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Kommentar: Die Bob-Stürze in Altenberg haben auch etwas Gutes

Stürze gehören im Eiskanal dazu, so schwere Verletzungen wie beim Bob-Weltcup in Altenberg nicht - denn sie haben andere Ursachen. Jetzt den Umbau von Bahnen zu fordern, ist allerdings großer Unsinn.

Von Tino Meyer
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Umgekippte Bobs prägten den Bob-Weltcup 2024 in Altenberg und die Diskussionen rund um die Bahn.
Umgekippte Bobs prägten den Bob-Weltcup 2024 in Altenberg und die Diskussionen rund um die Bahn. ©  Foto: Lutz Hentschel; SZ-Montage

Altenberg. Sieben Stürze am Renn-Wochenende beim Bob-Weltcup in Altenberg sind sieben Stürze zu viel. Und doch gilt unverändert, was selbst die Athletinnen und Athleten trotz der schlimm anzusehenden Bilder immer sagen: Stürze gehören dazu, so emotional kalt das klingen mag. Bob ist Rennsport, es geht um maximale Geschwindigkeit, um Grenzen finden, austesten – und neu definieren. Das betrifft gleichermaßen die Athletik der Sportler, das Material und eben auch die Fahrlinie im Eiskanal.

Die gute Nachricht: Zumindest am Wochenende blieben alle Gestürzten zwar nicht unversehrt, aber nach ersten Erkenntnissen von schweren Verletzungen verschont. Steife Nacken, Prellungen, selbst Gehirnerschütterungen – das gehört beim Bobfahren ebenfalls dazu. Damit kommen die Athletinnen und Athleten zurecht, das Risiko gehen sie bewusst ein. Die Geschwindigkeit macht schließlich den größten Reiz im Rennsport aus.

Dass seit vergangener Woche infolge der zwei Stürze im Training nun intensiver denn je über Sicherheit im Eiskanal diskutiert wird, ist trotzdem gut und wichtig. Vor allem ist das überfällig. Denn die schwere Oberschenkel- und Beckenverletzung eines Schweizers resultiert nicht aus dem Sturz, sondern ist eine vermeidbare Folge. Der Anschieber wurde bei dem Sturz aus dem Bob geschleudert, lag benommen in der Bahn, wo er mit dem vom Zielhang unkontrolliert zurückrutschenden Schlitten kollidierte.

Leider, und das Dilemma hat der Sport nicht allein, muss immer erst etwas Gravierendes passieren, um Gehör zu finden und Veränderungen zu bewirken. Insofern lässt sich den Unfällen womöglich sogar etwas Positives abgewinnen.

Um das klar zu sagen: Die von allen Beteiligten – und, wie bei solchen Vorfällen nicht selten, auch Unbeteiligten – geforderten Veränderungen sind über einen ersten Gedankenaustausch noch nicht hinausgekommen. Der aber beinhaltet konkrete Vorschläge und hilfreiche Maßnahmen, die nun diskutiert, bewertet und in der nächsten Saison umgesetzt werden.

Aktionismus jedenfalls, auch das hat das Wochenende gezeigt, hilft nicht weiter. Die nach den Trainingsstürzen vehement geforderten Fanghaken mögen für andere Bahnen mit weitgehend flacher Zielgeraden die beste Lösung sein, für Altenberg mit dem steilen Zielhang sind sie es nicht. Der größte Unsinn aber ist die Forderung, jetzt sämtliche Bahnen umzubauen. Das wäre das Ende für den Bobsport, nicht etwa für die Stürze.

E-Mail an Tino Meyer