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Chinas Heimvorteil kann Friedrich stoppen

Als erster Bobpilot will er zwei Olympiasiege wiederholen. In Peking hat ausgerechnet ein Deutscher etwas dagegen. Corona hilft den Chinesen auch.

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© Robert Michael

Altenberg. Die Erinnerungen an Altenberg schmelzen dahin wie der Schnee. Am vergangenen Sonntag fuhr Francesco Friedrich im Ost-erzgebirge seinen elften WM-Titel ein. Mittlerweile geht der Blick des Rekordweltmeisters aber mehr denn je nach vorn. In genau einem Jahr ist Olympia in Peking, und die Rennen auf der neu gebauten Bahn werden die bisher größte Herausforderung für den Pirnaer.

„Gemessen wird man in erster Linie an Olympiasiegen. Da müssen wir noch etwas nachholen“, meint Friedrich, der in Peking die beiden Olympiasiege von 2018 wiederholen will. Das hat noch keiner geschafft, und damit würde er an Siegen auch mit André Lange gleichziehen. Bei Weltcup-Erfolgen hat Friedrich seinen Vorgänger als Bob-Dominator bereits übertroffen. 52:45 steht es inzwischen für den 30-Jährigen.

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Lange reagiert gelassen. „Wir haben diesen Rekord ja irgendwann jemandem abgenommen. Jetzt kommt der Nächste. Es ist normal, dass sich Dinge entwickeln. Lewis Hamilton hat ja auch den göttlichen Michael Schumacher eingeholt“, sagt der 47-Jährige, mit vier Goldmedaillen nach wie vor der erfolgreichste Bob-Pilot in der olympischen Geschichte. Und er kann dazu beitragen, dass es so bleibt.

Seit 2018 arbeitet Lange als Bahntrainer für Chinas Bob-Nationalteam, das corona-bedingt einen unschätzbaren Heimvorteil hat. Sowohl die Homologierung, also die offizielle Bahnzulassung mit ausgesuchten Piloten, als auch die Olympia-Generalprobe mit dem Weltcup inklusive Trainingswoche wurden abgesagt. Die Chinesen dagegen fahren seit einem halben Jahr fast täglich. „Das ist ungerecht. Wir haben dann 40 Fahrten, die Chinesen locker zig Hunderte Läufe. Das ist ein unfassbarer Vorteil und hat mit Fairness nichts zu tun“, sagt Bob-Bundestrainer René Spies. Er findet die Regel, dass die Heimmannschaft beliebig viel trainieren darf, längst überholt.

Nur die Rodler dürfen auf der neuen Bahn trainieren

Ein weiteres pikantes Detail: Normalerweise müssten die Chinesen vor Olympia mindestens drei Weltcup-Rennen absolvieren. Diese Regel wurde wegen Corona aber ausgesetzt. Erste Fahrten im Yanqing Sliding Center sind für die internationale Konkurrenz erst vom 5. Oktober bis 2. November möglich. Das gab es noch nie.

Bislang durfte nur eine kleine Rodel-Delegation mit Julia Taubitz auf der überdachten Bahn etwa 80 Kilometer nordwestlich von Peking im Gebiet des Xiaohaituo-Gebirges trainieren. Die Bahn sei ein optisches Highlight, die Länge aber mental belastend, meint die Oberwiesenthalerin, die bei der WM in Einzel und Sprint gewann. Gut 1,6 Kilometer sind es bis zur Ziellinie und damit noch einmal 200 Meter mehr als in Altenberg.

Das weiß auch Lange, und mit einem verschmitzten Lächeln sagt er: „Ich kenne die Bahn genau. Sie ist etwas Spezielles.“ Monatelang haben seine Sportler auf der Bahn trainiert, da sie „aufgrund von Corona nicht raus durften. Sie haben so viele Fahrten absolviert, wie man sonst nur in zwei Saisons schafft“, betont Lange. 2019 gelang Ying Qing als Achte der erste Top-Ten-Platz im Weltcup. Shao Yijun debütierte bei den Männern auf Platz 14.

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Lange arbeitet in China an der Seite von Cheftrainer Pierre Lueders. Der Kanadier, Olympiasieger von 1998, führte bereits 2014 in Sotschi den Russen Alexander Subkow zum olympischen Doppelsieg. 2018 in Pyeongchang war er dann Cheftrainer bei den Südkoreanern – mit Silber für Won Yun-jong. „Er weiß, wie es geht. Daher ist die entscheidende Frage: Was können sie am Start leisten? In der Bahn haben sie ja klare Vorteile. Wohin kippt also das Pendel?“, fragt Spies, der allerdings auch die Wettkampfhärte unter Druck als Vorteil von Friedrich sieht. (dpa mit SZ und sid)

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