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Papierfabrik Hainsberg in Freital ist erneut insolvent

Mit Hainsberg Papier steckt ein Arbeitgeber mit rund 100 Leuten in Freital in Schwierigkeiten. Nicht zum ersten Mal. Und wieder sind ein Sanierer und ein Sachwalter an Bord.

Von Ulrich Wolf
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Zum zweiten innerhalb weniger Jahre verwaltet die Geschäftsführung von Hainsberg Papier in Freital ihre eigene Insolvenz.
Zum zweiten innerhalb weniger Jahre verwaltet die Geschäftsführung von Hainsberg Papier in Freital ihre eigene Insolvenz. © SZ-Archiv: Jürgen-M. Schulter

Freital/Dresden. Die Papierfabrik Hainsberg GmbH muss sich ein weiters Mal wirtschaftlich neu aufstellen. Dazu nutze man eine Insolvenz in Eigenverwaltung, teilte das Unternehmen am Dienstag am Firmensitz in Freital auf Anfrage von Sächsische.de mit. Der Geschäftsbetrieb laufe dabei "vollumfänglich weiter".

"Die Eigenverwaltung bietet uns die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit und bei laufendem Betrieb unsere Finanzierung neu zu ordnen", betonten die Geschäftsführer Dietrich Arnhold und Krystyna Saworska. Sämtliche Aufträge der Kunden würden "wie gewohnt" gefertigt und ausgeliefert. Die Löhne und Gehälter der rund 100 Mitarbeiter seien für drei Monate durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Bereits in ersten Halbjahr 2024 hoffe man, das Insolvenzverfahren zu beenden.

Schwierigkeiten mit einer Anschlussfinanzierung

Als eine Ursache der Schwierigkeiten gab die Firmenleitung "sprunghaft gestiegene Energiepreise" an. Hauptsächlich für den jetzigen Schritt aber seien Zins- und Ratenzahlungen auf alte Darlehen. Die bänden "einen erheblichen Teil der Einnahmen". Da eine Anschlussfinanzierung für einen auslaufenden Kreditvertrag gescheitert sei, habe sich Unternehmen zu dem Schritt entschlossen.

Hainsberg Papier gehört zu 68 Prozent dem 75 Jahre alten Freitaler und seit 2007 amtierenden Geschäftsführer Arnhold. Weitere Anteilseignerin ist die 53 Jahre alte Mitgeschäftsführerin Saworska aus Köln. Beide hatten die Freitaler Fabrik erst im August dieses Jahres mit ihrer früheren Firma Hoya Papier GmbH verschmolzen.

Bei der Insolvenz in Eigenverantwortung legt die Geschäftsführung einen eigenen Sanierungsplan vor. Stimmen Gläubiger und Amtsgericht zu, wird das Verfahren wieder aufgehoben. Dieser Weg steht in der Regel nur Unternehmen offen, bei denen noch genügend Geld vorhanden ist. "Diese Voraussetzungen sind bei der Papierfabrik Hainsberg erfüllt", betont der Dresdner Sanierungsexperte Thomas Mulansky. Er werde die Geschäftsführung in Freital nun unterstützen.

Bereits die zweite Insolvenz nach der von 2017/18

Die Papierfabrik Hainsberg GmbH hatte bereits im Juni 2017 ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung beantragt. Das Amtsgericht Dresden bestätigte ein gutes Jahr später den Insolvenzplan und hob daraufhin das Verfahren auf. Die Überwachung des Plans oblag schon damals dem Wirtschaftsjuristen Nils Freudenberg. Ab März 2021 war diese Kontrolle nach Firmenangaben nicht mehr notwendig gewesen.

Der damalige Sachwalter Freudenberg ist auch diesmal wieder mit an Bord. Er überwacht zumindest in den kommenden Monaten die Geschäftsführung, ähnlich wie ein Aufsichtsrat. Der Rechtsanwalt gehört zu den 55 Anwälten der auf Insolvenzen spezialisierten Wirtschaftskanzlei Tiefenbacher. Die begleitet derzeit auch die Insolvenz in Eigenverantwortung bei der Sächsische Sandsteinwerke GmbH.

Den letzten Abschluss veröffentlichte das Unternehmen für das Jahr 2020. Damals machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 26,7 Millionen Euro einen Verlust von rund 185.000 Euro.