merken
PLUS Wirtschaft

Bosch Dresden stellt erste Mikrochips her

Die Mikrochipfabrik des Bosch-Konzerns in Sachsen soll nun im Juni eröffnet werden. Doch die ersten Anlagen laufen längst.

Gelbes Licht zum Schutz der Technik: Der Reinraum der neuen Mikrochipfabrik von Bosch in Dresden ist zwar noch nicht offiziell eröffnet, doch die ersten Siliziumscheiben sind in den Anlagen.
Gelbes Licht zum Schutz der Technik: Der Reinraum der neuen Mikrochipfabrik von Bosch in Dresden ist zwar noch nicht offiziell eröffnet, doch die ersten Siliziumscheiben sind in den Anlagen. © Foto: Bosch

Dresden. Der Autozulieferer Bosch nennt es einen Meilenstein: In der neuen Mikrochipfabrik in Dresden durchlaufen erstmals Siliziumscheiben voll automatisiert die Fertigung. Bosch teilte am Montag mit, die offizielle Eröffnung der Halbleiterfabrik nahe des Dresdner Flughafens sei nun für den Juni geplant.

Dort sollen einmal „bis zu 700 Mitarbeiter“ vor allem Mikrochips für Autos herstellen – etwa zum Auslösen von Airbags oder als Gleichspannungswandler in Hybridfahrzeugen.

Anzeige
Gedenken der Toten der Corona-Pandemie
Gedenken der Toten der Corona-Pandemie

Oberbürgermeister Dirk Hilbert wendet sich im Namen Dresdens an die Angehörigen der Verstorbenen – Urnenhain Tolkewitz als öffentlicher Ort für die Trauer.

Eine Bosch-Sprecherin sagte auf Nachfrage von saechsische.de, derzeit seien 250 Beschäftigte am Standort Dresden angestellt. Die Zahl 700 sei das Ziel für die Endausbaustufe. Dafür müsse der Reinraum in der neuen Fabrik komplett mit Anlagen gefüllt sein. Ein Datum dafür nenne Bosch noch nicht - es hänge von der Entwicklung der Nachfrage nach den Mikrochips ab.

Die Nachfrage nach Mikrochips für die Autobranche ist derzeit so hoch, dass die Hersteller kaum hinterherkommen. Auch Globalfoundries, Infineon und X-Fab haben angekündigt, die Produktion in Dresden hochzufahren. Erst vorige Woche teilte Globalfoundries mit, in diesem Jahr fast 400 Millionen Euro in neue Anlagen in Dresden zu investieren. Die Bosch-Fabrik kostet rund eine Milliarde Euro, einschließlich Subventionen.

700 Produktionsschritte von der Scheibe zum Chip

Im Juni 2018 war der Grundstein für die erste Bosch-Chipfabrik in Ostdeutschland gelegt worden. Das Unternehmen teilte nun mit, dass im November 2020 ein automatisierter Kurzdurchlauf erster Teile stattfand. Seit Ende Januar durchlaufen erste Scheiben zur Produktion von Leistungshalbleitern die Fertigung, die sechs Wochen dauert.

Ab März startet Bosch mit den ersten Fertigungsdurchläufen von hochkomplexen integrierten Schaltungen. Es dauert mehr als zehn Wochen, bis die Siliziumscheiben rund 700 Produktionsschritte durchlaufen haben. Aus einer Scheibe mit 300 Millimetern Durchmesser werden bei Bosch 31.000 Mikrochips.

Scheiben in dieser Größe sind nur in moderneren Chipfabriken üblich - auch bei Globalfoundries Dresden und im neueren Teil der Dresdner Infineon-Fabrik, der früher der Infineon-Tochter Qimonda bis zu deren Insolvenz gehörte. Infineon stellt dort inzwischen Leistungshalbleiter her und fährt auch gerade eine Schwesterfabrik in Villach in Österreich hoch.

Eine komplett digitalisierte Fabrik

Als Termin für den Produktionsstart in Dresden nennt Bosch weiterhin Ende 2021. „Noch in diesem Jahr wollen wir die Chipfabrik der Zukunft eröffnen“, sagte Harald Kröger, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Zum Unmut der sächsischen Wirtschaftsförderer hatte das Unternehmen vor zehn Jahren noch seiner schwäbischen Heimat den Vorzug gegeben und in Reutlingen eine Chipfabrik gebaut. Doch in Dresden ist nun die bisher teuerste Chipfabrik von Bosch entstanden.

Weiterführende Artikel

Erstmals Tarifvertrag für Dresdner Chipfabrik X-Fab

Erstmals Tarifvertrag für Dresdner Chipfabrik X-Fab

Für Sachsens drittgrößte Mikrochipfabrik hat die Chemiegewerkschaft den ersten Tarifvertrag abgeschlossen. Anderswo wird schon lange diskutiert.

Bosch bestellt Chips bei Globalfoundries Dresden

Bosch bestellt Chips bei Globalfoundries Dresden

Dresdens größte Fabrik hat einen wichtigen Autozulieferer als Partner gewonnen. Dabei fährt Bosch selbst gerade eine Fabrik in Dresden hoch.

Globalfoundries investiert 400 Millionen Euro in Dresden

Globalfoundries investiert 400 Millionen Euro in Dresden

Dresdens größte Fabrik steht vor dem nächsten Wachstumsschub. Doch neu bauen will der US-Konzern Globalfoundries eher anderswo.

X-Fab fährt Dresdner Mikrochipfabrik hoch

X-Fab fährt Dresdner Mikrochipfabrik hoch

Die Nachfrage nach Elektronik für Autos und Medizintechnik steigt. Das spürt auch Sachsens drittgrößte Chipfabrik.

Die Fabrik ist laut Bosch „komplett digitalisiert und hochvernetzt“ und setze Maßstäbe. Die Beschäftigten sollen die Produktion steuern und überwachen sowie die Maschinen warten. Auch Infineon und Globalfoundries betonen, ihre Produktion sei hoch automatisiert.

Mehr zum Thema Wirtschaft