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Verband will Millionenpaket für Sachsens Tourismus

Die Branche im Freistaat leidet an den Coronafolgen und verlangt Hilfe vom Staat - vor allem für zwei derzeit beliebte Urlaubsformen.

Der Stallhof vor der Katholischen Hofkirche in Dresden: In Sachsen halbierte sich in der ersten Jahreshälfte die Zahl der Übernachtungen annähernd.
Der Stallhof vor der Katholischen Hofkirche in Dresden: In Sachsen halbierte sich in der ersten Jahreshälfte die Zahl der Übernachtungen annähernd. © Sebastian Kahnert/dpa

Knapp 200.000 Beschäftigte arbeiten in der sächsischen Tourismusbranche. Der Wirtschaftszweig leidet an den Folgen der Coronapandemie, die auch für  Hotels und Reisende vollkommen überraschend kam.  Nach einem hervorragenden Geschäftsjahr sei die Situation auch Anfang 2020 noch gut gewesen, sagte der Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen, der vogtländische Landrat Rolf Keil (CDU), am Donnerstag in Dresden. Dann habe der Lockdown tiefe Einschnitte verursacht.

Geschäfts- und Busreisen wurden abgesagt, Kongresse fielen aus. In Sachsen halbierte sich in der ersten Jahreshälfte die Zahl der Übernachtungen annähernd. Die Unternehmen rechnen nach Verbandsangaben für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von mindestens 51 Prozent.

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Barbara Klepsch (CDU), Ministerin für Kultur und Tourismus in Sachsen © Jan Woitas/dpa

"Wegen der tiefen wirtschaftlichen Einschnitte und bevorstehenden Rezession erwarten wir ein Stabilisierungspaket Tourismus für die nächsten drei Jahre", betonte Keil. So soll nach der Erwartung des Landesverbandes der Etat des sächsischen Tourismusministeriums um insgesamt 30 Millionen Euro aufgestockt werden - um zehn pro Jahr. Damit sollen Innovationen gefördert, Digitalisierung ausgebaut und die Entwicklung naturnaher Angebote vorangetrieben werden.

Jährlich 13 Millionen Euro fordert der Verband für die insgesamt 43 staatlich anerkannten Kur- und Erholungsorte Sachsens. Das Geld soll im Finanzausgleichsgesetz, das die finanziellen Beziehungen zwischen dem Freistaat und den Kommunen regelt, als sogenannter Sonderlastenausgleich eingestellt werden.

Die Gesamtsumme der Forderungen bezifferten Keil und Verbandsdirektor Manfred Böhme nicht.  Bislang seien nicht alle Schäden ausreichend erfasst worden. Zudem sei die Pandemie noch nicht vorüber, wie Böhme sagte. Allerdings werde sich der Verband wieder zu Wort melden, wenn der Entwurf des Doppelhaushaltes für die kommenden beiden Jahre vorliege.

Internationale Gäste fehlen "sehr stark"

Keil rechnet damit, dass die Branche im Freistaat erst in zwei bis drei Jahren wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Allerdings verlaufe die Entwicklung recht unterschiedlich. "Die Flächenregionen sind relativ gut ausgelastet", sagte Keil mit Blick auf die nun endenden Sommermonate. Allerdings fehlten internationale Gäste "sehr stark". Auch die teils hohe Zahl von Tagesreisenden in der Sächsischen Schweiz sei "kein Zeichen, dass sich der Tourismus vollständig erholt hat".

Keil mahnte mehr Unterstützung für derzeit beliebte Urlaubsformen an: "Camping und Caravaning sollen zum Förderschwerpunkt werden."  Mehr Hilfen forderte er auch für kleine Hotels und Gaststätten auf dem Land.

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