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Rodewitz: Wie eine Rasthütte den Ort beleben soll

Mitten in dem kleinen Oberland-Ort entsteht eine besondere Rastgelegenheit für Radler. Und die Initiatoren haben noch mehr vor.

Als begeisterter Radfahrer kam Frank Heiber (r.) auf die Idee, das leere Rodewitzer Ortszentrum mit einer Rastgelegenheit zu gestalten. Das finden auch die anderen Ortschaftsräte rund um Ortsvorsteher Steffen Hoffmann gut.
Als begeisterter Radfahrer kam Frank Heiber (r.) auf die Idee, das leere Rodewitzer Ortszentrum mit einer Rastgelegenheit zu gestalten. Das finden auch die anderen Ortschaftsräte rund um Ortsvorsteher Steffen Hoffmann gut. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Das Auge gewöhnt sich schnell an Veränderungen. Das zeigt ein Besuch im Ortszentrum von Rodewitz. Dort, wo sich Haupt- und Bederwitzer Straße treffen und das knallrote Dorfgemeinschaftshaus das Ortsbild prägt, hat sich das Gesicht des kleinen Ortes, der zur Stadt Schirgiswalde-Kirschau gehört, in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Auf der heute unbebauten Straßenecke standen früher das Hortgebäude und eine Sportbaracke, berichten der Rodewitzer Ortsvorsteher Steffen Hoffmann und Frank Heiber, Mitglied des Ortschaftsrates.

Nachdem das Hochwasser 2010 die kleine Ortschaft und ihre rund 500 Einwohner stark betroffen hatte, wurden beide Gebäude abgerissen. Was blieb, war eine grüne Wiese. Die, berichten Hoffmann und Heiber weiter, sei von den Einwohnern in den Folgejahren als Festplatz genutzt worden - darüber hinaus aber ein leerer Raum geblieben. Das zu ändern, nahm sich der Ortschaftsrat zu Beginn dieses Jahres vor.

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Inspiration kommt aus Sohland

Inspiration, um diese erste Idee zu konkretisieren, fand Frank Heiber, selbst begeisterter Fahrradfahrer, nur wenige Kilometer weiter an der Sohlander Himmelsbrücke. Dort war im Sommer vergangenen Jahres auf Initiative einzelner Gemeinderatsmitglieder und mit Unterstützung ortsansässiger Firmen eine Rasthütte im Stil eines typischen Oberlausitzer Umgebindehauses entstanden. "Ich habe Fotos davon gesehen und fand das eine feine Sache", sagt Frank Heiber. Kurzerhand wandte er sich an den Sohlander Gemeinderat Steffen Schirner - der freute sich über das Interesse und stellte den Bauplan der Sohlander Hütte zur Verfügung.

Auf dieser Aufnahme vom Aufbau der neuen Rasthütte ist gut zu erkennen, dass die typischen Oberlausitzer Umgebindehäuser als Vorbild für die Gestaltung der Holzkonstruktion dienten.
Auf dieser Aufnahme vom Aufbau der neuen Rasthütte ist gut zu erkennen, dass die typischen Oberlausitzer Umgebindehäuser als Vorbild für die Gestaltung der Holzkonstruktion dienten. © privat

Daraufhin, führt Heiber weiter aus, sei nur noch zu klären gewesen, wo das neue Radlerhäus'l von Rodewitz künftig stehen soll. "Natürlich wäre es auch schön gewesen, die Hütte näher in Richtung Spree zu bauen. Dort ist es ruhiger", sagt Frank Heiber und deutet ein Stückweit gen Norden. Dort verlässt der Spreeradweg die stark befahrene Hauptstraße und folgt dem Flusslauf in Richtung Eulowitz.

Verschiedene Gründe sprachen gegen den ruhigeren Standort. Hoffmann und Heibel zählen auf: Da sei die verkehrsgünstige Lage an der Hauptstraße, wo in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hütte sich etwa ein Getränkeladen, ein Fleischer und das Lädchen von Simone Hölzel befinden. Für rastende Radler sei das ideal, fand der Ortschaftsrat. Zudem würde durch den zentralen Standort das Ortszentrum belebt - schließlich wolle man ja mit dem neuen Angebot nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch etwas für die Einwohner im Ort tun. Und: "Der Rastplatz an der Spree wäre zu weit ab vom Schuss", sagt Frank Heiber und verweist auf die Erfahrungen, die die Erbauer der Rasthütte an der Sohlander Himmelsbrücke mit Vandalismus gemacht haben.

Bau durch Fördermittel und Eigenleistung möglich

Die Stadtverwaltung habe sich schnell bereiterklärt, für das Vorhaben das kommunale Grundstück zur Verfügung zu stellen, berichten Hoffmann und Heiber weiter. Doch mit dem Bau konnte noch längst nicht begonnen werden, denn: "Billig war das alles nicht", sagt Frank Heiber und deutet auf die Baustelle, auf der am Mittwochvormittag zwei Arbeiter noch mit der Befestigung von Dachlatten beschäftigt sind. Rund 15.000 Euro, rechnet Heiber vor, habe der Bau der Hütte bislang gekostet. Da sei schon viel Eigenleistung erbracht worden, die gar nicht in die Rechnung falle - und fertig ist der Bau auch noch nicht; schließlich soll er auch noch Fenster und eine gemütliche Einrichtung bekommen.

Finanzierbar wurde das Projekt nur durch eine ganze Reihe von Fördermitteln: So sei etwa ein Antrag auf eine 80-prozentige Leader-Förderung bewilligt worden, die Kreissparkasse Bautzen habe Mittel aus der Vereinsförderung zur Verfügung gestellt, der Landkreis solche aus seinem Ehrenamtsbudget. Auf weitere Spenden ist das Projekt dennoch angewiesen - genau wie auf ehrenamtliche Helfer aus dem Ort, die sich künftig um Pflege und Erhalt der Rasthütte kümmern.

Ein Caravan-Stellplatz könnte folgen

Indes denken Hoffmann und Heiber bereits weiter: Eine Außensitzecke soll das Radlerhäus'l noch erhalten, vielleicht ein Spielgerät. Eine Idee, die die beiden Ortschaftsräte noch sehr vorsichtig äußern, sieht die Nutzung der restlichen Freifläche als Caravan-Stellplatz vor. "Abwasser liegt von den früheren Gebäuden noch an, Strom ist nicht weit", erklärt Frank Heiber.

Sven Gabriel (FDP), Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau, begrüßt so viel Engagement der Rodewitzer. Auch er kann sich vorstellen, dass hier schon bald Camper übernachten. "Gegen diese Idee spricht überhaupt nichts, zunächst aber muss geklärt werden, wer für Pflege und Erhalt des Platzes zuständig ist", sagt Gabriel. "Wenn wir so etwas bauen, muss es nachher auch schön sein."

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