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Bischofswerda: So kämpft die Bundeswehr gegen Corona

Seit Anfang Januar unterstützen Soldaten das Personal im Krankenhaus. Was sie dabei erleben und wie ihre Hilfe ankommt.

Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most besuchte am Donnerstag das Krankenhaus in Bischofswerda, um mit den vor Ort helfenden Bundeswehrsoldaten und der Klinikleitung zu sprechen.
Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most besuchte am Donnerstag das Krankenhaus in Bischofswerda, um mit den vor Ort helfenden Bundeswehrsoldaten und der Klinikleitung zu sprechen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Die Corona-Lage scheint sich langsam zu entspannen - doch in den Krankenhäusern ist die Situation weiter kritisch. „Die Intensivstationen sind weiterhin ausgelastet“, sagt Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken (OLK), am Donnerstag am Rande eines Pressegesprächs mit dem Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most.

Der stellvertretende Kommandeur des Bundeswehrkommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung besucht derzeit die Krankenhäuser in Sachsen, in denen Bundeswehr-Soldaten Amtshilfe leisten. So war er am Mittwoch in Görlitz und am Donnerstagvormittag in Zittau, ehe es nach Bischofswerda ging. Am Nachmittag reiste er noch weiter ins Elblandklinikum nach Meißen.

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„Sinn dieser Besuche ist, dass ich möglichst vielen Soldaten meinen Dank ausspreche“, sagt er direkt zu den anwesenden Kameraden im Krankenhaus Bischofswerda. „Sie leisten einen großen Dienst für Deutschland, für Sachsen, für den Kreis Bautzen. Sie gehen mit Ihrer Arbeit an Ihre Grenzen, aber ich habe bisher keinen Soldaten erlebt, der nicht wusste, warum er hier ist.“

Das Pflegepersonal war an der Belastungsgrenze

In Bischofswerda unterstützt die Bundeswehr die Oberlausitz-Kliniken seit dem 6. Januar. Generell habe es viel positives Feedback für den Einsatz der Soldaten in den Krankenhäusern gegeben. „Diese vielen positiven Rückmeldungen sind während der Corona-Pandemie ein sehr erfüllendes Gefühl, weil es zeigt, dass wir das Richtige tun“, sagt der Generalarzt.

Reiner Rogowski bestätigt diesen Eindruck für die Kliniken in Bautzen und Bischofswerda. „Bei mir kommen sonst immer nur die Beschwerden an. Das war bisher aber fast nicht der Fall. Es haben sich wenige Leute aufgeregt, dass die Soldaten eine Uniform tragen.“

Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken, ist für die Hilfe der Bundeswehr in den Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda sehr dankbar.
Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken, ist für die Hilfe der Bundeswehr in den Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda sehr dankbar. © SZ/Uwe Soeder

Der OLK-Geschäftsführer betont, dass die Uniformen sogar eine positive Wirkung hätten: „Hier in unserer Region gibt es noch immer Menschen, die erzählen, Corona gibt es gar nicht. Viele lehnen die Maßnahmen ab und tragen keine Maske. Seitdem bei uns die Soldaten im Krankenhaus helfen, halten sich die Besucher aber vermehrt an die Schutzmaßnahmen.“

Dr. Bruno Most zeigt sich sehr interessiert an der Situation vor Ort, spricht außer mit dem Geschäftsführer auch mit Chefärztin Dr. Wilma Aron und Pflegedienstleiterin Sabine Zippel. Beide lassen die letzten Monate Revue passieren. „Wir hatten eine sehr kritische Situation, und ich hatte viele schlaflose Nächte“, sagt Sabine Zippel.

Soldaten nehmen Situation als belastend wahr

Die schnelle und unkomplizierte Hilfe der Bundeswehr habe vor allem die Personalsituation entspannt. „Beim Personal treten immer mal wieder positive Corona-Fälle auf. Das Pflegepersonal ist an die Belastungsgrenze gegangen. Deswegen nehmen wir die Hilfe sehr dankbar an“, sagt die Pflegedienstleiterin.

Doch der Generalarzt interessiert sich nicht nur dafür, wie das Krankenhaus mit den Soldaten klarkommt. Auch nach der persönlichen Situation der Soldaten erkundigt er sich. „Wo sind Sie untergebracht? Wo essen Sie zu Mittag?“, fragt er. „Ich möchte wissen, wie es Ihnen bei Ihrem Dienst ergeht, wo es Probleme gibt, wo wir helfen können.“

Hauptgefreite Angelique Amarell aus Berlin wird seit dem 6. Januar als Pflegehelferin auf der Corona-Station in Bischofswerda eingesetzt. Dort musste sie das erste Mal Menschen beim Sterben begleiten.
Hauptgefreite Angelique Amarell aus Berlin wird seit dem 6. Januar als Pflegehelferin auf der Corona-Station in Bischofswerda eingesetzt. Dort musste sie das erste Mal Menschen beim Sterben begleiten. © SZ/Uwe Soeder

Untergebracht seien sie im Hotel Evabrunnen am Altmarkt in Bischofswerda, antwortet einer der Soldaten. „Und wie ergeht es Ihnen direkt an der Corona-Front?“, fragt Most weiter. „Es ist schon belastend. Man erlebt hier eigentlich alles“, erzählt Angelique Amarell. Die Hauptgefreite der siebten Kompanie des Sanitätsregiments in Berlin wird eigentlich als Kraftfahrerin eingesetzt.

Im Krankenhaus in Bischofswerda ist sie nun Pflegehelferin auf der Corona-Station. „Ich habe zwar nicht die medizinische Ausbildung wie viele meiner Kameraden. Aber trotzdem mache ich Medikationen selbst, pflege die Patienten oder halte ihre Hand, wenn es zu Ende geht. Es gab noch nichts, was ich nicht gemacht habe.“

Einsatz endet offiziell am 26. Februar

Gleich am ersten Tag kam sie mit dem Tod in Berührung. „Direkt nach der Anreise musste ich in den Spätdienst. Ich sollte das Essen reichen und die Sättigung messen. Ich bin in das Zimmer, und die Patientin war tot. Ich hatte einfach nur Gänsehaut. In der Nacht habe ich dann schlecht geschlafen“, erzählt sie. „Die verstorbene Patientin habe ich einen Tag später noch nach unten begleitet. Ich habe ihr eine kleine Blume auf den Schoß gelegt. Das ist hier so üblich. Für mich war das ein schöner Abschluss.“

Gleichzeitig sehe sie auch Patienten, denen es am Anfang sehr schlecht ging und die mittlerweile wieder genesen sind. „Es gibt solche und solche Momente. Es ist manchmal schön und manchmal beängstigend.“

Der Einsatz in Bischofswerda dauert offiziell noch bis zum 26. Februar. Ob er darüber hinaus verlängert wird, ist von der weiteren Entwicklung der Corona-Lage abhängig. Die Bundeswehr sei auf einen Abzug am 26. Februar aber nicht festgelegt. „Wir werden bleiben, so lange wir gebraucht werden", erklärt Dr. Bruno Most.

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