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Mehr Firmenpleiten in Sachsen im Jahr 2023

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind auch für Unternehmen in Sachsen schwieriger geworden. Betroffen ist vor allem ein Wirtschaftsbereich.

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Bundesweit dürften laut Creditreform bis zum Jahresende 18.100 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben.
Bundesweit dürften laut Creditreform bis zum Jahresende 18.100 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. © Symbolfoto: dpa

Dresden/Frankfurt. Die Energiekrise, teils explodierende Materialkosten und deutlich gestiegene Zinsen treiben immer mehr Firmen in die Pleite, auch in Sachsen. Die Insolvenzquote, also die Anzahl der Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, liegt nach Schätzungen von Creditreform im laufenden Jahr bei 57. Im Vorjahr betrug der Wert noch 45, wie aus am Montag veröffentlichten Daten der Wirtschaftsauskunftei hervorgeht.

Noch mehr Firmenpleiten wird es den Daten zufolge in Bremen (120 Fälle je 10.000 Firmen), Berlin (103), Hamburg (81), Nordrhein-Westfalen (77), im Saarland (67), Schleswig-Holstein (64) und Hessen (61) geben. Den niedrigsten Wert verzeichnet Thüringen mit einer Quote von 40. Ausführliche Gründe zum regionalen Insolvenzgeschehen nannte die Wirtschaftsauskunftei nicht. "Regionale Branchenstruktur sowie auch unterschiedliche Altersstrukturen der Unternehmen dürften für diese Unterschiede mit verantwortlich sein", hieß es lediglich.

Mittelstand am stärksten betroffen

Die Untersuchung zeigt eine massiv gestiegene Zahl an Insolvenzen von mittleren und großen Unternehmen. Bei Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern lägen die Fallzahlen um 50 Prozent über dem Vorjahreswert, heißt es. Beispiele sind prominente Insolvenzen im Handel, wie bei Peek & Cloppenburg sowie Real. Bei Unternehmen mittlerer Größe mit 51 bis 250 Beschäftigten stiegen die Insolvenzen sogar um rund 76 Prozent, bei kleinen Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten um knapp 19 Prozent. In Sachsen mussten zuletzt zum Beispiel die Papierfabrik in Freital-Hainsberg sowie der Lommatzscher Landmaschinenhersteller Lomma Insolvenz anmelden.

Ein Schwerpunt der Insolvenzverfahren liegt laut Creditreform im Baugewerbe. Durch hohe Zinsen, steigende Baukosten und dem Einbruch der Nachfrage stehe die Bauwirtschaft in Deutschland vor schwierigen Zeiten, heißt es. In Sachsen war beispielsweise zu Jahresbeginn das Bauunternehmen Böpple aus Königswartha betroffen. Die Firma ist mittlerweile aufgelöst.

Experte erwartet weitere Zunahme

Bundesweit dürften bis zum Jahresende 18.100 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. Das wären 23,5 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Einen ähnlich hohen Wert gab es zuletzt 2019 (18.830 Fälle). Die Insolvenzquote liegt damit bundesweit bei 60, nach 48 im Jahr zuvor. "Immer mehr Firmen brechen unter den Dauerbelastungen der hohen Energiepreise und der Zinswende zusammen", erläuterte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Wie andere Experten rechnet auch Hantzsch mit einer weiteren Zunahme der Firmenpleiten: "Die Zahl der Insolvenzen wird bei diesen schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch in den kommenden Monaten deutlich ansteigen."

Die Fallzahlen seien damit fast normalisiert und die Sondereffekte aus der Corona-Zeit weitgehend verpufft. Um eine Pleitewelle infolge der Pandemie abzuwenden, hatte der Staat zeitweise Ausnahmeregelungen im Insolvenzrecht ermöglicht. (SZ/win/dpa)