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Letzter e-Golf läuft in Dresden vom Band

Nach mehr als 50.000 Autos ist Schluss. Volkswagen bereitet nun den Produktionsstart für den ID.3 in der Gläsernen Manufaktur vor.

Abschied vom e-Golf: Nach 50.401 Fahrzeugen in der Gläsernen Manufaktur endet die Produktion.
Abschied vom e-Golf: Nach 50.401 Fahrzeugen in der Gläsernen Manufaktur endet die Produktion. © VW/Oliver Killig

Der Volkswagen e-Golf ist Geschichte: Am Mittwochmorgen ist das letzte Fahrzeug in Uranograu in der Gläsernen Manufaktur in Dresden vom Band gerollt. Insgesamt wurden seit März 2017 insgesamt 50.401 e-Golfs in Dresden gefertigt.

Nach den Weihnachtsferien wird der Fertigungsbereich der Gläsernen Manufaktur für drei Wochen umgebaut, bevor Ende Januar die ersten ID.3 Serienfahrzeuge produziert werden können. „Schon in wenigen Wochen schlagen wir für die Gläserne Manufaktur das nächste Kapitel auf. Nach Zwickau sind wir der zweite Standort in Europa, an dem Fahrzeuge auf Basis des neuen Modularen E-Antriebsbaukastens (MEB) gefertigt werden“, betont Standortleiter Danny Auerswald. Volkswagen unterstreiche damit die Bedeutung der sächsischen Standorte bei der konzernweiten E-Offensive. Der MEB-Plattform macht die Produktion von Elektroautos massentauglich.

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Auch Thomas Aehlig, Betriebsratschef der Gläsernen Manufaktur, hält den Start der Montage des ID.3 für eine sehr gute Nachricht für die Belegschaft, die rund 400 Köpfe umfasst. Sie sei der „Lohn für die vielen Anstrengungen bei der Standorttransformation seit dem Jahr 2016. Wir haben damit eine nachhaltige Beschäftigungssicherung der Stammbelegschaft und eine positive Zukunftsperspektive für den Standort erreicht“, so Aehlig.

Streng genommen laufen die Umrüstungen für den ID.3 schon seit vergangenem Sommer. Damals wurde als eine von sieben Stationen zum Beispiel die „Hochzeit“ angepasst, an der Karosserie und Fahrwerk verschraubt werden – ein Höhepunkt in der Produktion. Zu den Umbaumaßnahmen jetzt im Winter zählen die Installation einer Anlage, an der das Panoramadach verbaut wird sowie die Anpassung der Greifmittel für den Einbau von Cockpit und Sitzanlage.

Der e-Golf war 2013 auf den Markt gekommen und lief bis zum Sommer dieses Jahres in Wolfsburg vom Band. Nach dem die Produktion der Luxuslimousine Phaeton in der Gläsernen Manufaktur 2017 infolge des Dieselskandals vorzeitig eingestellt wurde, folgte der e-Golf als Fertigungsmodell in Dresden. Insgesamt verließen in mehr als sieben Jahren 145.561 Fahrzeuge die beiden deutschen Produktionsstätten. Gemessen an den Absatzzahlen ist der e-Golf eines der beliebtesten E-Autos in Europa–vor allem bei Kunden in Norwegen und im deutschen Heimatmarkt.

Volkswagen baut in Deutschland ein starkes E-Auto-Cluster auf, um letztendlich auch die 100 000 Arbeitsplätze an den deutschen Standorten langfristig zu sichern. Neben der Fertigung im Werk Zwickau und künftig Dresden sind auch die Komponentenwerke Braunschweig, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg beteiligt. Sie fertigen wichtige Bauteile wie die E-Maschine oder das Batteriesystem. Die Fahrzeugwerke Emden und Hannover sollen ab 2022 ebenfalls mit der Produktion von E-Autos beginnen. Der Konzernsitz Wolfsburg soll mittelfristig die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen werden.

Das Jahr 2020 markiert nach Einschätzung von Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach, den Wendepunkt für die Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland. Im Gesamtjahr wird mit rund 360.000 Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen, einschließlich Hybridmodelle, gerechnet. Das wäre mehr als eine Vervierfachung des Marktanteilsauf rund 12,6 Prozent.

Die Neuzulassungen für reine Elektrofahrzeuge (BEV) erhöhen sich laut der aktuellen CAM-Studie von 63.000 (2019) auf rund 171.000 Stück (+171%) in diesem Jahr, was einem Neuzulassungsanteil von 6,0 Prozent entspricht, nach nicht einmal zwei Prozent im Vorjahr. Die Marktführer bei reinen E-Autos sind mit Ausnahme von Volkswagen jedoch überwiegend Importeure. Im Absatzvergleich von Januar bis November 2020 kam Volkswagen auf rund 33.000 Neuzulassungen, Renault auf 25.000 sowie Tesla, Smart und Hyundai auf rund 13.000 verkaufte Fahrzeuge.

Für das nächste Jahr erwartet das CAM in einer aktuellen Prognose einen Neuwagenabsatz von rund 480.000 E-Autos in Deutschland, was einem Anteil von 15 Prozent an den Neuzulassungen von geschätzten 3,3 Millionen Pkw entspricht. Aber schon im Jahr 2025 werde fast jedes dritte hierzulande verkaufte Auto einen Elektromotor haben, ist sich Bratzel sicher. „Automobilhersteller müssen sich insbesondere im deutschen Markt auf einen Paradigmenwechsel der Antriebstechnologien einstellen. In den 2030er Jahren wird der Verbrennungsmotor zunehmend in eine Nischenrolle gedrängt werden“, betont der Autoexperte.

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