merken
PLUS Sachsen

Sächsische Forscher zurück aus dem Eis

Die größte Nordpolar- Expeditionen aller Zeiten kommt heim und mit ihr die Forscher aus Leipzig. Sächsische.de war dabei.

Zehn Monate lang driftete der Eisbrecher angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer.
Zehn Monate lang driftete der Eisbrecher angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer. © rbb/AWI/Steffen Graupner

Zurück im Hafen. Der Forschungseisbrecher Polarstern hat am Montag seine wichtigste Reise beendet. Und mit ihm die Polarflugzeuge, Drohnen, Ballons und Satelliten. Mosaic, eine Expedition der Superlative, dauerte ein ganzes Jahr. Viermal wurden in dieser Zeit Crew und Forscher auf dem Schiff ausgetauscht. Trotz Corona.

Dass überhaupt diese Expedition nicht abgebrochen werden musste, grenzt schon an ein Wunder. Am 20. September im vergangenen Jahr hatte die Polarstern den norwegischen Hafen Tromsø in Richtung zentrale Arktis verlassen. Das Ziel: eine Scholle, stabil genug, um damit ein Jahr zu driften. Schiff, Mannschaft und Geräte waren damit den Kräften und Launen der Natur ausgesetzt.

Familien aufgepasst
Familien aufgepasst

Hier finden Sie alle Ergebnisse des Familienkompass 2020.

Mosaic war international, wie keine Expedition zuvor. Sieben Schiffe, mehrere Flugzeuge von 80 Institutionen aus 20 Ländern beteiligen sich. Ihr gemeinsames Ziel: die komplexen Wechselwirkungen im Klimasystem zwischen Atmosphäre, Eis, Ozean und dem Leben zu erforschen. Das soll die Klimamodelle und Wettervorhersagen verbessern. Denn unser Wetter hier in Mitteleuropa wird genau dort im Nordpolargebiet zusammengemixt.

Die schmelzende Scholle der Polarstern nach einer Drift mit dem Eis einen Winter lang.
Die schmelzende Scholle der Polarstern nach einer Drift mit dem Eis einen Winter lang. © Alfred-Wegener-Institut

Mosaic konnte zwar trotz Corona stattfinden, allerdings verändert und um manch Wichtiges gekürzt. Die Flüge mit den beiden Polarflugzeugen im arktischen Winter konnten nicht stattfinden. Und dass es dann überhaupt noch gelang, im Sommer von Spitzbergen aus über das Nordpolareis zu fliegen, war drei Tage vor dem Start noch unklar.

Vor allem die Wissenschaftler der Universität Leipzig konnten im September gerade noch rechtzeitig wichtige Daten aus den Wolken fischen für AC³, den Sonderforschungsbereich zum Klimawandel in der Arktis. Diese Flüge waren wesentlicher Bestandteil der Arktis-Expedition Mosaic. Mit 140 Millionen Euro Budget war es die bisher teuerste und logistisch aufwendigste Expedition in die zentrale Arktis.

„Sie sehen mich überglücklich“, sagt Expeditionsleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Die Fahrt sei ein Erfolg gewesen. Froh sei er aber auch, dass die Menschen an Bord alle ihre Finger behalten hätten, „weil es bei einem auf der Kippe stand“. Zehn Monate lang driftete der Eisbrecher angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer.

Etwa so wie der Norweger Fridtjof Nansen mit seinem Segelschiff Fram vor 125 Jahren. Route und Geschwindigkeit bestimmte die Drift des Eises, getrieben von Wind und Strömung. Normalerweise ist die winterliche Arktis unzugänglich. Es fehlen damit wichtige Daten. Die Arktis gilt als Frühwarnsystem für Klimaveränderungen. Sie hat sich von allen Erdregionen am stärksten erwärmt. „Wir haben gesehen, wie das Eis der Arktis stirbt“, sagt Rex.

Mit im Team SZ-Redakteur Stephan Schön.
Mit im Team SZ-Redakteur Stephan Schön. © SZ

Was über dem schmelzenden Eis passiert, das haben Forscher vom Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) mit ihrem großen Fesselballon und Laserstrahlen in der Atmosphäre erkundet. „Ein Highlight sind definitiv diese Einblicke in die Troposphäre am Nordpol während des Winters mit unserem Lidar. Soweit nördlich hat das während der Polarnacht vor Mosaic noch niemand beobachten können“, sagt Tropos-Direktor Andreas Macke. Seinem Team auf dem Schiff ging es um Wolken und Wolkenkerne, also Aerosole.

Weiterführende Artikel

Endlich übers Polar-Eis

Endlich übers Polar-Eis

SZ-Redakteur Stephan Schön ist unterwegs mit Leipziger Forschern zur Nordpolar-Expedition. Es wird viel schwieriger, als eigentlich erwartet.

Hier trainiert unser Reporter für seine Reise in die Arktis

Hier trainiert unser Reporter für seine Reise in die Arktis

SZ-Redakteur Stephan Schön ist unterwegs mit Leipziger Forschern zur Nordpolar-Expedition. Dieser Survival-Kurs ist dafür Voraussetzung.

Coronavirus stoppt Arktisforscher aus Sachsen

Coronavirus stoppt Arktisforscher aus Sachsen

Mit zwei Polarflugzeugen wollten Leipziger Wissenschaftler die Winteratmosphäre und das polare Meereis untersuchen. Doch jetzt ist die gesamte Flugkampagne abgesagt.

Sachsen lassen sich am Nordpol einfrieren

Sachsen lassen sich am Nordpol einfrieren

Heute beginnt Mosaic, die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Sächsische Forscher sind dort mit dabei - und auch die SZ.

Erste Daten zeigen Schichten bei fünf, sechs und zwölf Kilometern Höhe mit Staub aus menschlichen Quellen und von Waldbränden. Die Daten seien ein Indiz dafür, dass die obere Atmosphäre der Region um den Nordpol im Winter stärker verschmutzt ist als bisher angenommen, sagt Andreas Macke.

Mehr solche Überraschungen stecken noch in den Daten. Deren Auswertung wird Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern.

Mehr zum Thema Sachsen