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Zittau: Wie die Händler mit der Baustelle leben

Der zweite Abschnitt der Inneren Weberstraße wird derzeit gebaut. Damit die Kunden trotzdem kommen, müssen sich die Händler teilweise selbst helfen.

Die Zittauer Einzelhändlerin Bärbel Michel vor der Baustelle auf der Inneren Weberstraße.
Die Zittauer Einzelhändlerin Bärbel Michel vor der Baustelle auf der Inneren Weberstraße. © Matthias Weber/photoweber.de

Es ist ruhig an diesem Vormittag im Wäsche- und Strickmodenladen von Bärbel Michel. "Wenn fünf Kunden am Tag kommen, ist es schon ein guter Tag", meint die Zittauer Geschäftsfrau. Etwa das Dreifache wäre normal.

Seit Monaten erreicht sie diesen Wert nicht. Zuerst war ihr Geschäft über Wochen zwangsweise wegen der Pandemie geschlossen, seit März konnten die Kunden die Ware an der Ladentür abholen oder mit Termin für eine bestimmte Zeit shoppen. Der Umsatz erreichte aber noch nicht das Vor-Krisen-Niveau.

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Nun hätte es besser werden können - immerhin beschloss der Freistaat, die Testpflicht im Einzelhandel abzuschaffen. Doch signifikant nach oben ist die Zahl der Kunden nicht gegangen. Den Grund sieht Bärbel Michel in der Baustelle vor dem Geschäft. Seit April wird der zweite Abschnitt der Inneren Weberstraße gebaut. Die Straße ist deshalb zwischen der Johanniskirche und der Inneren Oybiner Straße komplett gesperrt.

Überraschend ist der Bau nicht - seit Jahren wird über die Sanierung der Inneren Weberstraße gerungen. Nachdem der Zittauer Stadtrat die Umwandlung der Straße in eine Spielzone abgelehnt hatte, konnte der Bau des zweiten Abschnitts beginnen.

Die Händler konnten sich also darauf einstellen. Und doch ist Bärbel Michel nicht ganz glücklich mit der Baustelle. Der Fußweg vor ihrem Laden ist momentan eine Sackgasse. Aus Richtung Innere Oybiner Straße ist er offen und endet ein paar Meter nach ihrem Geschäft. Mancher Kunde merke das erst, wenn er vor der Absperrung steht.

Die wenigen Kunden, die bei Bärbel Michel einkaufen, machen das gezielt. Laufkundschaft gebe es derzeit so gut wie keine. Auch Ines Titscher-Lange vom "Modeexpress Nr. 1" lebt im Moment vor allem von Stammkunden.

Kunden, die ihr Geschäft im oberen Abschnitt der Inneren Weberstraße erreichen wollen, müssen über die Baustelle laufen. Bis Donnerstag voriger Woche war der Fußweg vor dem Modeladen noch bis zur Johanniskirche begehbar. Nun ist die Baustelle bis an die Häuser herangerückt. Einen Fußweg gibt es jetzt nur auf der anderen Straßenseite, über kleine Brücken ist der Zugang zu den gegenüberliegenden Geschäften gewährleistet. Die Kunden sollten nicht davor zurückschrecken, über die Baustelle zu laufen, meint Ines Titscher-Lange und fordert sie explizit dazu auf.

Geholfen hat sie sich auch damit, auf der anderen Seite zwei Hinweisschilder anzubringen. "Die hatte ich zum Glück noch daliegen", sagt sie. Darüber hinaus weisen Schilder am Beginn der Baustelle darauf hin, dass die Geschäfte auf der Inneren Weberstraße weiter geöffnet sind.

Auch ihre Mitarbeiterin stand schon auf der anderen Seite und forderte die Kunden zum Einkauf auf. Das ist aber nur möglich, wenn Ines Titscher-Lange rechtzeitig über Einschränkungen informiert wird. Sie würde sich wünschen, dass die Bauleitung einen Tag vorher Bescheid gibt.

Das würde Bärbel Michel kaum helfen, denn sie ist derzeit Alleinkämpferin. Eine ständige Aushilfe kann sie sich in der jetzigen Situation nicht leisten. "Es geht nur, weil ich fast alles alleine mache und nur das Nötigste zum Leben entnehme", sagt die Modeverkäuferin und wartet auf den nächsten Kunden.

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