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Wie die Leag grün werden will

Das Bergbau-Unternehmen setzt auf Sonne, Wind und Wasserstoff - schließt Geothermie und Wasserkraft für die Lausitz aber aus.

Von Irmela Hennig
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Bis 2030 will die Leag eine Kapazität von 1.300 Megawatt über Photovoltaik aufbauen.
Bis 2030 will die Leag eine Kapazität von 1.300 Megawatt über Photovoltaik aufbauen. © dpa

Die Erleichterung war groß zwischen Cottbus und Görlitz. Anfang 2019 verkündet der damalige Leag-Chef Helmar Rendez am Rande einer Betriebsversammlung: "Die Lausitz ist und bleibt Energieregion. Wir sind hier das Ankerunternehmen und wollen es weiter sein." Kurz zuvor hatte eine Kommission das Aus für die Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 vorgeschlagen.

Die Lausitzer Energie Bergbau und Lausitzer Energie Kraftwerke AG, kurz Leag, mit zu der Zeit rund 8.000 Beschäftigten signalisierte, man werde sich neu aufstellen. Neue Geschäftsfelder aufbauen und mitmischen im Markt der erneuerbaren Energien.

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Die SZ sprach mit Andreas Huck vom Vorstand darüber, was diesbezüglich inzwischen passiert ist.

Andreas Huck aus Niedersachsen ist beim Lausitzer Energieunternehmen Leag im Vorstand und zuständig für neue Geschäftsfelder.
Andreas Huck aus Niedersachsen ist beim Lausitzer Energieunternehmen Leag im Vorstand und zuständig für neue Geschäftsfelder. © Ronald Bonß

Leag will wichtig für die Energiewirtschaft bleiben

Der Energiebetrieb Leag steht derzeit nach eigenen Angaben für zehn Prozent der Stromversorgung in Deutschland. Dieser Anteil werde sinken, schätzt Andreas Huck. Denn Strom werde künftig dezentral erzeugt. Huck betont aber: "Wir wollen weiter ein relevantes Unternehmen im Bereich der Energiewirtschaft sein." Huck schätzt, dass künftig weit über 1.000 Terawattstunden pro Jahr benötigt werden; derzeit sind es rund 560 Terawattstunden. Doch Elektroautos und Wärmepumpen werden laut dem Umweltbundesamt den Verbrauch steigern. "Wir wollen im Osten Deutschlands so viel erneuerbare Energie zur Verfügung stellen, wie wir können", so Huck. Eine Leistung von zwei Gigawatt bei den erneuerbaren Energien will man 2030 erzeugen. Potenziell peile man zwei bis sechs Gigawatt Strom an. 2038 könnten es acht sein.

Sonnenkraft: Bis 2030 Anlagen mit Gesamtleistung von 1.300 Megawatt

Auf dem Dach der Cottbuser Leag-Zentrale läuft bereits eine 140-Kilowatt-PV-Anlage. Sie versorgt das Gebäude mit Strom. Eine weitere Dachanlage befindet sich in Lübbenau. 2021 ging ein Solarpark im sachsen-anhaltischen Zschornewitz in Betrieb mit 4,5 Megawatt Erzeugerkapazität. Auch auf dem Flughafen von Welzow in Südbrandenburg hat ein Leag-PV-Park den Betrieb aufgenommen. Bis 2030 will die Leag eine Kapazität von 1.300 Megawatt über Photovoltaik aufbauen. Neben einem Projekt auf dem Cottbuser Ostsee sind bereits sechs weitere Anlagen geplant. Sie werden bei Jänschwalde, in Böhlen bei Leipzig sowie am Standort des Kraftwerks Boxberg errichtet und sollen bis 2025 in Betrieb gehen. In Boxberg können so jährlich 24.000 Megawattstunden Strom erzeugt werden. Ein besonderes Vorhaben sei der Solarpark in Dissen-Striesow, nördlich von Cottbus. Gemeinsam mit der Gemeinde entwickle man auf 180 Hektar Fläche einen ökologischen Solarpark.

Fotovoltaik auf dem Cottbuser Ostsee geplant

Auf dem künftigen Cottbuser Ostsee soll eine schwimmende Photovoltaikanlage, genannt Floating PV, mit einer Größe von 18 Hektar entstehen. Das sei etwa ein Prozent der Gewässeroberfläche. Studien dazu besagen laut Andreas Huck, die Auswirkungen für Tier- und Pflanzenwelt seien neutral bis leicht positiv. Denn die Verschattung durch die Module kühle das Wasser leicht ab und verringere die Verdunstung – die ist ein Problem im immer wärmeren Seenland. 2023 könnte die Anlage in Betrieb gehen und dann jährlich 20.000 Megawattstunden Strom liefern, das reiche rechnerisch für 5.700 Haushalte. Auch in Sachsen seien solche Vorhaben auf Tagebaufolgeseen denkbar. Entstehen könnten sie in ohnehin gesperrten Gebieten. Mit dem Bergbausanierer LMBV in Senftenberg laufen Gespräche über Studien, um zu prüfen, was möglich sei. Man stehe ganz am Anfang.

© SZ Grafik

Windparks im Land, keine auf See geplant

Einen Windpark hat die Leag schon konkret in Vorbereitung. Standort wird eine rekultivierte Fläche des Tagebaus Jänschwalde bei Forst. Dort sollen sich ab 2024/2025 insgesamt 17 Windräder drehen und 260.000 Megawattstunden Strom pro Jahr liefern. Auch nahe Boxberg plant das Unternehmen Stromerzeugung durch Windkraft. In der Nähe der bevorzugten Fläche befinde sich ein Seeadlerhorst, aber ohne Vögel. Nach bisheriger Gesetzgebung wäre das Projekt damit vom Tisch, nach den angekündigten Neuregelungen durch Wirtschaftsminister Robert Habeck gebe es eine Perspektive. Denn der vorgeschriebene Abstand zwischen Windrad und Horst soll wohl verringert werden. Bis 2030 sollen bei der Leag Windkraft-Vorhaben mit einer Leistung von insgesamt 730 Megawatt realisiert sein. Das Energieunternehmen konzentriere sich auf Binnenanlagen.

Zweite große Batterie könnte bis 2025 in Boxberg entstehen

Auf dem Gelände des Industrieparks Schwarze Pumpe läuft seit Dezember 2020 der erste Batterie-Großspeicher der Lausitz, die BigBattery. Sie nimmt Kraftwerksstrom und Strom aus dem Stromnetz auf, um zur Stabilisierung des Stromnetzes beizutragen. Für Boxberg sei eine weitere Großbatterie in Planung. 2025 könnte sie in Betrieb gehen mit 75 Megawattstunden Kapazität – das steht für die Energiemenge, die aufgenommen und abgegeben werden kann. Dort könnte später auch Sonnenstrom aus dem Boxberger Solarpark gespeichert werden. Künftig seien solche Projekte als Puffer für andere Solarparks denkbar.

Wasserstoffnetz von Tankstellen für den ÖPNV

Die Leag will ihr Stromversorgungsportfolio um Wasserstoff-Elektrolyse ergänzen. Das erste Vorhaben ist der Bau einer Wasserstofftankstelle in Cottbus für den dortigen Bus-Nahverkehr. Dafür wird die Leag grünen Wasserstoff erzeugen, also mit Strom aus erneuerbaren Energien. Ein Netz von solchen Tankstellen in der Lausitz soll folgen. Auch Wasserstoffproduktion für Industriekunden sei ein Thema.

Strom und Wärme auch durch Müllverbrennung

Die Kraftwerke der Leag liefern nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Damit werden derzeit noch neun Kommunen in Sachsen und Brandenburg teilweise versorgt. Fällt das weg, braucht es Alternativen. Da die letzten Blöcke vom Kraftwerk Jänsch-walde, an dem die Cottbuser Wärmeversorgung hängt, ab 2025 beziehungsweise 2027 nur noch in Sicherheitsbereitschaft laufen, soll eine Energie- und Verwertungsanlage (EVA) in Jänschwalde die Lücke teilweise schließen. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Leag und Veolia. Dort sollen jährlich maximal 480.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe, darunter Klärschlamm, verbrannt werden. Bis 2025 soll die Anlage fertig sein und 50 Mitarbeiter beschäftigen.

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