft wurde eine "Übergabe-Show" insziniert.
In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird die Übergabe eines VW ID.3s an den Kunden gebührend zelebriert. Zusammen mit Unternehmen aus der Kreativwirtschaft wurde eine "Übergabe-Show" insziniert. © © by Matthias Rietschel

Dresden. Wie kommt der Tischler aus der Region Leipzig eigentlich auf die Idee, DJ-Pulte zu produzieren? Und wie das Unternehmen aus der Autoindustrie auf den Gedanken, aus Produktionsabfällen Blumentöpfe herzustellen, damit Kunden mitten in der Stadt Erdbeeren pflücken können?

Damit Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft häufiger auf außergewöhnliche Ideen kommen, fördert die Stadt Dresden die Zusammenarbeit mit Betrieben aus dem Kreativ- und Kultursektor. "Gerade Kleinstunternehmen sollten sich mehr trauen", sagt Lydia Göbel von "Wir gestalten Dresden", dem Verband der Kreativbranche, "damit sie resilienter für die Zukunft werden." Der Stadtrat hatte dafür für zwei Jahre 100.000 Euro für das Förderprogramm "Unternehmen helfen Unternehmen" locker gemacht, bis zu 5.000 Euro Fördergeld sind pro Unternehmen möglich.

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Das Geld könnten die Unternehmen beispielsweise einsetzen, um mit einer Webdesign-Firma eine Internetseite zu erstellen, ein Filmteam könnte einen Imagefilm drehen oder es könnten gemeinsam neue Produkte entwickelt werden. Natürlich geht es auch hierbei ums Geld: "Die hiesige Kreativwirtschaft steigert die Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsgeschwindigkeit von Unternehmen und Geschäftsmodellen", sagt Robert Franke, der das Dresdner Amt für Wirtschaftsförderung leitet. "Synergien nutzen und Potenziale ausschöpfen", nennt es Branchenverbandsleiterin Göbel.

Körperunterstützende Skelette: Ein Fall für die Kreativen

Ein Beispiel ist die Professur für Technisches Design an der TU Dresden. Diese arbeitet seit knapp drei Jahren mit der Duderstädter Unternehmensgruppe Ottobock zusammen. Das Unternehmen ist vor allem bekannt für die Produktion von Prothesen und Rollstühlen. Zusammen mit der Projektgruppe der TU brachte Ottobock passive Exoskelette auf den Markt. Das sind Ganzkörper-Gurte, die den Körper etwa beim Tragen von Lasten unterstützen sollen. Bis zu 25 Kilogramm weniger Gewicht könnte damit auf der Wirbelsäule lasten.

Diplom-Ingenieurin Emese Papp von der TU Dresden unterstützt bei der Nutzeroptimierung der körperunterstützenden Skelette von Ottobock.
Diplom-Ingenieurin Emese Papp von der TU Dresden unterstützt bei der Nutzeroptimierung der körperunterstützenden Skelette von Ottobock. © © by Matthias Rietschel

Diplom-Ingenieurin Emese Papp hat die Entwicklung von Anfang an begleitet. "Die Idee von Exoskeletten ist nicht neu", erklärt sie. "Aber sie werden jetzt häufiger angewendet. Und das stellt uns vor neue Herausforderungen." Die Gurte müssten bequem zu tragen sein, in Logistikunternehmen trügen Mitarbeiter die außerkörperlichen Skelette teils acht Stunden am Tag. In der Nutzeroptimierung und auch in der äußerlichen Gestaltung ist die Design-Professur gefragt. Es ginge darum, dem Anwender viele Verstellmöglichkeiten zu bieten und die Anwendung möglichst intuitiv zu gestalten, erklärt Papp.

Der Nutzen liegt jedoch nicht nur bei Ottobock. "Uns ist es ganz wichtig, dass unsere Studenten mit der Industrie in Kontakt kommen", sagt Papp, die auch ihre Doktorarbeit über das Thema schreibt.

Cross-Innovation: Nicht nur für Kleinstunternehmen

Unter dem Namen "Cross-Innovation" verbirgt sich die Strategie, Kompetenzen verschiedener Wirtschaftsbereiche zu verknüpfen, um gemeinsam die Wirtschaftskraft der beteiligten Unternehmen anzukurbeln. Was insbesondere für kleine Unternehmen gewinnbringend sein kann, wird auch schon von großen Firmen praktiziert.

Auch VW setzt auf die Kooperation mit der lokalen Kultur- und Kreativbranche. Jeder Käufer eines VW ID.3s durchläuft bei Abholung in der Gläsernen Manufaktur eine Show-Auslieferung mit Videowand und Lichteffekten, an deren Ende das eigene E-Auto hinter einer elektrischen Schiebewand zum Vorschein kommt. Entwickelt wurde die Performance zusammen mit den Dresdner Kreativunternehmen Intolight und Neongrau. VW setzt dabei auf Emotionen: Skateboarder, endlose Waldlandschaften und immer wieder die Stadtkulisse von Dresden flimmern über die Wand.

Volkswagens ID.3: Wer ihn in der Gläsernen Manufaktur abholt, erlebt bei der Übergabe eine von Kreativunternehmen mitgestaltete Show-Inszenierung.
Volkswagens ID.3: Wer ihn in der Gläsernen Manufaktur abholt, erlebt bei der Übergabe eine von Kreativunternehmen mitgestaltete Show-Inszenierung. © © by Matthias Rietschel

"Die Mobilitätswende ist auch ein sehr emotionales Thema", sagt Arnd Meyer-Clasen, Vertriebsleiter der Gläsernen Manufaktur. "Viele sehr professionelle Akteure der Dresdner Kreativwirtschaft unterstützen Volkswagen hier erfolgreich bei der Show-Auslieferung." Hinter der Vorführung stecke ein komplizierter Mechanismus, der dann zur Steuerung auf drei Buttons auf einem iPhone reduziert wurde.

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Für Robert Franke vom Amt für Wirtschaftsförderung ist die Kreativbranche ein "ganz wesentlicher Klebstoff für die Produktentwicklung". Das Förderprogramm "Unternehmen helfen Unternehmen" (UHU) soll beiden Seiten - der Wirtschaft wie den Kreativen - dabei helfen, gemeinsam mehr Wertschöpfung zu generieren.

Mehr Informationen zu Kooperationen mit Kreativ- und Kulturunternehmen unter: www.wir-gestalten-dresden.de/

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